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Abwehr, Spionage, Propaganda. Das MfS im deutsch-deutschen Systemkonflikt / Westarbeit

Der neue Forschungsschwerpunkt "Abwehr, Spionage, Propaganda. Das MfS im deutsch-deutschen Systemkonflikt" erweitert die bisherige unter dem MfS-Begriff "Westarbeit" firmierende Forschung in wesentlichen Punkten und auf Basis erstmals zugänglicher Quellen.

Auf Grundlage der vorliegenden Forschungen, die primär die normative Seite, Fragen der Organisation der DDR-Auslandspionage sowie das quantitative Ausmaß der IM-Tätigkeit von Bundesbürgern thematisiert haben, wird eine neue Schwerpunktsetzung verfolgt. Sie stellt stärker Fragen nach der Rolle des MfS in der Systemkonkurrenz zwischen Ost und West und der Interaktion der Geheimdienste. In den Mittelpunkt rücken aber auch die propagandistische Bedeutung und Instrumentalisierung des "Geheimdienstkrieges" im Kampf gegen den "äußeren Feind" und die innere Opposition sowie sozial- und gesellschaftsgeschichtliche Fragestellungen.

Es geht nicht nur darum, bestehende Forschungslücken zu schließen, sondern neue Akzente zu setzen und neue Ansätze zu verfolgen. Geografisch liegt der Schwerpunkt auf dem Agieren des MfS in der Bundesrepublik bzw. der bundesdeutschen Dienste in der DDR.

Das Projekt "MfS contra BND: Geheimdienstkonfrontation im Kalten Krieg 1950-1961" widmet sich seit 2013 der Konfrontation zwischen MfS und BND bzw. dessen Vorläufer, der Organisation Gehlen, in den 1950er-Jahren. Ziel des Projektes ist, die deutsch-deutsche Geheimdienstkonfrontation als gesellschaftsgeschichtliches Problemfeld des Kalten Krieges in die asymmetrisch verflochtene Parallelgeschichte der beiden deutschen Staaten einzubetten.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Abwehrstrategien und -mechanismen des MfS gegen die Aufklärung des bundesdeutschen Nachrichtendienstes in der DDR sowie die damit verbundene politische und propagandistische Instrumentalisierung.

Auf Grundlage der MfS- und BND-Überlieferungen entstand zunächst eine Publikation über die Aktion "Feuerwerk" im Herbst/Winter 1953, bei der DDR-weit mehr als 200 Personen von der Staatssicherheit festgenommen wurden. Bei dieser Studie handelt es sich um ein Kooperationsprojekt mit der "Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des BND". Diese Kooperation ermöglichte es erstmals, Dokumente der Staatssicherheit und des Bundesnachrichtendienstes abzugleichen. Eine weitere umfassende Monographie zur Spionageabwehr des MfS gegen den BND in den 1950er-Jahren steht kurz vor dem Abschluss.

Im Folgeprojekt "MfS contra BND: Geheimdienstkonfrontation in der deutsch-deutschen Annäherung 1961-1989" werden bis 2019 Spionageabwehr und Gegenspionage sowie Propagandastrategien des MfS gegen den BND zwischen Mauerbau und Mauerfall untersucht. Damit widmet sich das Anschlussvorhaben einem Zeitraum, der jenseits der Hochphase der Konfrontation zwischen MfS und BND eher im Spannungsfeld von Abschottung und Annäherung der beiden deutschen Staaten verortet ist.

Projektleiterin: Prof. Dr. Daniela Münkel

Email: Daniela.Muenkel@bstu.bund.de

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Elke Stadelmann-Wenz

Email: [BILD_MAIL]

Telefon Geschäftszimmer BF 1: (030) 2324-8811

Auswahl von Veröffentlichungen aus den Forschungsfeldern "Das MfS im deutsch-deutschen System" und "Westarbeit":

Ronny Heidenreich, Daniela Münkel, Elke Stadelmann-Wenz: Geheimdienstkrieg in Deutschland. Die Konfrontation von DDR-Staatssicherheit und Organisation Gehlen 1953. Berlin 2016.

Georg Herbstritt; Elke Stadelmann-Wenz: Westarbeit. In: Daniela Münkel (Hg.): Staatssicherheit. Ein Lesebuch zur DDR-Geheimpolizei. Berlin 2015, S. 139-149.

Daniela Münkel: CIA, BND, MfS und der Mauerbau. In: Klaus-Dietmar Henke (Hg.): Die Mauer. Errichtung, Überwindung, Erinnerung. München 2011, S. 67-82.

Georg Herbstritt: Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage. Eine analytische Studie. Göttingen 2007.

Georg Herbstritt; Helmut Müller-Enbergs (Hg.): Das Gesicht dem Westen zu … DDR-Spionage gegen die Bundesrepublik Deutschland. Bremen 2003.

Hubertus Knabe: West-Arbeit des MfS. Das Zusammenspiel von "Aufklärung" und "Abwehr". Berlin 1999.

Helmut Müller-Enbergs: Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Teil 2: Anleitungen für die Arbeit mit Agenten, Kundschaftern und Spionen in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin 1998.

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Die DDR im Blick der Stasi (ZAIG-Berichte)

Online-Publikation geheimer Berichte der "Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe" (ZAIG) des MfS an die Partei- und Staatsführung der DDR. Der Link führt zur Datenbank.