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Highlights des Jahres im Archiv

Besucherrückblick 2014

Für die Aufarbeitung der Vergangenheit und den Umgang mit den Geheimpolizei-Akten im Stasi-Unterlagen-Archiv interessierten sich 2014 insgesamt 277 Besuchergruppen mit 3.274 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. 54 Archivführungen fanden auf Englisch statt. Die Schüler, Studenten, Wissenschaftler, Abgeordnete, Fachbesucher, Diplomaten, Journalisten und interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen sowohl aus Deutschland als auch aus aller Welt. Insgesamt hatte das Archiv Besucher aus 25 Ländern aller Kontinente – dieses Jahr insbesondere aus Nord- und Südamerika, Asien und Nordafrika.

Besucher lesen im Magazinraum in ausgewählten Musterakten.Besucher bei einem Archivrundgang. Quelle: BStU / Hiebsch

Tag der Archive

Der bundesweite Tag der Archive fiel 2014 auf den 8. März, den Internationalen Frauentag. Die Stasi-Unterlagen-Behörde zeigte unter dem bundesweiten Motto "Frauen – Männer – Macht", wie Frauen für und gegen die Stasi arbeiteten. Knapp 230 Besucher vertieften sich in Berlin-Lichtenberg in Stasi-Akten und Ausstellungen zu dem Thema. Auch einige Außenstellen der Behörde beteiligten sich an dem Aktionstag.

Aufarbeitung

Zahlreiche Spezialisten für die Aufarbeitung von Diktatur und Menschenrechtsverletzungen informierten sich bei der Stasi-Unterlagen-Behörde über den Umgang mit den Unterlagen der Geheimpolizei und der DDR-Geschichte. In den südamerikanischen Staaten besteht ein zunehmendes Interesse an Aufarbeitung von Menschenrechtsverstößen. Besucher kamen u.a. aus Guatemala, das einen 36 Jahre währenden Bürgerkrieg hinter sich hat, oder aus Kolumbien, wo ebenfalls jahrelang Unruhen herrschten.

Der Botschafter von Kolumbien, Juan Mayr, und die Gesandte Estela Vargas informierten sich am 29. Januar 2014 darüber, wie Menschenrechtsverletzungen aufgearbeitet werden können. Guatemala möchte sich unter anderem mit dem Erinnerungsprojekt "Denkmal für Versöhnung" seiner Vergangenheit stellen. Bei dem Besuch des Leiters dieses Projektes, Julio Solorzano Foppa, ging es vor allem um Fragen zu Museums- und Gedenkstättenkonzepten.

Der Gast aus Guatemala, Julio Solozano Foppa, zusammen mit einem Begleiter von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und zwei Mitarbeiterinnen des BStU vor einem Plakat, das Regale mit Akten zeigt.Herr Julio Solozano Foppa (2. v. l.), Direktor von "Denkmal für Versöhnung“, Guatemala, am 27. Juni 2014 vor dem Archiv. Begleitet wurde er von einem Mitarbeiter der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit). Links im Bild BStU-Referatsleiterin Susanna Wurche, ganz rechts Margret Steffen, Leiterin der Stabsstelle Kommunikation beim BStU. Quelle: BStU/Schweigel

Besonderes Interesse an den deutschen Erfahrungen mit der Wiedervereinigung hat Südkorea. Von dort kamen auch im Jahr 2014 nicht nur mehrere Gruppen von Wissenschaftlern und Beamten, sondern auch der koreanische Botschafter, Kim Jae-Shin. Der Besuch fand am 23. Juli 2014 statt. Weitere Menschenrechtsaktivisten, Wissenschaftler, Journalisten und Beamte kamen unter anderem aus Kenia und Kambodscha, Marokko und Myanmar, um sich Anregungen für die Vergangenheitsbewältigung zu holen.

Whistleblower

Während seines Aufenthaltes in Berlin für die Befragung vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages fand der ehemalige NSA-Mitarbeiter Thomas Drake auch Zeit für einen Besuch im Stasi-Unterlagen-Archiv. Begleitet von einem österreichischen Dokumentarfilmer besichtigte er am 23. Juni 2014 die Kartei- und Magazinräume in Berlin-Lichtenberg.

Drake war 2006 aus dem Dienst bei der NSA ausgeschieden und hatte seine Kritik am Überwachungsprogramm "Trailblazer" öffentlich gemacht. Damit war er in die Mühlen der US-Justiz geraten, die ihm Geheimnisverrat unterstellte. 2011 wurden die Hauptanklagepunkte gegen ihn fallen gelassen. Sein Gästebucheintrag reflektiert angesichts seiner eigenen Geschichte besonders die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Er lautet: "Vergesst niemals die dunklen Schatten der Geschichte, ganz besonders dann, wenn der Spiegel der Vergangenheit der Horizont der Gegenwart wird."

Gästebucheintrag von Thomas Drake, 23. Juni 2014: "Never forget the dark shadows of the history - especially when the mirror of the past becomes the horizon of the present." - Thomas Drake, NSA Whistleblower.Gästebucheintrag von Thomas Drake, 23. Juni 2014. Quelle: BStU

Erfahrungsaustausch auf der Fachebene

Das Stasi-Unterlagen-Archiv pflegt einen regen fachlichen Austausch mit Archivexperten weltweit. So besuchten auch 2014 wieder Archivare aus Norwegen die Stasi-Unterlagen-Behörde. Das Archiv war außerdem ein Programmpunkt der internationalen Konferenz "Archiving" am 16. Mai 2014. Vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem aus den USA besuchten die Magazine in Berlin-Lichtenberg.

