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Das Archiv

Im Archiv der Außenstelle lagern die sichergestellten Unterlagen der Stasi-Bezirksverwaltung Rostock. Mit diesem regional tätigen Apparat überwachte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Bevölkerung des gesamten Bezirkes Rostock. Dieser erstreckte sich an der DDR-Ostseeküste vom Kreis Grevesmühlen im Westen bis nach Usedom im Osten. Der Stasi-Bezirksverwaltung waren zehn Kreisdienststellen (KD) und eine Objektdienststelle (OD) unterstellt, deren Hinterlassenschaften jetzt ebenfalls in der Außenstelle lagern.

Im heutigen Archiv werden ca. 3,3 laufende Kilometer Schriftgut, ca. 4.000 Mikrofilmrollen und 48.000 Filme auf Filmkarten (sogenannte Mikrofiche) aufbewahrt. Hinzu kommen etwa 1.170.000 Karteikarten in 266 Karteien mit Personendaten, Decknamen Inoffizieller Mitarbeiter (IM) oder Sachangaben.

Die Stasi-Unterlagen belegen, wie intensiv das Ministerium für Staatssicherheit die Menschen bespitzelt und in ihr Leben eingewirkt hat. Sie bilden heute die Grundlage für die Bearbeitung von Anträgen nach dem Stasi-Unterlagen-Gesetz.

Führungen durch das Archiv und den Karteibereich sind nach Absprache mit der Außenstellenleitung möglich. Außerdem finden einmal im Quartal öffentliche Archivführungen statt. Informationen dazu finden sie im Menüpunkt "Archivführungen".

Aktenregal im SachaktenbereichAktenregal im Sachaktenbereich Quelle: BStU, Außenstelle Rostock

Das Sachgebiet Archivwesen besteht aus den Bereichen Erschließung, Kartei und Magazin.

Erschließung

Im Erschließungsbereich wird die MfS-Überlieferung archivisch aufbereitet, nach Inhalten bzw. Datierungen geordnet und dann in Datenbanken erfasst. Diese Datenbanken sind sogenannte Findmittel. Sie ermöglichen einen gezielten Zugriff auf die entsprechenden Unterlagen wenn zu einem Sachthema recherchiert wird.

Einen besonderen Stellenwert hat die Erschließung der sogenannten Operativen Hauptablage. Die darin enthaltenen Unterlagen wurden bereits von der Stasi archiviert. Es sind personenbezogene Akten zu Betroffenen, die von der Stasi beobachtet oder sogar inhaftiert wurden, aber auch Akten Inoffizieller Mitarbeiter (IM). Bisher war der Zugriff nur möglich, wenn man zu einem Namen recherchierte. Gegenwärtig werden diese Akten sachthematisch erschlossen. Das ermöglicht dann, Akten aus der Operativen Hauptablage zu bestimmten Themen zu finden.

Schriftgut, das im Herbst 1989 in den Dienstzimmern der einzelnen Abteilungen und Kreisdienststellen lagerte, wurde häufig ungeordnet vorgefunden. Teilweise waren die Seiten sogar zerrissen. Dieses Material musste und muss im Erschließungsbereich erst nutzbar gemacht werden. Ein Großteil dieser Unterlagen ist inzwischen zugänglich.

Erschließung von zerrissenen UnterlagenErschließung von zerrissenen Unterlagen Quelle: BStU, Außenstelle Rostock

Kartei

Um herauszufinden, ob eine Person vom Staatssicherheitsdienst erfasst war und Akten existieren, ist zuerst eine Recherche in den Karteien erforderlich. Eintragungen auf den Karteikarten verweisen dann auf Signaturen, unter denen die Akten im Magazin gefunden werden können. Die Karteien stellen also wichtige Findmittel dar.

Die umfangreichste Kartei ist die sogenannte Zentrale Kartei F 16. Das MfS konnte mit dieser Kartei jederzeit feststellen, ob eine Person schon registriert war und welche Diensteinheit eventuell Material sammelte. Die Kartei ist nach den Familiennamen sortiert. Auf den Karteikarten sind außer dem Namen auch die Anschrift, das Geburtsdatum und die berufliche Tätigkeit vermerkt. Eine Registriernummer verweist auf eine Erfassung in einem Akten-Vorgang. Darunter stehen das Erfassungsdatum und die Diensteinheit, welche die Erfassung veranlasst hat. Der Grund der Erfassung oder die Vorgangsart sind auf der Karteikarte F 16 nicht erkennbar.

