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Zivilcourage im ehemaligen Bezirk Neubrandenburg

Einleitung

Alle hier mit Hilfe von Stasi-Aktenauszügen skizzierten Beispiele belegen gescheiterte Versuche des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS), Menschen als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) zu gewinnen. Als Beispiele wurden einerseits unterschiedliche Berufs- und Altersgruppen ausgewählt. Andererseits sollte das im Laufe der Jahre veränderte Vorgehen des MfS bei der Auswahl der so genannten "IM-Kandidaten" deutlich gemacht werden.

In den 1950er Jahren war das Anwerbeverfahren einfach und kurz. Der "Kandidat" wurde häufig sofort beim ersten Gespräch auf die Bereitschaft zur Zusammenarbeit angesprochen, meist geradezu überrumpelt. Die Folge war nicht selten zwar eine schriftliche Verpflichtung, die kurz darauf aber - etwa beim nächsten Zusammentreffen - zurückgenommen wurde. Deshalb fanden ab Ende der 1960er Jahre intensive, vorherige Überprüfungen der potentiellen IM vor deren Kontaktierung, aber auch unverbindliche erste Gespräche statt.

Aktendeckel von Personalakten Inoffizieller Mitarbeiter in den 50er, 60er, 70er und 80er JahrenAktendeckel von Personalakten Inoffizieller Mitarbeiter in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren Quelle: BStU, ASt. Neubrandenburg

Die Beispiele sind territorial gegliedert. Ein Einführungstext gibt einen Einblick in die Situation, in welcher der Werbeversuch stattgefunden hat und nennt in Klammern, wie viele Seiten MfS-Dokumente dazu jeweils vorliegen. Handschriftlichen Berichten haben wir jeweils am Seitenende getippte Abschriften angefügt. Bei diesen Übertragungen in Maschinenschrift haben wir auf Authentizität geachtet: In den Aufzeichnungen vorkommende Schreibfehler wurden in den Übertragungen nicht korrigiert.

Kreis Teterow Kreis Malchin Kreis Demmin Kreis Anklam Kreis Ueckermünde Kreis Altentreptow Kreis Neubrandenburg Kreis Strasburg Kreis Pasewalk Kreis Prenzlau Kreis Waren Kreis Röbel Kreis Neustrelitz Kreis Templin

Kreis Altentreptow

1955, Politleiter, 44 Jahre (5 Seiten)

Der "Kandidat" war Parteimitglied und wurde von seinem Umfeld als anständiger und tüchtiger Mensch angesehen. Er erschien der Stasi überaus geeignet, sich für sie auf dem Lande umzuhören und war dazu auch tatsächlich bereit. Die ihm gestellten Aufträge allerdings erfüllte er nicht und kam auch nicht zu geheimen Treffen. Der Abbruch der Verbindung wurde unter anderem mit der Begründung vollzogen, die ganze Arbeit des Mannes sei nicht gut.

1975, Abteilungsleiter, 42 Jahre (6 Seiten)

1975 sah sich die Stasi im Kleiderwerk Altentreptow nur ungenügend informiert. Ein Abteilungsleiter wurde ermittelt, der den Informationsbedarf decken könnte. Doch der lehnte ab mit der Begründung, er könnte dann seinen Kollegen nicht mehr offen gegenübertreten.

1987, Arzt, 26 Jahre (6 Seiten)

Im Kreiskrankenhaus, so meinte die Stasi, wurden die Beschlüsse der SED auf dem Gebiet des Gesundheitswesens nicht ausreichend durchgesetzt. Ein junger Assistenzarzt sollte helfen zu ermitteln, wie seine Kollegen zur Partei standen und wer das Hemmnis war. Im Kontaktgespräch aber zeigte sich der junge Mann reserviert, berichtete nur von seinen schlechten Wohnverhältnissen, da er meinte, auch so etwas müsste die Stasi wissen. Weitere Kontakte lehnte er ab, da er mit dem MfS nichts zu tun haben wollte.

