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Fluchten und Mauertote

MfS-Quellenmaterial über gelungene und gescheiterte Fluchten

Mindestens 136 Todesopfer wurden zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer erfasst - erschossen von DDR-Grenzern oder ertrunken in den Grenzanlagen der Gewässer rund um die Stadt. Die Zahl der Todesopfer an der innerdeutschen Grenze bezifferte die Zentrale Erfassungsstelle Salzgitter im Jahr 1991 mit 872 - darunter in der Ostsee ertrunkene Flüchtlinge, Opfer von Unfällen während der Flucht oder Selbstmorde nach entdeckten und vereitelten Fluchten. Die genaue Zahl der Opfer der innerdeutschen Grenze wird derzeit noch erforscht, denn viele Taten wurden kaschiert und verheimlicht. Auch durch Flüchtlinge erschossene Grenzsoldaten sowie Todesfälle deutscher Flüchtlinge an anderen osteuropäischen Grenzen gehören dazu. Jeder Fall ein Schicksal und ein Ausdruck des Willens von Menschen nach Freiheit. Für die Staatsführung der DDR hingegen war jeder Flüchtling ein "Verräter" und ein politisches Problem, dessen Lösung der Staatssicherheit übertragen wurde.

Ergebnisse der Prüfung des Vorschlags zum Betäubungsmitteleinsatz.

Erschießen erlaubt, betäuben verboten

Der renommierte DDR-Wissenschaftler Manfred von Ardenne wandte sich am 4. Dezember 1986 mit einem ungewöhnlichen Vorschlag an den Staatssicherheitsdienst. Republikflüchtige sollten nicht mehr durch potenziell tödlichen Schusswaffengebrauch am Verlassen der DDR gehindert werden, sondern durch das Verschießen von harmloseren Betäubungsmitteln. Solche veterinärmedizinischen Mittel und Methoden könnten Menschenleben retten, zur Entspannung der Situation an der deutsch-deutschen Grenze beitragen und damit dem Ansehen der DDR dienen.

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Dieter Beilig

Am 2. Oktober vor 40 Jahren

DDR-Grenzer erschießen den West-Berliner Mauer-„Provokateur“ Dieter Beilig

Dieter Beilig steigt in der Nähe des Brandenburger Tores auf die Mauer und läuft auf ihr entlang. Nachdem West-Berliner Polizisten versuchen, ihn von der Mauer zu holen, springt Beilig in den Grenzstreifen auf die Ost-Seite. Danach wird er nicht mehr lebend gesehen.

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Gedenkstein für Günter Litfin am Friedrich-List-Ufer

Wie die Stasi das erste Maueropfer Günter Litfin verunglimpft hat

Am 24. August 1961 wurde der erst 24 Jahre alte Günter Litfin beim Versuch, schwimmend den Westsektor Berlins zu erreichen, erschossen. Das MfS startete eine Verleumdungskampagne.

Um die Unmenschlichkeit der Todesschüsse auf Günter Litfin zu vertuschen, versuchte die Staatssicherheit das Opfer zu verleumden und zu kriminalisieren.

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Komplexauftrag bezüglich Fahnenfluchten

Aus Angst vor jedem Schuss

Im Herbst 1980 gewinnt das MfS einen Schüler zur Zusammenarbeit. Die Anwerbung des Minderjährigen gelingt in diesem Falle leicht. Denn das Sattelmotiv des jungen Mannes heißt: Überzeugung. Fortan hinterbringt er seinem Führungsoffizier Berichte aus dem Jugendmilieu in einer Region Nordwestmecklenburgs. Auch als Soldat liefert er der Geheimpolizei Informationen. Doch erfährt der Lebensweg des jungen Mannes während seiner Zeit im Grenzdienst eine Störung. Mit einer bemerkenswerten Argumentation weigert er sich unerwartet, die Schusswaffe gegen einen Menschen einzusetzen. So töten will er nicht. Denunzieren ist für ihn jedoch kein Problem. Die kleine Geschichte rückt beide Qualitäten ins Licht. So wie sie dem jungen Mann in seiner doppelwertigen Existenz wichtig waren.

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Die Grenzer reflektieren ihren Todesschuss vor der MfS-Kamera; Nachweis: BStU MfS ZAIG Fi 134

Tod am Checkpoint Charlie

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Tod am Checkpoint Charlie

MfS-Angehörige in Grenzeruniform schildern die Schüsse auf den 23-jährigen Flüchtling Burkhard Niering, der am Abend des 5. Januar 1974 am Berliner Ausländerübergang Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße ums Leben kam. In Uniform hatte der Volkspolizeianwärter - offenbar bewaffnet - einen Mitarbeiter der Passkontrolleinheit in Geiselhaft genommen, um so in den Westen zu gelangen. Anfangs ließen ihn die Grenzer passieren, doch als er sich unter einem Schlagbaum hindurchbücken musste, wird das Feuer auf ihn eröffnet, unmittelbar bevor er sein Ziel, den sicheren Westberliner Boden betreten konnte. Die Stasi rekonstruiert den Fall und interviewt die Täter in einem MfS-Lehrfilm voller Propaganda.

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"Wenn man schon schießt..."

Stasi-Chef Erich Mielke auf einer Dienstkonferenz des MfS am 28.4.1989 über geändertes Vorgehen an der Grenze, denn es herrschten "neue Zeiten". Wenn man aber schon schieße, dann müsse "der Betreffende eben dableiben bei uns". Mit 70 Schuss loszuballern "und der rennt nach drüben", das dürfe einfach nicht sein.