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Zivilcourage im Norden der DDR

Beispiel von DDR-Bürgern, die sich einer Mitarbeit bei der Stasi widersetzten

"Jahrzehnte der Diktatur und ihrer Bespitzelungssysteme haben es beispielsweise nicht vermocht, die Menschen glauben zu machen, es sei normal, den Arbeitskollegen, Nachbarn oder sogar Freund zu verraten. Auch in den späteren Jahren der DDR noch sagten Unzählige nein, wenn sie als Spitzel für den Staatssicherheitsdienst angeworben werden sollten. Der menschliche Anstand und die Zivilcourage haben überlebt. Wir können das tausendfach in den Akten, die meine Behörde verwahrt und in die sie Betroffenen und anderen Einsicht gibt, nachlesen. ..."

Joachim Gauck,
Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen von 1990 bis 2000,
11.09.2000, Essay zum Thema "10 Jahre deutsche Einheit".

Das Gemeinschaftsprojekt "Zivilcourage im Norden" der BStU-Außenstellen Neubrandenburg, Rostock und Schwerin zeigt an Hand von Stasi-Akten verschiedene Formen widerständigen, mutigen Handelns. Da ist z.B. der stille Protest für die Ausreiseerlaubnis mit einem symbolischen "A" im Fenster oder die Flugblattaktion von Kindern gegen die Beseitigung ihres Spielplatzes. Aber da ist auch der Protest gegen den Mauerbau und gegen den Einmarsch der Truppen der Warschauer Vertragsstaaten 1968 in Prag. Und immer wieder Beispiele von Menschen, die "Nein" gesagt haben, wenn sie als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) der Stasi geworben werden sollten.

Quer durch die Jahre der Stasi-Geschichte belegen gerade die letztgenannten Beispiele zweierlei:

  • eine konspirative Tätigkeit für das MfS galt in der Bevölkerung als anrüchig. Niemand - auch nicht der geworbene Überzeugungstäter - wollte, dass seine Stasi-Mitarbeit bei Kollegen, Bekannten oder Verwandten bekannt wurde;
  • die Stasi stellte die IM-Tätigkeit gegenüber dem "Kandidaten" als ehrenvollen Beitrag zur Stärkung des Staates, Sicherung des Friedens und zum Aufbau des Sozialismus dar. So angesprochen, gehörte Mut dazu, sich zu verweigern, sich zu Offenheit und gegen Heimlichtuerei zu bekennen und die Angst vor eventuellen Repressalien zu überwinden.

Die Beispiele aus den früheren Bezirken Rostock und Schwerin zeigen neben Ablehnungen der Zusammenarbeit mit dem MfS auch andere Formen von Mut und Widerstand.

Aus dem ehemaligen Bezirk Neubrandenburg werden hingegen ausschließlich Beispiele von Ablehnungen einer IM-Tätigkeit dargestellt. Hier wurde Wert darauf gelegt die unterschiedlichen Berufs- und Altersgruppen zu berücksichtigen. Ebenso sollte das von den 50er zu den 80er Jahren stark veränderte Vorgehen bei der Auswahl und Kontaktierung von "IM-Kandidaten" aufgezeigt werden. Die Beispiele stammen zudem aus allen ehemaligen Kreisen des Bezirkes Neubrandenburg.

Bitte klicken Sie auf die Karte, um zu den Beispielen aus der jeweiligen Region zu gelangen.

Karte Außenstelle Rostock Außenstelle Schwerin Außenstelle Neubrandenburg

Wir bedanken uns bei den Betroffenen, die eingewilligt haben, ihre Namen, ihre Erfahrungen und Aktenausschnitte zu veröffentlichen. Sie haben das Projekt bereichert, indem sie die Ereignisse aus Ihrem Erleben schilderten oder Fotos beisteuerten.