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Das MfS und die Kulturpolitik der DDR

Die Abteilung initiierte mehrere Projekte zu neuralgischen Feldern der SED-Kulturpolitik, auf denen der Bedarf für solide systematische Erkundungen besonders stark war. Hierzu zählte in den 90er Jahren eine umfassende, facettenreiche Darstellung der geheimpolizeilichen Durchdringung des "Sicherungsbereiches Literatur", der in ideologischer Hinsicht eine Schlüsselrolle besaß. Den Hauptteil bildete die Analyse der Methoden des MfS zur Überwachung, Unterwanderung und gezielten Beeinflussung des literarischen Lebens in der DDR, die von "Abschöpfen" bis zu "Zersetzen" reichten. Mit der Studie "Drama um eine Komödie" wurde ein Wendepunkt in der Kulturpolitik (Situation nach dem Mauerbau 1961) analysiert und das Zusammenspiel des MfS mit anderen Teilen des Herrschaftsapparates bei der Disziplinierung der kritischen, aber systemloyalen Intelligenz zu Beginn der 60er Jahre herausgearbeitet.

Eine Monographie über die Literaturzeitschrift "Sinn und Form". Ein ungeliebtes Aushängeschild der SED-Kulturpolitik konnte 2004 auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt werden. Diese Publikation liefert einen Überblick über die gesamte DDR-Periode dieser renommierten Zeitschrift, die sich von dem sie umgebenden Staat wie ein Garten von einer Monokultur unterschieden hat. Ausgehend von den Konzeptionen und Verhaltensweisen der Zeitschriftenmacher werden ihre Möglichkeiten und Grenzen unter den wechselnden Prämissen der SED-Kulturpolitik untersucht. Vor allem aber wird erstmals der Frage nachgegangen, wie und in welchem Umfang die Staatssicherheit, die ja auch die Rolle einer "Ideologiepolizei" wahrgenommen hat, Einfluss auf diese Literaturzeitschrift auszuüben versucht hat.

Mit der Studie Kulturinsel und Machtinstrument wird eine erste Gesamtdarstellung der Geschichte der Akademie der Künste der DDR vorgelegt. Dabei werden die Einwirkungen  der Partei und die kontrollierenden Aktivitäten  des MfS auf die Tätigkeit dieser Akademie  untersucht. Die Monografie  beschreibt die Spielräume und deckt die Grenzen auf, eigenständige Positionen und Ansprüche gegenüber  der SED und ihren Kontrollorganen zu entwickeln  oder gar zu behaupten.

In Kooperation mit dem Historischen Institut der Universität Jena entsteht eine Studie "Bühne der Dissidenz und Dramaturgie der Repression – Kulturkampf in der Provinz der späten DDR". Hierbei geht es um die exemplarische Erforschung des staatlichen Umgangs mit der alternativ-dissidentischen  Popularkultur der 1980er Jahre in Ostthüringen, wobei das kontraproduktive Handeln des MfS einen Untersuchungsschwerpunkt bildet.

Ferner liegen aktengestützte Spezialuntersuchungen zur Einflussnahme des MfS auf einzelne Autoren und ihre Werke sowie zur Zensurpraxis im DDR-Literaturbetrieb vor.

Ansprechpartner:

Dr. Matthias Braun
E-Mail: Matthias.Braun@bstu.bund.de

Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsschwerpunktes erarbeitet wurden:

  • Braun, Matthias: Drama um eine Komödie. Das Ensemble von SED und Staatssicherheit, FDJ und Ministerium für Kultur gegen Heiner Müllers "Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande" im Oktober 1961. Berlin 1995.
  • Braun, Matthias: Kulturinsel und Machtinstrument. Die Akademie der Künste, die Partei und die Staatssicherheit. Göttingen 2007.
  • Braun, Matthias: Die Literaturzeitschrift "Sinn und Form". Ein ungeliebtes Aushängeschild der SED-Kulturpolitik. Berlin 2004.
  • Walther, Joachim; Prittwitz, Gesine von: Staatssicherheit und Schriftsteller. Berlin. (BF informiert; 1993,2)
  • Walther, Joachim: Sicherungsbereich Literatur. Schriftsteller und Staatssicherheit in der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1996.

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Die DDR im Blick der Stasi (ZAIG-Berichte)

Online-Publikation geheimer Berichte der "Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe" (ZAIG) des MfS an die Partei- und Staatsführung der DDR. Der Link führt zur Datenbank.