Ergibt die Personenrecherche eine Registriernummer, so wird die Recherche in der so genannten Vorgangskartei F 22 fortgesetzt. Diese ist nach den Registriernummern aus der F 16-Kartei sortiert. Die Karteikarte benennt die Vorgangsart, die Archivsignatur, die Diensteinheit, die den Vorgang angelegt hat, das Datum und den vorgangsführenden Mitarbeiter. Außerdem wurden Wechsel der Diensteinheit oder des Mitarbeiters vermerkt. Wenn zu einem Vorgang ein Deckname vergeben wurde, steht dies ebenfalls auf der Karteikarte. Decknamen gab es nicht nur für Inoffizielle Mitarbeiter (IM), sondern auch für Vorgänge, in denen Betroffene vom MfS bearbeitet wurden.

Karteikartenkästen der Vorgangskartei F 22Karteikartenkästen der Vorgangskartei F 22 Quelle: BStU, Außenstelle Rostock

Eine weitere Zentrale Kartei ist die Decknamenkartei F 77. Sie wird vor allem für die Entschlüsselung der Decknamen Inoffizieller Mitarbeiter benötigt, die viele betroffene Bürger nach der Akteneinsicht beantragen. Die F 77-Recherche ist der erste Schritt, um die Akten des IM zu finden und den bürgerlichen Namen eindeutig festzustellen.

Neben den Zentralen Karteien gab es eine Vielzahl sogenannter Dezentraler Karteien. Diese sind in den vergangenen Jahren elektronisch erfasst worden. Dadurch ist eine schnelle Recherche möglich, ohne jede Kartei von Hand durchsuchen zu müssen.

Schrank mit Dezentralen KarteienSchrank mit Dezentralen Karteien Quelle: BStU, Außenstelle Rostock

Ein Beispiel und zugleich eine Besonderheit aufgrund ihrer Einmaligkeit stellt die Arbeitskartei "Leuchtturm" der Abteilung Hafen dar. Sie diente einer umfassenden Überprüfung und laufenden Kontrolle der Seeleute (sowohl der aktiven als auch der Bewerber) sowie mitreisender Ehefrauen. Die Kartei umfasst die gesamte zivile Hochsee- und Küstenschifffahrt. Die Seeleute stellten für das MfS wegen der relativ einfachen Fluchtmöglichkeiten eine besonders intensiv zu überwachende Berufsgruppe dar. Über die Ausübung oder Fortführung ihres Berufes entschieden nicht zuletzt auch die Eintragungen und Vermerke des MfS in der Arbeitskartei.

Magazin

Hauptaufgabe des Magazinbereiches ist es, die Unterlagen gesichert aufzubewahren und durch übersichtlich geordnete Lagerung ein schnelles Auffinden zu gewährleisten.

Wird eine Aktensignatur angefordert, entnimmt das Magazin die Akte aus dem Regal. Eine Aktensignatur kann mehrere Bände umfassen. Bei der technischen Aufbereitung werden zum Beispiel metallische Gegenstände wie Heftklammern entfernt und alle Seiten durchnummeriert. Das Material wird dann im Computerprogramm als ausgeliehen vermerkt.

Außer schriftlichen Unterlagen in Form von Aktenbänden werden im Magazin auch Filmrollen und Filmkarten gelagert. Bei Bedarf werden von diesen verfilmten Akten Rückkopien hergestellt, um sie einem Antragsteller zugänglich zu machen. Weitere Archivalien sind zum Beispiel sogenannte "Container" mit Geheimverstecken für Agententätigkeit oder die vom MfS verfasste "Chronik der Bezirksverwaltung Rostock".

Genauere Angaben zu den Beständen der Außenstelle Rostock erhalten Sie im Menüpunkt "Bestandsübersicht".

ARGUS für MfS-Unterlagen

Neue Online-Recherche für Stasi-Unterlagen: ARGUS - Findmittel auf einen Blick

Stasi Mediathek

Stasi-Akten online lesen: www.stasi-mediathek.de