1989, Klempner, 20 Jahre (7 Seiten)

Unter Schülern, Lehrlingen oder ungelernten Arbeitskräften wurde ein Spitzel gesucht, der im "politischen Untergrund", also bei "negativ-dekadenten" Jugendlichen wirken sollte. Der schließlich gewählte 20jährige "Kandidat" aber lehnte eine Zusammenarbeit ab. Seiner Meinung nach gab es genug offizielle Stellen, über die man Informationen beschaffen konnte. Das Fazit der Stasi: Der Mann ist nicht geeignet.

1989, Krankenschwester, 30 Jahre (9 Seiten)

Kirchliche Kreise, aktiv im Gesundheitswesen, waren ein Schwerpunktbereich für die Stasi. Häufig hatten solche Leute auch Kontakte in den Westen. Die Stasi wollte daher eine kirchlich engagierte Krankenschwester als IM gewinnen. Schon beim ersten Gespräch musste der Mitarbeiter allerdings zur Kenntnis nehmen, dass sie zu staatlichen Stellen und den Sicherheitsorganen absolut keinen Kontakt haben wollte. Darin sähe sie keinen Sinn. Das sei so und das werde auch so bleiben.

Kreis Anklam

1965, Mitarbeiterin Fernmeldeamt, 44 Jahre (5 Seiten)

Nur zu gern hätte die Stasi diese Frau als Spitzel verpflichtet. Sie verfügte in ihrem Fach über reiche Erfahrungen, war ehrgeizig, entwickelte Initiative und war bei den Kollegen des Fernmeldeamtes beliebt. Allerdings stieß die Stasi hier auf ein unerwartetes Problem. Die Frau wollte nichts berichten ohne Zustimmung ihres Vorgesetzten, denn als Postangestellte hatte sie bereits eine postdienstliche Schweigeverpflichtung unterzeichnet.

1971, Medizinstudent, 25 Jahre (24 Seiten)

Jugendliche hatten sich 1968 in Prag aufgehalten und waren dort Zeugen der von der SED so bezeichneten "konterrevolutionären Umtriebe" geworden. Ihre Erinnerungen hatten sie gemeinsam mit ihren Fotos nach der Rückkehr im Freundeskreis besprochen. Da die Stasi davon nur auf inoffiziellem Wege Kenntnis erhielt, war eine offizielle Verfolgung der Gruppe wegen "staatsfeindlicher Hetze" nicht möglich.

Einer der Jugendlichen sollte zur Zusammenarbeit erpresst werden, um wenigstens über zukünftige Vorhaben der Gruppe zu informieren. Seine Antwort auf die Stasi-Forderung nach Zusammenarbeit als "Wiedergutmachung" war eindeutig. Er könne nicht und er wolle auch nicht. Lieber, so sagte er, ließe er sich verhaften. Die Stasi ließ ihn gehen, aber sie setzte seinen Namen auf die Liste der in Spannungssituationen zu isolierenden Personen.

Kreis Demmin

1956, Lehrer, 23 Jahre (5 Seiten)

Unter den Oberschullehrern und Oberschülern gab es der SED-Parteilinie abträgliche Diskussionen und ein nach offizieller Einschätzung zu geringes Engagement für die sozialistische Gemeinschaft. Die Stasi sah sich berufen, die Verantwortlichen zu finden und wählte einen jungen Lehrer als geeigneten möglichen Informanten. Doch weder eine Schweigeverpflichtung über das stattgefundene Gespräch noch eine Verpflichtung zur Zusammenarbeit unterschrieb der "Kandidat". Er erkannte keine Notwendigkeit zur Zusammenarbeit, kam nicht zu den Treffs und erfüllte keine Aufträge.

1985, Arztsekretärin, 38 Jahre (6 Seiten)

Das MfS suchte eine Wohnung für ihre heimlichen Treffen mit Inoffiziellen Mitarbeitern. Penibel wurden Kriterien einer geeigneten Mieterin und Maßnahmen zur Überprüfung der geeignet scheinenden Wohnungsinhaberin aufgelistet. Beim Kontaktgespräch wurde der Stasi-Oberleutnant allerdings von ihrer Frage überrascht, auf welcher rechtlichen Grundlage das MfS denn Auskünfte von ihr verlange? Eine Zusammenarbeit oder Unterstützung kam für die Frau nicht infrage.

