Navigation und Service

Täuschen und Vertuschen

Die Stasi und die Mauertoten - Eine Sonderausstellung

Mindestens 140 Menschen verloren an der Berliner Mauer ihr Leben. Die meisten von ihnen wurden bei dem Versuch aus der DDR zu flüchten durch Grenzsoldaten der DDR getötet. Im Weltbild des SED-Regimes galten Flüchtende als Feinde, gegen die jedes Mittel recht war. Vier Fall-Recherchen von Christian Booß.

Ausstellungsvitrine über das Schicksal von Gerald Thiem im Stasi-Museum. Den West-Berliner hatten im Jahr 1970 DDR-Grenzer erschossen - und vertuschten die Tat.Ausstellungsvitrine über das Schicksal von Gerald Thiem im Stasi-Museum. Den West-Berliner hatten im Jahr 1970 DDR-Grenzer erschossen - und vertuschten die Tat. Quelle: BStU/Korge

Um Schaden für das Ansehen des SED-Staates zu vermeiden, verschleierte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Todesfälle so weit wie möglich. Die Leidtragenden dieser Vertuschungsstrategie waren vor allem die Angehörigen der Maueropfer. Die Ungewissheit über die Todesumstände warf einen langen Schatten auf ihr Leben. Viele erfuhren erst nach der deutschen Vereinigung aus den Stasi-Akten die Wahrheit über den Tod ihrer Nächsten.

Um an das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen zu erinnern, zeigt der BStU im Jahr des 50. Jahrestags des Mauerbaus erstmals Originale aus einer mehrbändigen MfS-Sonderakte (BStU, MfS, AS 754/70). Die Stasi-Offiziere haben darin Fälle der Vertuschung von tödlichen Schüssen an der Mauer abgelegt. Die Akte enthält gut 30 Fälle und endet ungefähr Mitte der 1970er Jahre. Sie enthält Dokumente der Staatssicherheit über ihre Pläne zur Vertuschung, Skizzen der "Tatorte" und auch persönliche Gegenstände und Papiere der Toten. Die Stasi hatte sie konfisziert.

Die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen dankt denen, die ihr Einverständnis zu dieser Recherche gegeben haben. Die Namen der Opfer werden im Einverständnis mit nahen Verwandten genannt. Bei nicht namentlich beschriebenen Fällen ist es nicht gelungen, noch Verwandte zu finden.

Sofern sich persönliche Gegenstände und Unterlagen der Maueropfer im Archiv des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen befinden, können diese auf Antrag an den gesetzlichen Erben herausgegeben werden.

Die Ausstellung wird dauerhaft im Bildungszentrum der Außenstelle Frankfurt/Oder gezeigt.

Tod eines Ost-Berliners

Horst Einsiedel, 8. Februar 1940 - 15. März 1973

Horst Einsiedel arbeitet als Ingenieur in Ost-Berlin. Er fühlt sich eingeschränkt, kommt beruflich nicht voran. Er will nicht in die SED eintreten, auch nicht den Kontakt zu seiner Mutter und Schwester in West-Berlin abbrechen. Frustriert fasst er den Entschluss, in den Westteil der Stadt zu fliehen. Seiner Ehefrau erscheint eine Flucht wegen der kleinen Tochter zu riskant. Einsiedel wagt es dennoch. Am 15. März 1973 wird er bei der Flucht von DDR-Grenzposten erschossen.

weiterlesen: Tod eines Ost-Berliners …

Maueropfer aus West-Berlin

Gerald Thiem, 6. September 1928 - 7. August 1970

Gerald Thiem, ein Polier aus dem West-Berliner Bezirk Neukölln, dringt nach einem Feierabendumtrunk in die Ost-Berliner Grenzanlagen ein. Warum er dies tut, ist ungeklärt. Er gerät in das Blickfeld der Grenzposten, die sofort das Feuer eröffnen. Gerald Thiem bricht im Kugelhagel zusammen und stirbt.

weiterlesen: Maueropfer aus West-Berlin …

Zur Westverwandtschaft

Manfred Gertzki, 17. Mai 1941 - 27. April 1973

Manfred Gertzki scheint etabliert zu sein in der DDR. Er kommt als Diplom-Ingenieur voran, treibt in der Freizeit gerne Sport, gewinnt bei DDR-Bezirksmeisterschaften im Diskuswerfen und Kugelstoßen mehrere Preise. Trotzdem beschließt er, in den Westen zu fliehen. Eine selbstgebastelte kugelsichere Weste wird ihm schließlich zum Verhängnis.

weiterlesen: Zur Westverwandtschaft …

Aufbruch in ein neues Leben

Leo Lis, 10. Mai 1924 - 20. September 1969

Leo Lis wohnt mit seiner kinderreichen Familie in der DDR. Er ist Spätaussiedler aus Schlesien/Polen. Ein Teil seiner weitverzweigten Familie wohnt schon im Westen Deutschlands. Leo Lis hat Sehnsucht nach dem Rest seiner Familie, doch er erhält keine Genehmigung, mit seinen sechs Kindern und seiner Ehefrau die DDR zu verlassen. Er beschließt, es zunächst alleine zu versuchen. Bei der Flucht wird er erschossen.

weiterlesen: Aufbruch in ein neues Leben …