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Der X. Schriftstellerkongress der DDR vom 24.-26. November 1987 in Ostberlin

Literaten und Künstler litten in der DDR unter der Bevormundung durch das SED-Regime. Gegen die Zensur regte sich in den 80er Jahren vermehrt offene Kritik. Die letztlich entscheidende Kulturabteilung des Zentralkomitees der SED, die dem Chefideologen und Politbüromitglied Kurt Hager unterstand, lehnte Lockerungen ab. Der X. DDR-Schriftstellerkongress, der am 24. November 1987 in Gegenwart von Generalsekretär Erich Honecker und sechs weiteren SED-Politbüromitgliedern begann, zeigte aber auf, dass diese harte Linie nicht mehr durchzuhalten war.

Die Staatssicherheit schenkte einzelnen kritischen Teilnehmern am Kongress wie auch anderen "feindlich-negativen Kräften" besondere Beachtung:

Bereits im Vorfeld des Kongresses machten verschiedene Autoren deutlich, dass sie nicht mehr alle Vorschriften widerspruchslos hinnehmen würden. Häufig kam man in diesem Zusammenhang auf den Aderlass durch die Abwanderung von SchriftstellerInnen aus der DDR zu sprechen.

Zu dem Kongress war auch der bundesdeutsche Schriftstellerverband eingeladen. Dessen Vorsitzende nominierte als Mitglied der Gastdelegation den Schriftsteller Erich Loest, der die DDR 1981 verlassen hatte. Dahinter vermutete SED-Apparat und Staatssicherheit eine "Provokation" durch "feindliche Kräfte" in der BRD.

Selbst der Präsident des Schriftstellerverbands der DDR Hermann Kant übte in vorsichtiger Form Kritik an der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel des Kulturministeriums und deren Genehmigungspraxis bei Veröffentlichungen. Damit schnitt er ein Thema an, das zu einem wesentlichen Konflikt auf dem Kongress werden sollte: die Zensur. Kritische Stellungnahmen kamen von mehreren Autoren, darunter Stephan Hermlin, Günter de Bruyn und am schärfsten Christoph Hein.

Bereits im Vorfeld des Kongresses plante die Stasi Abwehrmaßnahmen gegen "feindliche Kräfte". In ihrem Bericht warf sie einigen Rednern vor, den Kongress für ihre Ziele missbraucht zu haben. Darüber hinaus wurde vermutet, dass der Kongress den Auftakt für weitere oppositionelle Aktivitäten bilden würde.

Die Autoren beriefen sich in ihrer Kritik oft auf Äußerungen der Führungsspitzen aus dem eigenen politischen Lager. So sah Kant seine Forderung nach mehr Offenheit und öffentlicher Kontroverse von Honeckers Erklärung zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution gedeckt, in der der SED-Generalsekretär die Vorreiterrolle der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) beim Beschreiten neuer Wege gelobt hatte. Andere beriefen sich auf den XXKPdSU-Parteitag (1956) und den dort aufgedeckten "Missbrauch der Macht" oder zitierten aus dem Gemeinsamen Papier von SED und SPD vom August 1987. Bemerkenswert war, dass auf dem Kongress frei gesprochen und kontrovers diskutiert wurde. Am heftigsten debattiert wurde über die ausgeschlossenen bzw. ausgereisten Schriftsteller. Die Meinungsverschiedenheiten verliefen dabei nicht nur zwischen den Verbandsmitgliedern selbst, sondern auch zwischen Schriftstellern und Funktionären. Auch wenn der Antrag, den in den 70er Jahren ausgeschlossenen Autoren die Rückkehr in den Verband zu ermöglichen, scheiterte und noch weitere "unangepasste" Autoren sich zum Verlassen der DDR gezwungen sahen, waren diese Versuche, Demokratie zu üben, doch beachtlich.

Die Staatssicherheit sah sich deshalb zu weiteren restriktiven Maßnahmen veranlasst. Dazu ein Bericht der Berliner Bezirksverwaltung:

Um den "Missbrauch" des Schriftstellerverbands durch "feindlich-negative Autoren" zu unterbinden, forderte die Stasi eine Stärkung der Parteikräfte im Verband.