Kreis Malchin

1971, Wehrpflichtiger/Schlosser, 19 Jahre (9 Seiten)

Unter Wehrpflichtigen, die an der Grenze zum Einsatz kommen sollten, wurde ein Inoffizieller Mitarbeiter (IM) gesucht. Beim ersten Kontakt sagte der von der Stasi in die engere Auswahl genommene Jugendliche, dass er niemals freiwillig zur Armee gehen würde. Beim Versuch, ein zweites Treffen zu verabreden, sträubte er sich zunächst, denn er wollte nicht für das MfS arbeiten und irgendwann als Spitzel bezeichnet werden. Es kam aber doch ein zweites Gespräch zustande. Er bekundete, dass er "den Westen" gar nicht so schlimm fände und es werde doch so vieles übertrieben. Mit dieser Einstellung kam er schließlich weder als IM für die Stasi noch für den Dienst an der Grenze zum Westen in Frage.

Kreis Neubrandenburg

1965, Feuerwehrmann, 31 Jahre (7 Seiten)

Feuerwehrleute waren in der DDR Angehörige der Volkspolizei. Der Stasi-Offizier war sich der problemlosen Werbung eines Feuerwehrmannes daher recht sicher. Umso ärgerlicher war die klare Absage des "Kandidaten": Nur auf Befehl seines Vorgesetzten - und das auch nur notgedrungen - sei er bereit, IM zu werden. Sogleich empfahl der Stasi-Leutnant, die vorgesehen Beförderung des Mannes zurückzunehmen. 1973 sprach sie ihn erneut an…

1967, Postangestellter, 25 Jahre (15 Seiten)

Im Hauptpostamt verfügte die Stasi über abgeschirmte Räume für die Postkontrolle. Erst spät merkte sie, dass ein leitender Mitarbeiter der Post durch seine jahrelange Tätigkeit davon einiges mitbekommen haben müsste. Bei der Überprüfung der Person stellte sich heraus, dass er stark katholisch gebunden war, eine SED-kritische politische Einstellung und Kontakt zu pazifistischen Kreisen hatte. Schon viele Jahre zuvor hatte er außerdem bei einem Werbeversuch aus religiösem Grunde die Zusammenarbeit mit dem MfS strikt abgelehnt. Das Ergebnis: Der Mann sollte weg von dieser Position.

1989, Tischler, 22 Jahre (5 Seiten)

Die Zusammenarbeit von Kirchengemeinden in der DDR mit westlichen Partnergemeinden war der Stasi ein Dorn im Auge. In der Regel drangen nur wenige Informationen aus solchen Kontakten bis zur Staatssicherheit. Unter denen, die Quartiere für Westbesucher zur Verfügung stellten, fand das MfS einen jungen Mann, der vielleicht Auskunft geben würde. Beim Kontaktgespräch behauptete der Stasi-Offizier, es ginge um ein gutes Verhältnis des Staates zur Kirche und man wollte Nachteile für religiös gebundene Bürger verhindern. Doch der junge Mann durchschaute die Täuschung und seine Antwort war deutlich: Spitzeldienste vertrügen sich nicht mit seinem Glauben und der Bibel.

1989, Lehrling, 17 Jahre (5 Seiten)

In der DDR-Jugendszene der so genannten Rowdys, Skinheads u.a. sollte ein Informant gefunden werden, um die Stasi über diese verschlossenen Kreise besser zu informieren. Der "Kandidat", den das MfS als möglichen Informanten ansprach, stand kurz vor dem Antritt einer Haftstrafe. Die "helfende und unterstützende Hand", die die Stasi ihm im Gegenzug zu Spitzeldiensten anbot, schlug er allerdings empört aus. Mit der Stasi wolle er sich nicht unterhalten. Er wolle ehrlich und sauber bleiben.

1989, Technologe, 35 Jahre (5 Seiten)

Das Panzerreparaturwerk Neubrandenburg wurde von der Stasi besonders beobachtet, da es sich um einen Rüstungsbetrieb handelte. Darüber hinaus waren den Beschäftigten Reisen in die Bundesrepublik erlaubt, was wiederum für westdeutsche Geheimdienste interessant sein konnte. Ein "Kandidat", der über Anwerbeversuche der gegnerischen Seite informieren könnte, wurde schnell gefunden. Er hatte gerade eine Reise hinter sich. Auf den Annäherungsversuch der Stasi aber reagierte er schroff: Über Personen oder den Betrieb würde er nichts sagen. Er erinnere sich, wie schikanös er 1981 beim Besuch des Bundeskanzlers Helmut Schmidt in Güstrow von der Stasi behandelt worden war, weil er versucht hatte, den Kanzler zu sehen.

