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Das Archiv

Das Archiv der Außenstelle Magdeburg verwahrt über 9000 laufende Meter (lfd.M.) Archivgut der ehemaligen Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Magdeburg, einschließlich deren Kreisdienststellen. Hierzu gehören Schriftgut, topographische Karten sowie Bild- und Tondokumente.

Zur Hinterlassenschaft gehören die bis 1989 von der DDR-Geheimpolizei im damaligen eigenen Archiv bereits archivierten Aktenablagen. Sie umfassen knapp 1850 lfd.M. Hinzu kommen die in den Diensträumen der ehemaligen 18 Kreisdienststellen und 32 Abteilungen aufgefundenen Unterlagen. Deren Umfang beträgt ca. 5000 lfd.M. Hierunter fallen auch über zwei Millionen Karteikarten in der Größenordnung von 530 lfd.M. Diese noch im Herbst 1989 bei der Bezirksverwaltung Magdeburg in Bearbeitung befindlichen Unterlagen stellen den größten Teil der Überlieferung dar.

Lagerung der Unterlagen in RegalenLagerung der Unterlagen Quelle: BStU, Außenstelle Magdeburg

Darüber hinaus lagern als Ergebnis der Aktenzerstörung weit über 2.400 Behältnisse mit von Hand zerrissenem Schriftgut im Archiv. Wie viele Dokumente die Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes 1989/90 unwiederbringlich vernichteten, ist nicht bekannt.

Insgesamt zählt der Magdeburger Aktenbestand mit zu den umfangreichsten Überlieferungen aller ehemaligen MfS-Bezirksverwaltungen. Von den erwähnten Behältnissen abgesehen ist in fast 100 Prozent der vorhandenen Materialien eine Recherche zu Personen möglich. Karteien und Unterlagen spiegeln über die NS- und DDR-Zeit hinweg den Lebensweg mehrerer Generationen. Aus diesem Grunde finden sich im Archiv die Daten von mindestens 1,7 Millionen Menschen.

Der Umfang der Bestände der einzelnen Diensteinheiten unterscheidet sich zum Teil erheblich. Dies kann an der einst vom Staatssicherheitsdienst erstellten Aktenmenge liegen. Mitunter ist aber auch der aus dem Jahre 1989 resultierende Zerstörungsgrad ausschlaggebend. Das wird an folgendem Beispiel deutlich.

Noch im Jahre 1983 hatten die Kreisdienststellen Wanzleben und Wolmirstedt nach MfS-Quellenlage einen ähnlich großen Aktenbestand. Im Ergebnis der revolutionären Ereignisse und der Auflösung des MfS 1989/90 sind von der Dienststelle in Wanzleben 106 lfd.M. überliefert. Von der Kreisdienstelle Wolmirstedt gibt es dagegen nur noch 17 lfd.M. Aktenmaterial. Es ist daher davon auszugehen, dass ein großer Teil der Unterlagen in Wolmirstedt der Vernichtung zum Opfer gefallen ist.

Lagerung der Unterlagen in RegalenLagerung der Unterlagen Quelle: BStU, Außenstelle Magdeburg

Der seit 1952 bestehende Bezirk Magdeburg hatte mit einer Gesamtlänge von 343 km einen der längsten Grenzabschnitte zur Bundesrepublik. Daraus leitete sich für den Staatssicherheitsdienst ein wesentliches sicherheitspolitisches Aufgabenfeld ab. Im Auftrag der SED galt es vor allem, die "Republikflucht" von DDR-Bürgern zu verhindern. Im Mittelpunkt standen hierbei die vier Grenzübergangsstellen, darunter die bekannteste und größte an der Autobahn in Marienborn.

Ziel der Überwachung waren daneben auch die Betriebe und Einrichtungen der Volkswirtschaft. Für die DDR spielte der Bezirk in den Bereichen Landwirtschaft sowie Leicht- und Schwerindustrie eine große Rolle. Deutlich wird dies beispielsweise anhand der Unterlagen über das Fernsehgerätewerk Staßfurt oder das Schwermaschinenbaukombinat "Ernst Thälmann" Magdeburg.

Viele persönliche Verfolgungsschicksale spiegeln sich in den Unterlagen wider. Daneben offenbaren die Materialen die Denk- und Arbeitsweise sowie die Strukturen der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung Magdeburg. Lokale Ereignisse bzw. regionale geschichtliche Entwicklungen finden sich ebenso. Sie reichen über die DDR-Zeit hinaus mitunter zurück bis in die Ära des Nationalsozialismus.

Zeitgeschichtlich eindrucksvoll ist ein aufgefundenes Tonband vom Volksaufstand des 17. Juni 1953. Es gibt die rege Diskussion während einer Betriebsversammlung im Elektromotorenwerk Wernigerode wider. Der 80-minütige Mitschnitt dokumentiert, dass die Hauptforderungen der Aufständischen vor allem politisch waren. Sie verlangten den Rücktritt der Regierung, freie und geheime Wahlen, die Aufhebung der Zonengrenzen und die Freilassung politischer Häftlinge.

Dieses Tondokument ist nicht nur für die Forschung von erheblichem Interesse. Es eignet sich auch zum Einsatz in Medien, in der politischen Bildung sowie im Unterricht an Schulen.

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