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Volkswirtschaft und Umwelt als Wirkungsbereiche des MfS in der Ära Honecker

Dieser wissenschaftliche Projektbereich des BStU gliedert sich in zwei eng verbundene Einzelprojekte, die als Dissertationsvorhaben durchgeführt werden. Forschungsgegenstand in beiden Projekten ist das sogenannte "Chemiedreieck" im Bezirk Halle mit den Kombinaten Bitterfeld, Buna und Leuna, die angesichts ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung von eigenen Objektdienststellen des MfS überwacht wurden.

Projektleiter:

Dr. Roger Engelmann
E-Mail: Roger.Engelmann@bstu.bund.de

Projekt 1: Reichweite und Grenzen der geheimpolizeilichen Wirtschaftsüberwachung am Beispiel der DDR-Großchemie

Als ökonomischer Schlüsselsektor spiegelte die Chemiebranche konkrete wirtschaftspolitische Entscheidungen der SED, aber auch generelle Funktionsschwächen der Zentralverwaltungswirtschaft markant wider. Im Rahmen des umfassenden ökonomischen Steuerungsanspruchs der SED kam dem MfS als sicherheitspolizeiliches Überwachungsorgan dabei eine wichtige kontrollierende und kompensierende Rolle zu. Im Mittelpunkt des Projektes steht eine Analyse der methodischen und strukturellen Umsetzung dieser Überwachung durch die verantwortlichen Diensteinheiten der Linie XVIII. Der erste Teil der Untersuchung setzt sich dabei anhand von Fallbeispielen aus den Chemiekombinaten mit der Art und Weise der Einflussnahme der Staatssicherheit auf ökonomische Prozesse auseinander. Der zweite Teil analysiert die Reaktion des MfS auf die zahlreichen internen und externen Steuerungshemmnisse. Dabei sollen die Schwierigkeiten des MfS, den allumfassenden Steuerungsanspruch der SED realisieren zu helfen, herausgearbeitet werden. Diese werden gerade in den Achtzigerjahren deutlich, als die SED eine weitere Zentralisierung der Wirtschaftssteuerung anstrebte und die DDR-Wirtschaft angesichts von Exportproblemen, Modernisierungsdruck und wachsenden Ansprüchen der Gesellschaft zunehmend von internen und externen Zwängen abhängig wurde.

Bearbeiter:

Mark Schiefer
E-Mail: Mark.Schiefer@bstu.bund.de

Projekt 2: Umweltprobleme und Umweltkonflikte als Aufgabenbereich des MfS am Beispiel der DDR-Großchemie

Das "Chemiedreieck" ist auch für DDR-Verhältnisse im Hinblick auf die Umweltproblematik ein eher extremes Beispiel. Es zeichnete sich durch eine hochindustrialisierte Struktur, eine hohe Besiedlungsdichte und eine überdurchschnittlich starke Umweltbelastung aus. Daraus ergab sich eine brisante und konfliktträchtige Situation, die in den Achtzigerjahren zunehmend ins Visier der Staatssicherheit rückte.
Das Projekt untersucht die vielfältigen Umweltprobleme des "Chemiedreiecks", ihre Ursachen und Wirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und Natur sowie die daraus resultierenden Konflikte. Betrachtet werden neben dem vollkommen überforderten und zunehmend nachrangig behandelten staatlichen Umweltschutz auch nichtstaatliche Initiativen, die in den Achtzigerjahren in Erscheinung treten. Neben staatlich geduldeten und gesteuerten Aktivitäten im Rahmen der "Gesellschaft für Natur und Umwelt" sollen dabei vor allem unter dem Dach der Kirche agierende Umweltschutzinitiativen untersucht werden, die sich in den stark belasteten Gebieten des Bezirkes herausbildeten oder die Situation im Chemiedreieck thematisierten und deshalb von der Staatssicherheit als "staatsfeindlich" bekämpft wurden.

Bearbeiter:

Martin Stief
E-Mail: Martin.Stief@bstu.bund.de

Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

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Die DDR im Blick der Stasi (ZAIG-Berichte)

Online-Publikation geheimer Berichte der "Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe" (ZAIG) des MfS an die Partei- und Staatsführung der DDR. Der Link führt zur Datenbank.