1989, Vermessungsfacharbeiter, 23 Jahre (6 Seiten)

Die Stasi wollte über den Produktionsbereich Neubrandenburg des Volkseigenen Betriebes Geodäsie und Kartographie informiert werden. Hierfür überprüfte sie einen jungen Facharbeiter, der als möglicher Informant geeignet schien. Als er angesprochen wurde, weigerte er sich allerdings deutlich: Schon während seines Wehrdiensts sei er von der Stasi angesprochen worden und habe abgelehnt. In seinem Betrieb werde außerdem schon über mögliche "Zuträger" schlecht geredet und zu diesen wolle er sicher nicht gehören.

Kreis Neustrelitz

1954, Schuhmacher, 49 Jahre (5 Seiten)

Ein selbstständiger Schuhmacher, Mitglied der SED, sollte mithelfen, Personen des "politischen Untergrundes" zu entlarven. Noch am Tag der Kontaktaufnahme wurde dem "Kandidaten" die Verpflichtungserklärung diktiert. Völlig überrumpelt unterschrieb er. Schon beim nächsten Treff aber zeigte er sich verärgert: Er wolle andere Leute nicht anschwärzen. Der Mann, von dem die Stasi glaubte, sie hätte mit ihm leichtes Spiel, verweigerte die Zusammenarbeit.

1954, Mitarbeiter Rat des Kreises, 44 Jahre (5 Seiten)

Ein leitender Funktionär des Kreises Neustrelitz war wegen seiner Vergangenheit und wegen seiner familiären Beziehung nach Westdeutschland ein möglicher Informant für beide deutsche Staaten. Er wurde daher von der Stasi vorsorglich gedrängt, eine Verpflichtungserklärung für sie zu schreiben. Mehr erreichte sie nicht. Kurz nach der Verpflichtung bezeichnete er diese gegenüber dem Stasi-Offizier als sein Todesurteil und verlangte die Rücknahme.

1974, Eisenbahner, 38 Jahre (4 Seiten)

Einrichtungen der Reichsbahn hatten die besondere Aufmerksamkeit der Stasi und so sah der Jahresplan 1974 die Anwerbung eines IM dafür vor. Ein "Kandidat" wurde ins Auge gefasst, überprüft und für geeignet gehalten. Doch beim Verpflichtungsgespräch drehte und wand sich der Mann, er könne nicht mit einem doppelten Gesicht auftreten. Wenn die Kollegen das rauskriegten, sei er "unten durch", erledigt. Der am Gespräch teilnehmende Vorgesetzte ärgerte sich, denn solch kleinbürgerliche Haltung hätte schon bei der Überprüfung erkannt werden müssen. Die politische Haltung des Mannes sei ja völlig unausgereift.

1980, Mitarbeiter Volkspolizei Kreisamt (VPKA), 56/57 Jahre (4 Seiten)

Ein Polizist sollte ein Zimmer seiner Wohnung für konspirative Treffen zur Verfügung stellen und auch bei Ermittlungen im Stadtgebiet helfen. Doch sowohl der Polizist als auch seine Frau lehnten ab. Auch der Stasi-Offizier erkannte schnell die Vergeblichkeit seiner Mühen, denn das Ehepaar betrachtete die Unterstützung der Stasi als "Spitzeltätigkeit".

1986, Röntgenassistentin, 22 Jahre (5 Seiten)

Die Stimmung beim medizinischen Personal war schlecht und es gab viele Ausreisewillige. Die Stasi wollte herausbekommen, wen sie dafür verantwortlich machen könnte. Ein Insider wurde benötigt. Eine junge Frau mit entsprechenden Kontakten sollte angeworben werden. Im Gespräch gab sie Verbindungen zu Ausreisewilligen zu, war aber nicht bereit, Auskünfte zu geben. Ihr hätte schon nicht gepasst, dass die Kaderleiterin sie zu diesen Leuten aushorchen wollte. Sie akzeptiere die Existenz des MfS, aber mehr nicht. Sie wünschte keine weiteren Gespräche und Unterhaltungen.

