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Herrschaft und Gesellschaft in der DDR-Provinz

Eine Regionalstudie zum Landkreis Halberstadt

In diesem Forschungsprojekt werden die regionalen Strukturen von Herrschaft und Gesellschaft am Beispiel des Landkreises Halberstadt untersucht. Der Zeitrahmen erstreckt sich auf die Jahre von 1949 bis 1990. Die Reduktion des Forschungsgegenstandes auf einen überschaubaren sozialen Raum soll eine umfassende Rekonstruktion historischer Wirklichkeit in ihrer Langzeitentwicklung ermöglichen. So kann das Zusammenspiel ökonomischer, gesellschaftlicher, politischer und kultureller Faktoren rekonstruiert werden.

HalberstadtInnenstadt von Halberstadt Quelle: Stadtarchiv Halberstadt

Die zu erforschende Region mit ihren rund 100.000 Einwohnern ist hinsichtlich ihrer Wirtschafts- und Sozialstruktur sowie unter kulturellen und politischen Gesichtspunkten als unspektakulär und "durchschnittlich" anzusehen: Der Kreis war kleinstädtisch-ländlich geprägt. Dennoch verfügte er auch über zwei größere und etliche mittlere Industriebetriebe sowie über eine fast 50 Kilometer lange Westgrenze und hatte damit jene Probleme, die mit dem DDR-Grenzregime verbunden waren. Im Vergleich zu großstädtisch geprägten Kreisen weist Halberstadt ein eher bescheidenes Niveau politisch abweichenden Verhaltens auf, wodurch – im Unterschied zur bisherigen Stasi-Forschung – verstärkt soziales und politisches Anpassungsverhalten in den Blick gerät.

Das Projekt betrachtet Herrschaft vorrangig als "soziale Praxis", als gesellschaftliches Beziehungsgeflecht, in dem auch die Beherrschten als Akteure erkennbar sind. Es soll nachvollzogen werden, wie SED-Herrschaft im Alltag funktionierte, welche Disziplinierungs- und Integrationsmechanismen griffen bzw. scheiterten und auf welche Formen von Zustimmung, Anpassung oder Widersetzlichkeit sie trafen. Besondere Aufmerksamkeit widmet das Projekt der lokalen Staatssicherheit als einem zentralen Element des DDR-Herrschaftssystems. Des Weiteren werden alle anderen wichtigen Herrschaftsinstitutionen (SED, VP, Rat des Kreises, Massenorganisationen, Blockparteien und andere) mit in die Betrachtung einbezogen.

Methodisch an das Halberstadt-Projekt angebunden ist ein Kooperationsprojekt mit der Universität Jena, das sich unter dem Titel "Bühne der Dissidenz und Dramaturgie der Repression" am Beispiel der Bezirkshauptstadt Gera mit kulturellen Konflikten in der späten DDR befasst.

Projektleiter:

Dr. Roger Engelmann
E-Mail: Roger.Engelmann@bstu.bund.de

Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Projekbearbeitung Halberstadt

Dr. Roger Engelmann
Prof. Dr. Daniela Münkel

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

Dr. Matthias Braun (Gera-Projekt)
Dr. Tobias Wunschik
Doris Gorsler

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsprojekts erarbeitet wurden (Auswahl):

  • Engelmann, Roger: Eine Regionalstudie zu Herrschaft und Alltag im Staatssozialismus. In: Gieseke, Jens (Hg.): Staatssicherheit und Gesellschaft. Studien zum Herrschaftsalltag in der DDR. Göttingen 2007, S. 167–186.
  • Arp, Agnès; Braun, Matthias; van Laak, Jeannette: "Bühne der Dissidenz und Dramaturgie der Repression". Ein Kulturkonflikt in den achtziger Jahren in der Provinz der DDR – eine Projektskizze. In: Gieseke, Jens (Hg.): Staatssicherheit und Gesellschaft. Studien zum Herrschaftsalltag in der DDR. Göttingen 2007, S. 347–364.
  • Münkel, Daniela: Staatssicherheit in der Region. Die geheimen Berichte der MfS-Kreisdienststelle Halberstadt an die SED. In: Deutschland Archiv 43(2010)1, S. 31–38.

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Die DDR im Blick der Stasi (ZAIG-Berichte)

Online-Publikation geheimer Berichte der "Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe" (ZAIG) des MfS an die Partei- und Staatsführung der DDR. Der Link führt zur Datenbank.