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Zivilcourage im Norden

Ausgewählte Fallbeispiele aus den Akten des BStU

Seit seiner Gründung am 8. Februar 1950 baute das Ministerium für Staatssicherheit ein Netz aus Dienststellen aus hauptamtlichen und inoffiziellen Mitarbeitern in den einzelnen Bezirken der DDR auf.

Mit Hilfe dieses Netzes suchte die Stasi auch gezielt nach Personen, die sie ansprach, um sie für eine geheime Zusammenarbeit zu werben. Viele der so genannten Kandidaten unterzeichneten eine Verpflichtungserklärung, es gab aber auch DDR-Bürger, die sich einer Zusammenarbeit mit der Stasi verweigerten.

Die Außenstellen des BStU in Schwerin, Rostock und Neubrandenburg stellen mit dem Internetprojekt "Zivilcourage im Norden" eine Anzahl Akten zur Verfügung, die Verweigerungen belegen. Sie würdigen damit Frauen und Männer, die "Nein" gesagt oder gegen Ungerechtigkeiten protestiert haben.

Vorschläge zur Nutzung der Quellen im Unterricht

Wir laden Sie ein, die Aktenauszüge in Ihren Unterricht zu integrieren. Damit können Sie anhand von Anwerbeversuchen die Bedeutung der Stasi in der politischen Geschichte und im Alltag der DDR von den 1950er Jahren bis zur Auflösung des MfS verdeutlichen. Ein Arbeitsblatt mit Hilfestellungen zur Interpretation der historischen Quellen und Glossare zu jeder ausgewählten Quelle erleichtern den Einsatz.

Ausgewählte Akten über Jugendliche aus Neubrandenburg, Rostock und Schwerin sollen die Schülerinnen und Schüler ermutigen, selbst Position zu beziehen und über die in den Akten gezeigten Handlungsweisen zu diskutieren. In den Fällen geht es um eine der wichtigsten Freiheiten des Menschen: eine Wahl zu haben und auch gegen den Willen von Herrschenden oder vermeintlich Stärkeren "Nein" zu sagen.

Unsere Vorschläge zur Nutzung der Akten im Unterricht orientieren sich an den Lehrplänen für das Fach Geschichte der Klassen 9 und 10. Die Aktenauszüge sind jedoch ebenso nützlich für den Einsatz im Fach Ethik, im Religionsunterricht oder in der Politischen Weltkunde. Sie eignen sich zur Unterrichtsgestaltung, als Hausarbeit, als Referat oder als Ausgangspunkte einer Besonderen Lernleistung (BELL).

Über Rückmeldungen, Erfahrungsberichte, Fragen oder Anregungen würden wir uns freuen.

Anwerbeversuche in Neubrandenburg
JahrPersonHistorisch-politischer Zusammenhang
1955

Politleiter, 44 Jahre, Kreis Altentreptow

5 Seiten Aktenauszug

Kollektivierung der Landwirtschaft

Der "Kandidat" war Parteimitglied und wurde von seinem Umfeld als anständiger und tüchtiger Mensch angesehen. Er erschien der Stasi überaus geeignet, sich für sie auf dem Lande umzuhören und war dazu auch tatsächlich bereit. Die ihm gestellten Aufträge allerdings erfüllte er nicht und kam auch nicht zu geheimen Treffen.

1955

Postangestellter, 47 Jahre, Kreis Röbel

7 Seiten Aktenauszug

Parteien- und Blocksystem der DDR

Einige Mitgliedern der Liberaldemokratischen Partei im Kreis Röbel kritisierten die SED.Einen der Wortführer wollte die Stasi zur Zusammenarbeit erpressen: Entweder er verantworte seine kritischen Äußerungen vor Gericht oder er verpflichte sich zur Zusammenarbeit. Vier Stunden dauerte das Gespräch mit ihm, danach unterschrieb er die Verpflichtung. Nach eineinhalb Jahren gab die Stasi jedoch auf.

1965

Pumpenwärter, 40 Jahre, Kreis Ueckermünde

9 Seiten Aktenauszug

Nationale Volksarmee der DDR

Im Kreis Ueckermünde mussten militärische Objekte unauffällig gesichert werden. Ein in der Nähe beruflich tätiger Mann schien der Stasi geeignet. Sie ermittelte, dass er sehr ruhig und moralisch einwandfrei sei, da er keine Kontakte zu "zweifelhaften Frauen" habe.

Bei der Kontaktaufnahme appellierte die Stasi an seine Bereitschaft, die DDR zu verteidigen - auch wenn sie ihn insgeheim für andere Aufgaben vorsah. Leider wollte er aber in keiner Form eine geheime Tätigkeit durchführen.

