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Der IM-Vorgang "Thomas Baumann"

Die Arbeit eines Informanten in der NVA und wie die Stasi ihn fallen ließ

Deckblatt der Arbeitsakte des abgelegten IM-Vorgangs "Thomas Baumann"Deckblatt der Arbeitsakte des abgelegten IM-Vorgangs "Thomas Baumann" Quelle: BStU, MfS, AIM 12507

Hintergründe zur Akte

Im April 1966 wirbt das MfS einen jungen Mann als Informanten an und gibt ihm den Decknamen "Thomas Baumann". Er steht kurz vor seinem Dienst bei der NVA, bei der er sich als Soldat auf Zeit (SaZ) für drei Jahre verpflichtet hat. Dort bei den Luftstreitkräften, aber auch in seinem zivilen Umfeld soll er für die Geheimpolizei zur Quelle werden. Das gelingt: für die Stasi horcht er eine junge Frau aus, die sich mit Fluchtgedanken trägt und anscheinend Kontakte in den Westen hat. Auch über seine Kameraden gibt er Berichte an das MfS weiter.

Bei einem Zwischenfall während des Wachdienstes kommt es zu einem Todesfall. "In der Bearbeitung eines Vorganges" erschießt "Thomas Baumann" einen "Verdächtigen", berichtet der Führungsoffizier. Unterlagen über den Vorfall selbst und seine Hintergründe sind in der Akte nicht enthalten. "Baumann" wird wegen fahrlässiger Tötung verurteilt und landet im Gefängnis.

Auch hier hat er als Kontaktperson Verbindung mit der Stasi, die über ihn Informationen über Mitgefangene sammelt. Als er jedoch entlassen wird und den Rest seines Wehrdienstes ableisten muss, wird er für die Stasi unbrauchbar. "Baumanns" Kameraden misstrauen ihm wegen seiner Tat, er wird ausgegrenzt. Damit hat er seinen Wert als Informant verloren, der Führungsoffizier befürchtet sogar eine "Dekonspiration", also die Enttarnung. "Thomas Baumann" wird, wie es in seiner Abschlussbeurteilung heißt, "abgeschrieben".

Wichtige Begriffe aus der Akte

Geheimer Informator (GI)

Die Stasi führt "Thomas Baumann" in der Akte als GI. Die Bezeichnung wurde ab 1968 durch den bis zum Ende der Stasi verwendeten Begriff Inoffizieller Mitarbeiter (IM) abgelöst.

Kontaktperson (KP)

Als Kontaktperson führte das MfS Personen, die es als Quellen nutzte. Im Gegensatz zu GI und IM hatte die KP in der Regel vom nachrichtendienstlichen Charakter der Verbindung keine Kenntnis. Als KP wurden auch Personen geführt, die Kontakt zu inoffiziellen Mitarbeitern hatten.

Luftstreitkräfte / Luftverteidigung (LSK/LVD)

Als Entsprechung zur Luftwaffe der Bundeswehr unterhielt die NVA die Lufstreitkräfte / Luftverteidigung, abgekürzt LSK/LVD. Hier sollte "Thomas Baumann" für drei Jahre als Uffz., also als Unteroffizier, Dienst tun und im Bereich "Funkmeß" ausgebildet werden, also am Radar. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er jedoch bald in die Wachkompanie versetzt. Nach seiner Haft musste er den Rest seines Wehrdienstes bei einem FTB ableisten, einem "Fliegertechnischen Bataillon".

Blick in die Originalunterlagen

Überblick aller Musterakten

Deckblatt der Arbeitsakte des abgelegten IM-Vorgangs "Thomas Baumann"

Der IM-Vorgang "Thomas Baumann"

Die Arbeit eines Informanten in der NVA und wie die Stasi ihn fallen ließ

Die Akte eines inoffiziellen Mitarbeiters der Stasi bei der NVA. Sie zeigt, wie das MfS seine Informanten einsetzte – und wie es sie bei Problemen fallen ließ.

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Aktendeckel

Abschluss eines IM-Vorgangs nach Ablehnung der Zusammenarbeit

Das Ende eines Anwerbungsversuchs durch die Stasi

Hier wollte die Stasi einen jungen Journalisten für die Arbeit als IM verpflichten. Weil der Mann jedoch ablehnte, wurde der bereits angelegte Vorgang wieder geschlossen.

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Aktendeckel der operativen Personenkontrolle "Galerie".

Die "Operative Personenkontrolle Galerie"

Überwachung eines Berliners wegen illegaler Kunstausstellungen und Lesungen

Weil er in seiner Wohnung Künstlern und Schriftstellern eine Bühne ohne staatliche Kontrolle bietet, gerät dieser DDR-Bürger in das Visier der Stasi. Die Geheimpolizei fürchtet ein "Zentrum oppositioneller Kräfte".

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Aktendeckel der Arbeitsakte für den Offizier im besonderen Einsatz "Ebel".

Arbeitsakte eines "Offiziers im besonderen Einsatz"

Einsatz eines Stasi-Leutnants in der DDR-Botschaft im Südjemen

Offiziell soll der Offizier mit dem Decknamen "Ebel" eine Stelle als Funker in der DDR-Botschaft in Aden antreten. Die Akte enthält jedoch die wahre Mission des Offiziers und beurteilt seine Verlässlichkeit.

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Deckblatt des "Operativen Vorgangs Prophet".

Der "Operative Vorgang Prophet"

Wie die Stasi gegen einen jungen Bausoldaten der NVA vorging

Dieser junge Mann lehnte den Dienst an der Waffe ab und äußerte sich negativ über das System der DDR. Grund genug für die Stasi, ihn umfassend zu beobachten und zu "bearbeiten".

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Stasi-Museum und
Dauerausstellung des BStU

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