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Zusammenarbeit des MfS mit den Sicherheitsdiensten des Ostblocks zur Verhinderung von Opposition und Flucht

Nicht nur an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze wurden Menschen gewaltsam daran gehindert, die DDR zu verlassen, auch die Westgrenzen der anderen Ostblockstaaten stellten nahezu unüberwindliche Barrieren dar. Das Zusammenwirken des MfS mit anderen Sicherheitsdiensten der Staaten des Warschauer Paktes bei der Verhinderung von Fluchten aus der DDR von DDR-Bürgern ist Gegenstand von Forschungen im Rahmen mehrerer Studien zur Kooperation dieser politischen Polizeiapparate.

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungen besteht in der Analyse der Vorgehensweise des MfS bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Verbindungen zwischen Oppositionellen der DDR und anderen Ostblockstaaten sowie der Unterbindung und Unterwanderung ihrer Unterstützung aus dem westlichen Ausland.

Studien zum Grenzregime in der DDR befassen sich mit dem Versuch des MfS, Todesfälle und Folgen der Gewaltanwendung zu verschleiern, die bei Fluchtversuchen verletzten Personen zu diskriminieren und zu isolieren.

Abgeschlossen wurden die Arbeiten am Handbuchbeitrag zur Hauptabteilung VIII. Er analysiert Struktur und Wirkungsweise der für Beobachtung, Ermittlung, Durchsuchung und Festnahmen zuständigen MfS-Abteilung, ihre personelle Zusammensetzung und Aktivität innerhalb der DDR und der Bundesrepublik. Der Beitrag belegt die arbeitsteilige Vorgehensweise des MfS ebenso wie das hohe Maß an Kooperation zwischen den verschiedenen MfS-Abteilungen und den anderen staatlichen Instanzen der DDR.

Diese Verflechtung betrifft nicht nur die Arbeit des MfS in der DDR, sondern auch in der Bundesrepublik, die keineswegs ausschließlich von Mitarbeitern der HV A umgesetzt wurde. Neben der faktisch nicht an Gesetze gebundenen Arbeitsweise in der DDR belegt das Handbuchkapitel zugleich die hohe Aggressivität und die Missachtung der Souveränität und der rechtsstaatlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik.

Der Zusammenarbeit der Staatssicherheit (StB) der ČSSR und des MfS widmeten sich Forschungen zur Geschichte der Opposition in der DDR. Fortgesetzt wurden Forschungen zur DDR-Oppositionsgeschichte, ihrer Vernetzung mit Oppositionellen in der ČSSR, Rumänien und Ungarn sowie der Bekämpfung dieser Vernetzung durch das MfS. In einer Einzelstudie zum literarischen Austausch zwischen ungarischen und DDR-Oppostionellen in den 80er Jahren wird die wechselseitige Anregung ebenso untersucht wie deren Beobachtung und Behinderung durch die Staatssicherheitsdienste Ungarns und der DDR.

Eine weitere Untersuchung befasst sich mit verdeckten Operationen gegen die Unterstützung osteuropäischer Oppositioneller durch unabhängige Organisationen der Bundesrepublik im gleichen Zeitraum. Hierzu wurden erste Arbeitsergebnisse auf einem Panel des Historikertages in Berlin 2010 vorgelegt.

Durch den Projektbereich konnte erfolgreich die Fertigstellung einer externen Studie zur Abteilung „Verkehr“ des ZK der SED unterstützt werden. In der Studie gelang es dem Autor Wilhelm Mensing mithilfe der z. T. parallelen bzw. ergänzenden Überlieferung in der BStU, Struktur und Arbeitsweise dieser ZK-Abteilung zu rekonstruieren.

Ansprechpartner:

Dr. Bernd Florath
E-Mail: Bernd.Florath@bstu.bund.de

Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11


Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

Dr. Georg Herbstritt
Angela Schmole

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsschwerpunktes erarbeitet wurden (Auswahl):

  • Auerbach, Thomas: Einsatzkommandos an der unsichtbaren Front. Terror- und Sabotagevorbereitungen des MfS gegen die Bundesrepublik Deutschland. Berlin 1999.
  • Florath, Bernd; Theuer, Werner: Robert Havemann: Biographie, Lebensdaten, Dokumente. Berlin 2007.
  • Florath, Bernd: In den Fängen fremder Erinnerung. In: europäische ideen, 2010, Sonderheft Robert Havemann 100, S. 8–12.
  • Florath, Bernd: Zum Subjektwechsel politischer Gegnerschaft in der DDR in den fünfziger Jahren. In: Odboj a Odpor proti komunistickému režimu v československu a ve střední Evropĕ [Opposition und Widerstand gegen das kommunistische Regime in der Tschechoslowakei und in Mitteleuropa]. Prag 2010, S. 27–40.
  • Herbstritt, Georg; Müller-Enbergs, Helmut (Hg.): Das Gesicht dem Westen zu ... DDR-Spionage gegen die Bundesrepublik Deutschland. Bremen 2003.
  • Herbstritt, Georg: Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage. Eine analytische Studie. Göttingen 2007.
  • Herbstritt, Georg; Olaru, Stejarel: Stasi si securitatea [Stasi und Securitate]. Bukarest 2005.
  • Herbstritt, Georg: Über Rumänien in die Freiheit? Fluchtversuche von DDR-Bürgern über Rumänien in den Westen. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 21(2009)2, S. 5–14.
  • Herbstritt, Georg: Menschenraub in Berlin. Die gemeinsamen Aktionen von Securitate und Stasi gegen die rumänische Emigration in den fünfziger Jahren, eine siebenbürgisch-sächsische Agentin als Schlüsselfigur und die unscharfen Erinnerungen des Securitate-Überläufers Ion Mihai Pacepa. In: Ebenda. 22(2009).
  • Jabs, Cornelia; Müller-Enbergs, Helmut: Der 2. Juni 1967 und die Staatssicherheit. In: Deutschland Archiv, 42(2009)3, S. 395–400.
  • Mensing, Wilhelm: SED-Hilfe für West-Genossen. Die Arbeit der Abteilung Verkehr beim Zentralkomitee der SED im Spiegel der Überlieferung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (1946–1976). Berlin 2011.
  • Schmole, Angela: Die Hauptabteilung VIII des MfS. Beobachtung, Ermittlung, Durchsuchung, Festnahme. Berlin 2011. (MfS-Handbuch)
  • Bernd Florath (Hg.): Das Revolutionsjahr 1989 – Die demokratische Revolution in Osteuropa als transnationale Zäsur (Analysen und Dokumente – Wissenschaftliche Reihe des Bundesbeauftragten, Band 34). Göttingen 2011

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Die DDR im Blick der Stasi (ZAIG-Berichte)

Online-Publikation geheimer Berichte der "Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe" (ZAIG) des MfS an die Partei- und Staatsführung der DDR. Der Link führt zur Datenbank.