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Was bedeutet eigentlich "Stasi"?

Der Begriff Stasi steht umgangssprachlich für Staatssicherheit, gemeint ist das ehemalige Ministerium für Staatssicherheit der DDR, abgekürzt MfS.

Die Stasi, bzw. das MfS war Nachrichtendienst und Geheimpolizei zugleich und verletzte Bürgerrechte und Menschenrechte massiv. Die Stasi war das Instrument, mit dem die Staatspartei SED in der DDR systematisch die Überwachung des eigenen Volkes betrieb und mit Repressionen ihren Machtanspruch durchsetzte.

Schild beim Sturm von Bürgern auf die Stasi am 15. Januar 1990: Stasi stehe für Schlagen, Treten, Abhören, Spionieren und Inhaftieren.Rückblick: Schild beim Sturm von Bürgern auf die Stasi-Zentrale in Berlin am 15. Januar 1990: Stasi stehe für Schlagen, Treten, Abhören, Spionieren und Inhaftieren. Quelle: RBB-Kontraste

Das Ministerium für Staatssicherheit wurde per Gesetz am 8. Februar 1950 gegründet. Es ging aus der bis dahin dem DDR-Ministerium des Innern unterstellten "Hauptverwaltung zum Schutze der Volkswirtschaft" hervor. Erster Minister für Staatssicherheit wurde auf sowjetischen Wunsch Wilhelm Zaisser. Das Ministerium sei notwendig für den "zuverlässigen Schutz der volkseigenen Betriebe, landwirtschaftlichen Güter und des Verkehrswesens vor verbrecherischen Elementen, feindlichen Agenten, Diversanten, Saboteuren und Spionen", begründete der damalige DDR-Innenminister Karl Steinhoff in der Volkskammer die Notwendigkeit eines solchen Ministeriums. Näher betrachtet handelte es sich allerdings um ein militärisches Organ, das faktisch nicht dem DDR-Ministerrat, sondern direkt dem SED-Generalsekretär unterstand, damals noch Erster Sekretär der SED genannt.

Die Zentrale des MfS wurde in Berlin angesiedelt, daneben entstanden 15 vergleichbar gegliederte Bezirksverwaltungen, 209 Kreis- und sieben Objektdienststellen, so der Bestand im Jahr 1989. Deren Aufgabenfelder betrafen nahezu jede Institution: Parteien, gesellschaftliche Organisationen, Militär, Polizei, Betriebe, Krankenhäuser, Schulen, Universitäten, die Kirchen, kulturelle Einrichtungen usw.

Von Anbeginn war das MfS "Schild und Schwert der Partei" – und zugleich Hilfsorgan des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Zu diesem Zweck rekrutierte das MfS "geheime Informatoren" und "geheime Mitarbeiter" in der Bevölkerung, später IM genannt (inoffizielle Mitarbeiter), die konspirativ unter Decknamen operierten. Mit weit reichenden Befugnissen kontrollierte die Stasi systematisch Post, observierte und belauschte regimekritisch denkende Bürger, drang heimlich in deren Wohnungen ein, schüchterte Andersdenkende ein und "zersetzte" gezielt Oppositionsgruppen. Im Volksmund wurde die Stasi auch als "Horch und Guck" bezeichnet. Aber sie "schnüffelte" nicht nur. Zugleich war das MfS auch für strafrechtliche Untersuchungen gegen vermeintliche Staatsfeinde zuständig, im Stasi-Jargon "feindlich-negative Elemente".

Ab 1957 wurde das Ministerium von Erich Mielke als beauftragtem Minister für Staatssicherheit geleitet, zuletzt im Rang eines Armeegenerals. Mielke blieb in dieser Funktion bis zum 7. November 1989 im Amt. Seine Mitarbeiter verstanden sich als "Tschekisten" – ein damals üblicher Begriff für Geheimpolizisten im Ostblock, die sich in der Tradition des ersten russischen Geheimdienstchefs Feliks E. Dzierzynski verstanden. Nach Dzierzynski wurde 1967 das Stasi-Regiment zur Bewachung von Partei-, Regierungs- und MfS-Gebäuden benannt. Der Begriff "Tschekist" leitete sich dagegen von "Tscheka" ab, sie wurde 1917 von Lenin gegründet. Diese Abkürzung stand für "Tschreswytschainaja Komissija po borbe s Konterrewoljuzijej, spekulazijei i sabotaschem" (Außerordentliche Kommission für den Kampf gegen Konterrevolution, Spekulation und Sabotage).

