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Skinhead-Überfall auf Konzertbesucher

Vor 30 Jahren, am 17. Oktober 1987, ziehen Skinheads aus Ost- und West-Berlin angetrunken zur Ostberliner Zionskirche. Dort endet ein Konzert der Ostberliner Punk-Band "Die Firma" und der West-Berliner Band "Element of Crime". Als die Konzertbesucher die vollbesetzte Kirche verlassen, schlagen die Skins auf sie ein. Die Aufzeichnungen zum späteren Gerichtsprozess beschreiben: Die Skins rufen "Oi, oi oi!" und brüllen Naziparolen wie "Juden raus", "Kommunistenschweine" und "Sieg Heil!".

auf dem Foto ist auf der rechten Seite die Zionskirche zu sehen, es entstand im November 1987Blick in Richtung Zionskirche, November 1987 Quelle: BStU, MfS, BV Berlin/Fo/71, Bl. 10, Bild 12 (Ausschnitt)

Nachdem die Polizei zunächst verspätet und minimal reagiert, werden nach Anzeigen gegen Unbekannt wegen Körperverletzung Ermittlungen eingeleitet. Staatssicherheitsdienst und Volkspolizei arbeiten eng zusammen. Die Stasi-Kreisdienststelle Berlin-Mitte eröffnet den operativen Vorgang "Konzert". Zwölf Ermittlungsverfahren mit dem Ziel der Inhaftierung wegen "Rowdytums" und "öffentlicher Herabwürdigung" werden eingeleitet. Täter werden tatsächlich auch ermittelt. Für die Gerichtsverfahren stimmt sich die Staatssicherheit eng mit der Justiz der DDR ab. Die Skins aus Ost-Berlin erhalten Haftstrafen bis zu vier Jahren.

Der Gemeindekirchenrat der Zionsgemeinde hatte auch nach West-Berlin eine Anzeige gegen Unbekannt geschickt. Die DDR leistet auf Bitten des West-Berliner Generalstaatsanwalts Amtshilfe bei der Ermittlung der beteiligten West-Berliner Skins. Sie werden im operativen Vorgang "Skorpion" der Arbeitsgruppe XXII (Terrorabwehr) der Stasi-Bezirksverwaltung Berlin erfasst.

Der Überfall auf die Konzertgänger der Zionskirche und das öffentliche Aufsehen darüber zwingt die politische Führung weiter zum Nachdenken über rechtsextremistische Jugendliche in der DDR. Der Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit, Generaloberst Mittig, informiert am 2.2.1988 darüber, wie die Hauptabteilung (HA) XX, die unter anderem für die Bekämpfung von "Zusammenschlüssen negativ-dekadenter Jugendlicher" zuständig ist, die Lage einschätzt.

Die "Maßnahmen" gegen "nationalistische und neofaschistische Äußerungen und Rowdyhandlungen Jugendlicher" umfassen monatliche Berichterstattungen darüber, ob es gelingt, die rechtsextremistischen Gruppierungen Jugendlicher zurückzudrängen, zu zerschlagen und womöglich umzuerziehen. Verstärkt sollen jugendliche inoffizielle Mitarbeiter zum Einsatz kommen. Die Kontakte zwischen den ostdeutschen und den westdeutschen Skins sollen durch Postkontrolle und Einreiseverbote der Westdeutschen und West-Berliner Skins unterbrochen werden.

Der gewünschte Erfolg bleibt aus. Ein Jahr später ist aus Stasi-Sicht das Problem weiter ungelöst. Am 27.3.1989 eröffnet die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Berlin den operativen Vorgang "Ring" gegen Unbekannt zur "zielgerichteten Bearbeitung der Skinhead-Szene".

Zusätzliche Informationen

Literaturhinweise

  • Dirk Moldt, "Keine Konfrontation!". Die Rolle des MfS im Zusammenhang mit dem Überfall von Skinheads auf ein Konzert in der Berliner Zionskirche am 10. Oktober 1987, in: Horch und Guck; 11(2002)40, S. 14 – 25
  • Ilko-Sascha Kowalczuk (Hg.), Freiheit und Öffentlichkeit. Politischer Samisdat in der DDR 1985-1989, Berlin 2002

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