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Stasi im Westen

Was? Die DDR betrieb in der alten Bundesrepublik Spionage in einem Ausmaß, das für Friedenszeiten ungewöhnlich war, aber vor dem Hintergrund des "Kalten Krieges" und der deutschen Teilung erklärbar ist und auch nur deshalb so intensiv funktionieren konnte.

Warum? In der Bundesrepublik wurden gezielt die Politik, gesellschaftliche Verbände, Medien, Militär, Sicherheitsbehörden, Wissenschaft und Wirtschaft ausgespäht. Bei der politischen Spionage ging es darum, frühzeitig von politischen und personellen Entscheidungen und Veränderungen zu erfahren und ggf. Einfluss nehmen zu können. Die Militärspionage wiederum ordnete sich in das Bemühen um militärische Überlegenheit ein, während Wirtschaftsspionage vor allem bedeutete, westliches Knowhow zu stehlen.

Wer? Innerhalb des MfS war für die Spionage in erster Linie die HV A, die Hauptverwaltung A, auch "Aufklärung" genannt, zuständig. In ihrem Sprachgebrauch hießen andere Länder, in denen sie ihre Aktivitäten entfaltete, "Operationsgebiete", kurz OG. Bis 1986 war Markus Wolf Chef der HV A, dann bis zum Ende der Stasi 1989/90 Werner Großmann.

Wie? Es gelang der Stasi auf vielfältige Weise Bundesbürger als IM zu werben. Sie nutzte dabei u.a. erfolgreich die vielen familiären Verbindungen zwischen Ost- und Westdeutschen, aber auch politische Überzeugungen und finanzielle / materielle Anreize. Für die "Kundschaftertätigkeit" in der Bundesrepublik trainierte die Stasi in geringerem Umfang auch ostdeutsche Agenten, die sie in die Bundesrepublik einschleuste. Zum Teil nutze sie auch DDR-Bürger, die in den Westen reisen durften, sogenannte Reisekader, als inoffizielle Mitarbeiter (IM).

Wie noch? Weitere Wege der Informationsbeschaffung waren u.a. die Funkaufklärung, bei der massiv bundesdeutsche Telefonate abgehört wurden (HA III Funkaufklärung und Funkabwehr), die Postkontrolle oder die diplomatische Vertretung der DDR in Bonn seit 1974. Neben der HV A und den von ihr angeleiteten Abteilungen XV in den 15 Bezirksverwaltungen waren auch andere MfS-Abteilungen in großem Umfang im Westen aktiv und führten dort IM. Sie versuchten beispielsweise, DDR-Regimekritiker mundtot zu machen oder verfolgten Fluchthelfer oder auch ausgereiste DDR-Bürger. Als Teil des MfS war die HV A in der Regel über diese Aktivitäten im Bilde und gelegentlich selbst daran beteiligt.

Wie viele? Ende der 1980er Jahre spionierten rund 3.000 Bundesbürger für die DDR. Im Laufe von 40 Jahren deutscher Teilung lieferten somit insgesamt schätzungsweise 12.000 Bundesbürger aus und über die Bundesrepublik Informationen.

P.S.: Die HV A des MfS konnte nach dem Ende der Stasi die dafür zuständigen Gremien davon überzeugen, sich in Eigenregie aufzulösen. Dabei hat sie auch ihre Unterlagen weitgehend vernichten können. Daher ist der Umfang der Unterlagen zur deutsch-deutschen Spionage im Stasi-Unterlagen-Archiv relativ gering. Eine umfassende Übersicht zur HV A findet sich im MfS-Handbuch HV A

Es werden hier in einer kleinen Auswahl Einblicke in die "Westarbeit" des MfS gegeben. Die ausgewählten Beispiele wurden bei der BStU-Wanderausstellung "Feind ist, wer anders denkt" ausgestellt, die vor allem in den alten Bundesländern tourt. Die Karte erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und nimmt auch durch die Wahl der Orte keine Wertigkeit der Aktivitäten vor. Sie will vielmehr zur eigenen Beschäftigung mit dem Thema und zur weiteren Recherche anregen.

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