1973

Förster, 37 Jahre, Kreis Templin

3 Seiten Aktenauszug

Sowjetische Truppen in der DDR/Untersuchungshaft des MfS

1973 verließ ein sowjetischer Soldat unerlaubt seine Garnison. Sofort wurden die Fahndung und ein Ermittlungsverfahren wegen Fahnenflucht eingeleitet. In der Vernehmung nach seiner kurzfristigen Festnahme gab er an, sich auf einem Grundstück in der Nähe versteckt zu haben. Dann wurde er von den Bewohnern entdeckt. Diese hätten ihn mit Essen versorgt. Außerdem sei ihm ein Weg gewiesen worden, auf dem er - unbemerkt von den Kontrollposten - das Gebiet hätte verlassen können. Die Bewohner wurden ermittelt, der Mann kam in Untersuchungshaft wegen des Verdachts der Beihilfe zur Fahnenflucht.

1989

Technologe, 35 Jahre, Kreis Neubrandenburg

5 Seiten Aktenauszug

Westreisen

Das Panzerreparaturwerk Neubrandenburg wurde von der Stasi besonders beobachtet, da es sich um einen Rüstungsbetrieb handelte. Darüber hinaus waren den Beschäftigten Reisen in die Bundesrepublik erlaubt, was wiederum für westdeutsche Geheimdienste interessant sein konnte. Ein "Kandidat", der über Anwerbeversuche der gegnerischen Seite informieren könnte, wurde schnell gefunden. Er hatte gerade eine Reise hinter sich.

Anwerbeversuch Jugendlicher im ehemaligen Bezirk Neubrandenburg
JahrPersonHistorisch-politischer Zusammenhang
1989

Klempner, 20 Jahre, Kreis Altentreptow

7 Seiten Aktenauszug (mit Transkript)

unangepasste Jugendliche in der DDR

Die Stasi suchte unter Schülern, Lehrlingen oder ungelernten Arbeitskräften einen Spitzel, der im "politischen Untergrund", also bei "negativ-dekadenten" Jugendlichen wirken sollte. Der schließlich gewählte 20jährige "Kandidat" aber lehnte eine Zusammenarbeit ab.

Anwerbeversuche Jugendlicher in Rostock
JahrPersonHistorisch-politischer Zusammenhang
1984

Antje-Frederike Pelz, 16 Jahre, Schülerin

5 Seiten Aktenauszug/5 Seiten Transkript

Versuch der Anwerbung von Schüler-IM in Rostock

Antje-Friederike Pelz war 1984 16 Jahre alt, als ein hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sie zwei Mal in der Schule aufsuchte. Unter einem Vorwand wurde sie zunächst zur eigenen Person befragt. Dann mussten die Stasi-Mitarbeiter sie für eine inoffizielle Zusammenarbeit werben.

1987

Steffi Kreuzfeld, 16 Jahre, Schülerin

3 Seiten Aktenauszug/3 Seiten Transkript

Versuch der Anwerbung von Schüler-IM in Rostock

Die 16jährige Steffi Kreuzfeld besuchte im Januar 1987 die 11. Klasse der 2. Erweiterten Oberschule - vergleichbar mit dem heutigen Gymnasium - in Rostock. In der Schule wurde sie von einem Stasi-Mitarbeiter aufgesucht, der sie als Inoffizielle Mitarbeiterin (IM) werben wollte. Die Stasi plante, durch die Schülerin Einblick in Zusammenschlüsse von "jugendlich-intellektuellen Personen" zu erhalten.

Anwerbeversuch Jugendlicher im ehemaligen Bezirk Schwerin
JahrPersonHistorisch-politischer Zusammenhang
1980

"Klaus", 17 Jahre, Berufsschüler

10 Seiten Aktenauszug ohne Transkript

Versuch der Anwerbung von Schüler-IM in Schwerin

Bei der Suche nach geeigneten "Kandidaten" wurde das MfS auf einen Lehrling aus Parchim aufmerksam. Seine Aufgabe sollte die "Aufdeckung, Aufklärung, Überprüfung und Kontrolle negativ-dekadenter Erscheinungen unter den Jugendlichen" werden. Nach zwei Kontaktgesprächen erarbeitete der Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) den Plan zur Werbung.

1988

Sven Jegminat, 17 Jahre, Schüler

5 Seiten Aktenauszug

Versuch der Anwerbung von Schüler-IM in Boizenburg

Nach einer systematischen Suche legte die Kreisdienststelle zu Sven Jegminat, einem Schüler der 10. Klasse, eine IM-Akte an. Im Juni und Juli 1988 fanden zwei Kontaktgespräche statt. Im August 1988 wurde wurde durch hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter im Aussprachezimmer des Rates der Stadt Lübtheen das eigentliche Werbungsgespräch durchgeführt.

Datei ist barrierefrei ⁄ barrierearm  Arbeitsblatt zur Interpretation der Quellen (PDF, 27KB, Datei ist barrierefrei ⁄ barrierearm)

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Die Bestände der Bibliothek können werktags von allen Interessierten vor Ort genutzt werden.

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