Kreis Pasewalk

1966, Eisenbahner, 32 Jahre (9 Seiten)

Beim "umfassenden Aufbau des Sozialismus" war auch die Reichsbahn einbezogen. Dort aber gab es Probleme, die das MfS auf den Plan riefen. Ein Mitarbeiter in einer Schlüsselposition wäre als Zuträger für das MfS ideal. Ein geeignet scheinender "Kandidat" wurde schnell gefunden. Der aber lehnte ab.

1984, Jurist, 28 Jahre (5 Seiten)

Probleme in der Planerfüllung der Landwirtschaftsbetriebe mobilisierten die Stasi, die wiederum nach jemandem Ausschau hielt, den man zur Rechenschaft ziehen könnte. Ein Informant in der Bezirksleitung sollte dem MfS einen genauen Eindruck über die leitenden Persönlichkeiten verschaffen. Ein Justitiar wurde als geeigneter "Kandidat" ausgekundschaftet, doch der Anwerbeversuch verlief negativ. Über allgemeine Probleme zu berichten war er bereit, über Personen aber nicht. Seine Zusammenarbeit könne außerdem nur eine offizielle sein und er werde auch nur aktiv, wenn sein Vorgesetzter es erlaube.

Kreis Prenzlau

1989, Oberschülerin, 17 Jahre (23 Seiten)

Das MfS wollte in den 11. Klassen Inoffizielle Mitarbeiter haben. Diese sollten in der Lage sein, Gedanken, Gefühle, Absichten und Ziele vor ihren Mitschülern zu verbergen, deren Ziele und Absichten aber zu erkennen.

Die ausgewählte "Kandidatin" war 17 Jahre alt. Schon beim ersten Gespräch war die Schülerin verängstigt und verunsichert. Es war offensichtlich, dass sie die Situation psychisch nicht verkraftete und trotzdem versuchte die Stasi weiterhin, sie zu gewinnen. Sie nahm dazu sogar die Hilfe der Eltern in Anspruch. Mit gefälschtem Material behauptete sie, dass es an der Schule "staatsfeindliche Umtriebe" gebe und die Mithilfe der Schülerin zur Verhinderung schwerer Straftaten nötig sei. Doch das Gespräch mit den Eltern wurde ein Misserfolg. Sie stellten sich schützend vor ihre Tochter und bestanden darauf, dass die Stasi sie in Ruhe ließ.

1989, Buchhalter, 21 Jahre (5 Seiten)

Routineprüfungen in einem Prenzlauer Betrieb ergaben, dass etliche Mitarbeiter mit ehemaligen DDR-Bürgern im Westen Verbindungen unterhielten. Die Stasi wollte darüber genauer Bescheid wissen. Eine junge Frau, die gerade eine Reise nach Bulgarien plante, sollte Auskunft geben, doch schon beim ersten Gespräch wurde der Misserfolg erkennbar. Sie lehnte eine Zusammenarbeit grundsätzlich ab, denn "so etwas" könne man doch mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. Ihre Freunde seien Punks, da herrsche Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit.

1989, Schlosser, 22 Jahre (8 Seiten)

Die Stasi wollte über eine etwa zehnköpfige Jugendgruppe in Prenzlau Bescheid wissen und notfalls durch Erpressung einen aus der Gruppe als Spitzel gewinnen. Nachdem der junge Mann das Anliegen durchschaut hatte, sperrte er sich total. Beim telefonischen Versuch, ein neues Treffen zu vereinbaren, legte er einfach auf. Die Einschätzung des Stasi-Offiziers lautete schlicht, der Mann sei nicht bereit "sich mit unserem Organ zu liieren".

Kreis Röbel

1955, Postangestellter, 47 Jahre (7 Seiten)

Bei Mitgliedern der Liberaldemokratischen Partei im Kreis Röbel herrschten Meinungen, die der SED abträglich waren. Einen der Wortführer wollte die Stasi zur Zusammenarbeit erpressen: Entweder er verantworte seine kritischen Äußerungen vor Gericht oder er verpflichte sich zur Zusammenarbeit. Vier Stunden dauerte das Gespräch mit ihm, danach unterschrieb er die Verpflichtung. Nach eineinhalb Jahren gab die Stasi jedoch auf. Der Mann war einfach nicht dazu zu bewegen, andere Personen über ihre politische Einstellung auszuhorchen.