Das MfS wuchs von Jahr zu Jahr an. 1988 verfügte es über 91.015 hauptamtliche und 189.000 inoffizielle Mitarbeiter. Sie ermöglichten eine flächendeckende Überwachung der DDR-Gesellschaft.

Im Zuge der Friedlichen Revolution fasste die DDR-Volkskammer am 17. November 1989 den Beschluss, das MfS in "Amt für Nationale Sicherheit" (AfNS) umzubenennen, neuer Leiter wurde der bisherige Stellvertreter Erich Mielkes, Wolfgang Schwanitz. Sein Amt existierte aber aufgrund anhaltender Bürgerproteste nicht mehr lange. Die MfS bzw. AfNS–Dienststellen wurden besetzt und die dort verbliebenen Geheimdienstakten von Bürgerkomitees gesichert. Die ersten Besetzungen führten am 4. Dezember 1989 Bürgerrechtlerinnen in Erfurt durch, Höhepunkt wurde am 15. Januar 1990 die Erstürmung der Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg. Vielerorts war allerdings die Stasi-Aktenvernichtung schon weit fortgeschritten. Insbesondere der HV A gelang es viele Unterlagen zu beseitigen, sie war zuständig für die Auslandsspionage des MfS,.

Protest auf dem Berliner Alexanderplatz am 4. November 1989 gegen die Staatssicherheit mit der Parole "Ein waches Volk ist die beste Staatssicherheit"Bürger-Protest auf dem Berliner Alexanderplatz am 4. November 1989 gegen die DDR-Geheimpolizei mit der Parole "Ein waches Volk ist die beste Staatssicherheit" Quelle: BStU MfS BV Bln Vi 25

Am 8. Februar 1990 wurde einer Forderung des zentralen Runden Tisches der DDR entsprechend die Stasi-Auflösung ziviler Kontrolle unterstellt. Drei Personen wurden dafür benannt: Werner Fischer von der Initiative Frieden und Menschenrechte, Georg Böhm von der Demokratischen Bauernpartei und als Vertreter von Bischof Gottfried Forck Oberkonsistorialrat Ulrich Schröter. Sie wurden für diese Aufgabe mit Regierungsvollmacht ausgestattet. Der DDR-Ministerrat beschloss außerdem, dass das "dienstliche Schriftgut und das Archivgut […] unter Kontrolle der Bürgerkomitees" gestellt werden sollte. Trotzdem blieb die Bedeutung des Beschlusses ambivalent. Mit dem gleichen Beschluss wurde "als Zentrales Staatsorgan ein Komitee zur Auflösung des ehemaligen Amtes für Nationale Sicherheit" gebildet. Dessen Leiter, Günter Eichhorn, war zuvor Abteilungsleiter im DDR-Finanzministerium und - so stellte sich aber erst später heraus - über mehrere Jahre inoffizieller Mitarbeiter des MfS.

Die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg an der U-Bahnstation Magdalenenstraße umfasste einen kompletten Häuserblock zwischen Frankfurter Allee, Magdalenenstraße, Normannenstraße, Ruschestraße und Gotlindestraße. Dazu gehörten rund 30 teilweise unterirdisch miteinander verbundene Gebäude. Heute befindet sich auf dem Gelände u.a. das Zentralarchiv der Stasi-Unterlagen-Behörde und das STASI MUSEUM. Seit dem 2. Januar 1992 ist im Rahmen eines gesetzlich geregelten Verfahrens Akteneinsicht möglich.

Weitere Informationen: MfS/DDR-Geschichte

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