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Der Volksaufstand in den Bezirken

Der Verlauf der Streiks, Demonstrationen und Aufstände des 17. Juni 1953 in den Städten und Regionen der DDR

Das geteilte Berlin war zwischen 1945 und 1989 eines der bekanntesten Symbole des Kalten Krieges. Entsprechend haben die Juni-Ereignisse im Ostsektor Berlins maßgeblich die Sicht auf den Volksaufstand geprägt. Vor allem die Bilder von großen Demonstrationen in Ost-Berlin und die dagegen in Stellung gebrachten sowjetischen Panzer gingen um die Welt. Das führte insofern zu einer Schieflage in vielen Darstellungen, Dokumentationen und Medienberichten, als der 17. Juni oftmals allein als Berliner Ereignis dargestellt worden ist. Es ist unstrittig, dass von Berlin die entscheidenden Impulse für den Aufstand ausgingen, jedoch erweisen sich in der historischen Rückschau die Entwicklungen in vielen Städten außerhalb Ost-Berlins als weitaus fortgeschrittener, energischer, kraftvoller und oft auch zielgerichteter.

Sowjetische Panzer auf dem Geraer Holzmarkt. Entschlossene Frauen verhinderten durch Sitzblockaden das weitere Vorrücken der Panzer.Sowjetische Panzer auf dem Geraer Holzmarkt. Entschlossene Frauen verhinderten durch Sitzblockaden das weitere Vorrücken der Panzer. Quelle: BStU, MfS, BV Gera, AS 20/74, Bd. 1, Seite 71

Arbeiterrevolte wird zum Volksaufstand

Vom 16. bis 21. Juni 1953 kam es in fast 700 Städten und Gemeinden der DDR zu Demonstrationen und Streiks. Insgesamt gab es damals 5.585 Städte und Gemeinden in der DDR. Der 17. Juni begann als Arbeiteraufstand, der sich schnell zum Volksaufstand weitete. Er nahm vielerorts revolutionäre Züge an, bevor er mit Hilfe von russischen Panzern unterdrückt wurde. Die sowjetische Militäradministration verhängte am 17. und 18. Juni über 167 der 217 Land- und Stadtkreise den Ausnahmezustand.

Streiks und Demonstrationen an über 700 Orten der DDR am 17. Juni 1953Streiks und Demonstrationen an über 700 Orten der DDR am 17. Juni 1953 Quelle: BStU / Schwarz

Forderung nach freien Wahlen und Wiedervereinigung

Den spontanen Aufstand trugen politische Forderungen. Die Hauptforderungen im gesamten Land lauteten: "Rücktritt der Regierung, Freie Wahlen, Weg mit der SED, Pressefreiheit, Freilassung aller politischen Gefangenen, Abzug der Besatzungstruppen aus Deutschland" und "Wiedervereinigung". Nicht nur vereinzelt forderten insbesondere Vertriebene ("Umsiedler") aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten eine Revision der Oder-Neiße-Grenze. Daneben existierten in allen Orten sozialpolitische Forderungen, die den Arbeits- und Lebensalltag betrafen, wie "Senkung der Arbeitsnormen und der HO-Preise".

Aufstand von mehr als einer Million Menschen

Am Volksaufstand waren über eine Million Menschen beteiligt. Zu Streiks kam es in weit über eintausend Betrieben und Genossenschaften. Die Aufständischen erstürmten über 250 öffentliche Gebäude. Darunter befanden sich fünf MfS-Kreisdienstellen (Niesky, Görlitz, Bitterfeld, Jena, Merseburg), zwei SED-Bezirksleitungen (Halle, Magdeburg) und andere. Vor mindestens 22 Gefängnissen versammelten sich Demonstranten zwischen dem 17. und 20. Juni mit dem Ziel, die politischen Häftlinge zu befreien. Aus zwölf Haftanstalten wurden knapp 1.400 Häftlinge befreit, von denen allerdings bis Ende des Monats über 1.200 wieder eingesperrt waren. Die anderen konnten in den Westen flüchten.

Der Volksaufstand von 1953 im Blick der Stasi

Der Band zum Jahr 1953 aus der Reihe "Die DDR im Blick der Stasi" enthält die ersten geheimen Berichte der Stasi über die Stimmung im Volk an die SED-Führung. Denn nach dem Aufstand wollte die Staatsspitze ganz genau wissen, wie es zur Revolte kommen konnte – und ob ein weiterer Aufstand droht: Informationen zu dieser Publikation.

Bildungsangebot zum "17. Juni 1953"

Dieses Bildungsangebot richtet sich an Lehrkräfte, die die Ereignisse des Volksaufstandes im schulischen Rahmen behandeln möchten. Es umfasst Arbeitsvorschläge für eine methodisch abwechslungsreiche Beschäftigung im Fach Geschichte, Politik, Deutsch, Kunst oder im fächerübergreifenden Unterricht.

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