1955, Verkäuferin, 20 Jahre (5 Seiten)

Bei der Lebensmittelversorgung war die Lage angespannt und in der Logik der Stasi konnte nur Feindtätigkeit die Ursache sein. Eine Verkäuferin mit guten Kontakten zur Kundschaft müsste Aufschluss geben können, beschloss die Stasi. Sie sollte intelligent sein, außerdem aber ehrlich und aufrichtig gegenüber der Stasi. Eine Zwanzigjährige mit diesen Merkmalen wurde angesprochen. Sie unterschrieb auch die Verpflichtungserklärung, da sie für den Frieden sei, den ihr die Stasi als bedroht schilderte. Sofort danach aber wurde der jungen Frau klar, dass sie jetzt ein Spitzel war. Sie lehnte daraufhin jede Zusammenarbeit ab, denn ihre Eltern würden sie rausschmeißen, wenn sie es erführen. Die Stasi solle besser zum Verkaufsstellenleiter gehen, der wisse auch über alles Bescheid.

1986, Tierarzt, 51 Jahre (7 Seiten)

In der Landwirtschaft verendeten auffällig viele Tiere, weshalb die Stasi ein mögliches Verbrechen vermutete. Ein Tierarzt müsste darüber informieren können, woran die Tiere starben. Ein Stasi-Mitarbeiter und sein Vorgesetzter mühten sich daraufhin sehr, den "Kandidaten" zu einer Zusammenarbeit zu überreden. Der wollte auch gern objektive Ursachen benennen und gemeinsam mit der Stasi auf Fehlersuche gehen. Personenbezogene Auskünfte zu geben lehnte er aber konsequent ab. Er war nicht bereit, sich über die Arbeit seiner Kollegen zu äußern.

Kreis Strasburg

1972, Facharbeiter, 17 Jahre (5 Seiten)

"Negative Jugendliche", das heißt Jugendliche, die nicht dem Wunschbild der Partei entsprachen, gab es auch in der Kleinstadt Strasburg. Einer dieser "Rowdys" sollte als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) gewonnen werden. Bei der ersten Aussprache gab sich der "Kandidat" jedoch verschlossen. Er, so sagte er offen, würde keinen "anscheißen".

Kreis Templin

1973, Förster, 37 Jahre (3 Seiten)

1973 verließ ein sowjetischer Soldat unerlaubt seine Garnison. Sofort wurden die Fahndung und ein Ermittlungsverfahren wegen Fahnenflucht eingeleitet. In der Vernehmung nach seiner kurzfristigen Festnahme gab er an, sich auf einem Grundstück in der Nähe versteckt zu haben. Dann wurde er von den Bewohnern entdeckt. Diese hätten ihn mit Essen versorgt. Außerdem sei ihm ein Weg gewiesen worden, auf dem er - unbemerkt von den Kontrollposten - das Gebiet hätte verlassen können. Die Bewohner wurden ermittelt, der Mann kam in Untersuchungshaft wegen des Verdachts der Beihilfe zur Fahnenflucht.

Kurz danach stufte der sowjetische Militärstaatsanwalt das Verfahren gegen den Soldaten von "Fahnenflucht" in "unerlaubtes Entfernen" um. Daraufhin musste auch der Helfer freigelassen werden, denn Beihilfe zum unerlaubten Entfernen rechtfertigte lediglich eine "Rüge" keinesfalls aber Untersuchungshaft. Der Untersuchungshäftling wurde über die geänderte Situation und seine baldige Freilassung nicht informiert. Dafür sollte nun dessen Lage, Vater zweier Kinder mit einer längeren Gefängnisstrafe vor Augen, zur Erpressung einer inoffiziellen Zusammenarbeit genutzt werden.