Besucher im Archiv
   
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz "Archiving" am 16. Mai 2014 im Magazin.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz "Archiving" am 16. Mai 2014 im Magazin. Quelle: BStU

Gästebucheintrag der kambodschanischen Senatsdelegation am 17. Dezember 2014.

Gästebucheintrag der kambodschanischen Senatsdelegation am 17. Dezember 2014. Quelle: BStU

Der Bundesbeauftragte begrüßt Prof. Dr. Jamaâ Baïda im Foyer vor den Ausstellungstafeln über die Stasi.

Der Bundesbeauftragte begrüßt Prof. Dr. Jamaâ Baïda Quelle: BStU

Eintrag der kenianischen Delegation vom 9. Mai 2014.

Eintrag der kenianischen Delegation vom 9. Mai 2014. Quelle: BStU

Einträge der Gäste aus Südkorea und den USA.

Einträge der Gäste aus Südkorea und den USA. Quelle: BStU

Gästebucheintrag: Südafrikanische Besucher bedanken sich im Gästebuch für die Führung.

Gästebucheintrag südafrikanischer Besucher vom 2. Juli 2014. Quelle: BStU

Die Leiterin des königlichen Archivs von Marokko, Frau Prof. Dr. Bahija Simou, am 25. November 2014 im Foyer des Archivs. Im Hintergrund sind Informationstafeln.

Die Leiterin des königlichen Archivs von Marokko, Frau Prof. Dr. Bahija Simou, am 25. November 2014 im Archiv. Quelle: BStU / Schweigel

Lateinamerikanische Aufarbeitungsexperten zusammen mit dem Bundesbeauftragten Roland Jahn (Bildmitte) vor dem Eingang zum Archiv.

Lateinamerikanische Aufarbeitungsexperten zusammen mit dem Bundesbeauftragten Roland Jahn (Bildmitte) vor dem Archiv am 6. Oktober 2014. Quelle: BStU / Brosin

In Marokko wird derzeit im Nationalarchiv ein neuer Bereich aufgebaut. Der Leiter des Nationalarchivs, Prof. Dr. Jamaâ Baïda, besuchte am 31. Oktober 2014 die Stasi-Unterlagen-Behörde. Das seit 2007 bestehende Archiv soll die von der Wahrheitskommission gesammelten Unterlagen über Marokkos "bleierne Jahre" (1956 – 1999) übernehmen. Es soll in Zukunft diese personenbezogenen Unterlagen zugänglich machen und gleichzeitig die betroffenen Menschen schützen. Hier kann Marokkos Nationalarchiv von der langjährigen Erfahrung im Umgang mit Stasi-Unterlagen profitieren.

Eine weitere Besucherin aus Nordafrika war Pof. Dr. Bahija Simou. Sie leitet das königliche Archiv von Marokko. Sie war am 25. November im Archiv der Stasi-Unterlagen-Behörde zu Gast. Das königliche Archiv übernimmt die Dokumente des Königshauses und einiger wichtiger Ministerien, wie etwa von Innen-, Außen- und Verteidigungsministerium.

Weitere Besucher

Sieben Büroleiter des US-Kongresses besuchten am 14. Oktober die Stasi-Unterlagen-Behörde, wo sie vom Bundesbeauftragten Roland Jahn empfangen wurden. Beim anschließenden Archivrundgang bekamen sie einen Einblick in die Funktionsweise des Staatssicherheitsdienstes.

BStU-Pressesprecherin Dagmar Hovestädt (links) zeigt den Büroleitern des US-Kongresses Karteikartenbeispiele. Im Hintergrund stehen geschlossene Karteipaternoster.BStU-Pressesprecherin Dagmar Hovestädt (links) zeigt den Büroleitern des US-Kongresses das Karteisystem der Stasi. Quelle: BStU / Brosin

Künstler des Transmediale-Projektes "Magical Secrecy Bus Tour" besuchten am 5. Juni die Stasi-Unterlagen-Behörde und andere Erinnerungsorte in Berlin. Die Transmediale 2015 betrachtet unter dem Motto "Capture All" verschiedene Aspekte unserer Lebenswelt durch den "black mirror" von Daten. Wie in solch einer Kultur trotzdem autonomes Handeln stattfinden kann, ist eine der Fragen, mit der sich die Transmediale auseinandersetzt. Die Künstler der Magical Secrecy Bus Tour näherten sich diesem Problem unter anderem im Stasi-Unterlagen-Archiv. Sie warfen einen Blick in die Vergangenheit, um Antworten für die Zukunft zu finden.

Spurensuche - Bitte helfen Sie uns

In den Archiven des BStU lagern zahlreiche Bild- und Filmaufnahmen, denen der Kontext, die Datierung oder Ortsangaben fehlen. Deshalb brauchen wir Ihre Hilfe. Hier finden Sie unsere derzeitigen Suchbilder.

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ARGUS für MfS-Unterlagen

Neue Online-Recherche für Stasi-Unterlagen: ARGUS - Findmittel auf einen Blick