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"Freiheit für meine Akte"

Theaterprojekt von Schülerinnen und Schülern aus Leipzig und Schweinfurt mit anschließender Diskussion

Vor 25 Jahren hat die Volkskammer den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik beschlossen. Zugleich entstand die Behörde des Sonderbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Ende 1991 trat das Stasi-Unterlagen-Gesetz (StUG) in Kraft, das den Zugang zu den Hinterlassenschaften der ostdeutschen Geheimpolizei regelte – eine bis dato einmalige Regelung.

Die Debatten der Volkskammer von 1990 – nachgespielt von Schülern aus Schweinfurt und Leipzig.Die Debatten der Volkskammer von 1990 – nachgespielt von Schülern aus Schweinfurt und Leipzig. Quelle: BStU / Außenstelle Leipzig

Drei Schulen aus Leipzig und Schweinfurt haben sich mit den kontroversen Debatten von damals befasst und in einem Theaterprojekt verarbeitet. Sowohl die Aufführungen als auch die anschließende Podiumsdiskussion zeigten, wie sehr um Positionen, Texte und Ausrichtung in den Parlamenten sowie zwischen Ost und West gestritten wurde.

In den Debatten in Volkskammer und Bundestag Anfang der 90er Jahre kristallisierten sich zwei Positionen zum Umgang mit den Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes heraus. Die einen wollten alle Akten vernichten, die anderen wollten diese sichern und öffnen. Den unterschiedlichen Blickwinkeln trugen auch die schauspielerischen Darbietungen Rechnung. Während sich die Schüler aus Leipzig mit den Protokollen der Volkskammer vertraut machten, beschäftigten sich die Schüler aus Schweinfurt mit den Überlieferungen aus dem Bundestag von 1991.

Aus diesem Anlass präsentierten sie die Ergebnisse ihrer Arbeit am 24. September 2015 im voll besetzten Theater der Jungen Welt in Leipzig. Die sächsische Staatsministerin für Kultus, Brunhild Kurth, schlug in ihrer Begrüßungsrede einen Bogen von 1990 bis zur Gegenwart. David Gill, Leiter des Bundespräsidialamtes, ließ den schwierigen Beginn der Aufarbeitung Revue passieren.

Die Schülerinnen und Schüler vom Bischöflichen Maria-Montessori-Schulzentrum Leipzig verwoben bei ihrer Aufführung eine klassische Liebesgeschichte mit den Vorgängen von 1990 in der Volkskammer. Die unterschiedlichen Lebenswege der (Schwieger-) Eltern – die einen treue Parteigänger, die anderen aktiv in der Opposition – erschwerten die familiäre Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und gefährdeten das junge Liebesglück. Nach mühsamer Annäherung stand am Ende die Verständigung.

Die Schweinfurter wählten einen anderen Zugang zum Thema. Im Rahmen einer inszenierten Nachrichtensendung zitierten sie schlaglichtartig die entscheidenden Wegpunkte in der Bundestagsdebatte. Textgetreu legten sie die Verwerfungslinien quer durch Fraktionen und Koalitionen offen.

Auf dem anschließenden Zeitzeugenpodium diskutierten

  • Marianne Birthler, ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen
  • der ehemalige CDU/CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Gerster
  • der Bürgerrechtler Gerd Poppe
  • Gunter Weißberger, Gründungsmitglied der Sozialdemokratischen Partei in der DDR, und
  • Eckart Werthebach, ehemaliger Berater der DDR-Regierungskommission

Gerster und Werthebach vertraten dabei die bundesdeutsche Perspektive. Die Volkskammer-Sicht vertraten David Gill, Gunter Weißgerber und Marianne Birthler.

Dabei wurden noch einmal die unterschiedlichen Positionen zum Umgang mit den Stasi-Akten deutlich. Die einen wollten nicht, dass die durch das MfS widerrechtlich gesammelten Daten geöffnet werden, auch nicht für die individuelle Akteneinsicht. Die Hinterlassenschaften sollten dem Bundesarchiv übergeben werden. Die Gegenposition lautete: Die Akten der Staatssicherheit sind wichtig für die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Betroffene müssten die Möglichkeit haben, persönliche Akteneinsicht zu nehmen.

Die Veranstaltung war eine Kooperation der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und der drei sächsischen Außenstellen des BStU.

Mit Geocaching der Geschichte auf der Spur

In Sachsen werden Geocaches in verschiedenen Workshops erstellt. Das Projekt soll Geschichten aus den Stasi-Akten vermitteln. Ausführliche Informationen finden sie auf www.untoldstories.de.

Antragsformular

Hier können Sie sich den Antrag auf persönliche Akteneinsicht herunterladen.

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