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Widerstand im Alltag – Alltag des Widerstandes

Die nordostdeutsche Ostseeküste und der Bezirk Rostock 1949–1989

Das Projektziel besteht darin, die Geschichte von politischer Gegnerschaft, Widerstand und Opposition in seiner historischen Breite beispielhaft an einer bislang in der Forschung unterrepräsentierten Region darzustellen. Gesucht wurde ein abgrenzbares, überschaubares und zugleich doch in sich differenziertes Untersuchungsgebiet: Die Wahl fiel dabei auf die nordostdeutsche Ostseeküste bzw. den Bezirk Rostock und somit auf eine Region, die in vielen Fragen Durchschnittswerte aufweist, in der Forschung – vor allem im Vergleich zu den Zentren Berlin, Leipzig, Jena, Dresden oder Erfurt – jedoch zu den weniger berücksichtigten Untersuchungsgebieten zählt.

Das Projekt wird bestimmt durch folgende Fragen: Welche Formen der Verweigerung und des Aufbegehrens, welche widerständigen Verhaltensweisen und bislang unbekannten Widerstandshandlungen gab es entlang der Ostseeküste und im 1952 gebildeten Bezirk Rostock von 1949–1989? Welchen Einfluss auf widerständige Verhaltens- und oppositionelle Argumentationsmuster besaßen staatliche Reaktionen und gesellschaftliche Entwicklungsprozesse (womit sowohl die biographische wie gesellschaftliche Ebene angesprochen sind)? Waren Opposition und Widerstand als politische Handlungen gesellschaftliche Randphänomene? Zugleich geht es darum, danach zu fragen, wie der Alltag jener Menschen aussah, die sich dem System entgegenstellten: Welche Interaktionen lassen sich zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft, sofern sich dies anhand der vorliegenden Quellen erschließen lässt, belegen?

Beim Fotografieren der Wandparole "Frieden Schaffen ohne Waffen" hielt  der Mitarbeiter der Stasi seinen Schatten im Bild fest."Der Schatten der Staatssicherheit" – beim Fotografieren einer Wandparole hielt sich der Mitarbeiter der Stasi im Bild fest. Rostock-Lichtenhagen, 1987 Quelle: BStU, MfS, BV Rostock, AOP 209/89, Bl. 83

Das Forschungsvorhaben soll einen wichtigen, empirisch fundierten Beitrag zur Debatte um die Widerstands- und Oppositionsgeschichte und zu den vorhandenen Deutungen und Kategorisierungen leisten.

Neben der Erschließung und Auswertung bislang weitgehend unberücksichtiger Aktenbestände der ehemaligen MfS-Bezirksverwaltung Rostock werden erstmalig Daten anderer Informationsspeicher wie der verschiedenen Delikte-Kerblochkarteisysteme systematisch hinzugezogen und ausgewertet.

Das Projekt beschäftigt sich somit auch mit der methodischen Frage, welche Bedeutung den verschiedenen MfS-Quellen in der Widerstandsforschung grundsätzlichen zukommen kann und wie sich die unterschiedlichen hier enthaltenen Informationen konkret systematisieren und erschließen lassen.

Projektleiter:

Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk
E-Mail: Ilko-Sascha.Kowalczuk@bstu.bund.de

Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

Dr. Christian Halbrock
Rosemarie Müller
Arno Polzin
Andreas Schmidt
Gudrun Weber

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Die DDR im Blick der Stasi (ZAIG-Berichte)

Online-Publikation geheimer Berichte der "Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe" (ZAIG) des MfS an die Partei- und Staatsführung der DDR. Der Link führt zur Datenbank.