1988, Oberschüler, 18 Jahre (3 Seiten)

Jugendliche aus dem Gebiet Templin mit "gesellschaftswidrigen Verhaltensweisen", wie eine Gruppe Fans des 1. FC Union Berlin, mussten nach Auffassung des MfS überwacht und langfristig im Sinne der Partei beeinflusst werden. Dem dafür ausgewählten "Kandidaten" wurde dargelegt, welche Vorteile eine inoffizielle Zusammenarbeit für seine weitere persönliche Entwicklung hätte. Der aber argumentierte, dass er die Notwendigkeit nicht einsähe: Er wolle Lehrer werden und sei daher für Offenheit und Ehrlichkeit.

Kreis Teterow

1967, Genossenschaftsbauer, 37 Jahre (4 Seiten)

Da nach Ansicht der Stasi der Feind überall wirksam werden konnte, mussten auch Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) überwacht werden. Der gute Leumund eines Vorstandsmitglieds wurde für die Stasi zum Anknüpfungspunkt, ihn als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) zu werben. Doch schon beim ersten Gespräch lehnte der "Kandidat" ab: Er möge keine Geheimniskrämerei.

Kreis Ueckermünde

1965, Forstingenieur, 33 Jahre (5 Seiten)

Auch über die Forstwirtschaft wollte die Stasi informiert sein. Der als "IM-Kandidat" ausgespähte Förster zeigte zwar Bereitschaft, über forstwirtschaftliche Probleme zu sprechen, doch seine Arbeitskollegen in irgendeiner Form zu überwachen lehnte er ab. Zu solchen Diensten sei er schon in der Studienzeit nicht bereit gewesen.

1965, Pumpenwärter, 40 Jahre (9 Seiten)

Im Kreis Ueckermünde mussten militärische Objekte unauffällig gesichert werden. Ein in der Nähe beruflich tätiger Mann schien der Stasi geeignet. Sie ermittelte, dass er sehr ruhig und moralisch einwandfrei sei, da er keine Kontakte zu "zweifelhaften Frauen" habe.

Bei der Kontaktaufnahme appellierte die Stasi an seine Bereitschaft, die DDR zu verteidigen - auch wenn sie ihn insgeheim für andere Aufgaben vorsah. Leider wollte er aber in keiner Form eine geheime Tätigkeit durchführen. Auch eine schriftliche Schweigeverpflichtung verweigerte er, woraufhin die Stasi-Mitarbeiter nur drohen konnten, sie würden es sehr schnell erfahren, wenn er von dem Gespräch erzählte. Verärgert notierte der Offizier, dass die Ablehnung wohl auf die Zugehörigkeit des Mannes zur Kirche zurückzuführen sei.

Kreis Waren/Müritz

1965, Verkäuferin, 43 Jahre (2 Seiten)

Die Stasi wollte Tauschgeschäften mit sowjetischen Soldaten auf die Schliche kommen. Die Beteiligung einer Verkäuferin an den Geschäften sollte genutzt werden, um sie zu einer inoffiziellen Zusammenarbeit zu erpressen. Trotz der zu erwartenden Strafe lehnte sie ab. Den Grund für ihr Verhalten sah der MfS-Offizier darin, dass sie "sehr kirchlich und gottgläubig eingestellt ist".

1967, Ingenieur, 28 Jahre (7 Seiten)

Die Stasi suchte einen Fachmann, der bei der Personenfahndung einsetzbar war. Unter den Mitarbeitern der Technischen Überwachung () wurde sie fündig. Der Angesprochene bat um Bedenkzeit. Beim zweiten Gespräch sagte er, dass er eine Zusammenarbeit nicht eingehen wolle. Trotz Drängens war er auch nicht bereit, eine Schweigeverpflichtung zu schreiben, da er ja keine Geheimnisse erfahren habe.

1977, Bauingenieur, 30 Jahre (6 Seiten)

Gemessen am Informationsbedarf arbeiteten nach Meinung der Stasi in einem Projektierungsbetrieb zu wenig Inoffizielle Mitarbeiter. Ein weiterer IM, möglichst eine fachlich anerkannte Person, gern auch mit Kontakten in den Westen, wurde gesucht. Beim ersten Gespräch berichtete der "Kandidat" offen über sich und über allgemeine Probleme des Betriebes. Die Verabredung zu einem Folgetreffen aber lehnte er ab. Dies ziele auf eine regelmäßige Zusammenarbeit, und dazu sei er nicht bereit.