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Elektronische Schnitzeljagd

Unerzählten Geschichten aus dem Herbst '89 auf der Spur

Mit einem Jugendfest in der BStU-Außenstelle Leipzig endete am 10. Oktober 2014 das sachsenweite History-Caching-Projekt "Untold Stories". Zwölf in Jugend-Workshops erarbeitete Geocaches wurden feierlich zur Suche freigegeben. Sie führen unter anderem zu Stasi-Akten.

In Leipzig können sich Interessierte von nun an auf eine besondere Spurensuche der Friedlichen Revolution begeben. Es geht um das Aufstöbern so genannter Geocaches. Mithilfe eines GPS-Gerätes oder eines GPS-fähigen Mobiltelefons können kleine versteckte Filmdöschen ("Caches") aufgespürt werden. Sie befinden sich an verschiedenen Schauplätzen der Friedlichen Revolution im Herbst '89.

Bereits ein paar Tage vor dem Jugendfest wurde an der Fassade der Außenstelle Leipzig ein Transparent enthüllt.Bereits ein paar Tage vor dem Jugendfest wurde an der Fassade der Außenstelle Leipzig ein Transparent enthüllt. Quelle: BStU / Projekt "Untold Stories"

Mithilfe von versteckten Angaben in Rap-Texten, Graffitis, Comics, Hörspielen und Fotografien, lässt sich dort Hintergründiges zu Ereignissen vor über 25 Jahren erfahren. Jugendliche haben dieses Caches im Rahmen eines Kooperationsprojekts erarbeitet. Dafür wurden durch Aktenstudium und in Zeitzeugengesprächen viele bislang unerzählte Geschichten des Herbsts '89 gesammelt und in einer jugendnahen Sprache künstlerisch verarbeitet.

Über einen QR-Code auf einem Logbuch erhalten die Finder der Geocaches dann weitere Informationen zur Geschichte und können auch Auszüge aus Stasi-Akten darüber lesen.

Die zwölf bislang ausgearbeiteten Caches und ihre Koordinaten sind auf der Website www.untold-stories.de näher beschrieben. Sieben Stationen der elektronischen Schnitzeljagd befinden sich in Leipzig, die übrigen fünf in Chemnitz, Dresden und Bautzen.

Sie informieren beispielsweise, wie bereits im November 1989 ein mutiger Leipziger Bürger direkt bei der Stasi Einsicht in seine Akte beantragte. Oder wie an einer Leipziger Schule damit umgegangen wurde, als es plötzlich ein Plakat "Gorbi Hilf!" zu lesen gab. "Begib dich auf die Suche nach unserem Cache und erfahre, was weiter passierte. Welche Konsequenzen hatte diese mutige Aktion für die betroffenen Schüler?" werden in diesem Fall die Spurensucher aufgefordert. Die Antwort liefert dann der Geocache.

Nun sind die Geschichten nicht mehr "unerzählt"

Zur Einweihung kamen am 10. Oktober 2014 rund 300 Besucher zu einem Jugendfest in die Leipziger Außenstelle des BStU. Gefeiert wurde mit den beteiligten Schülerinnen und Schülern aus ganz Sachsen. Auch die Schirmherren, Unterstützer und Kooperationspartner des Projekts waren anwesend, darunter Sachsens Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler. Er eröffnete das Projekt symbolisch, indem das "UN" von einem Untold-Stories-Banner abschnitt. Denn von nun an sind die Geschichten nicht mehr unerzählt, sondern öffentlich zugänglich.

Das Leipziger Jugendfest in Bildern
   
Bis zum letzten Platz gefüllt war der Veranstaltungssaal der Außenstelle Leipzig, als beim Jugendfest die Geocaches freigegeben wurden.

Bis zum letzten Platz gefüllt war der Veranstaltungssaal der Außenstelle Leipzig, als beim Jugendfest die Geocaches freigegeben wurden. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Im Gespräch mit der BStU-Pressesprecherin Dagmar Hovestädt sprachen unsere Schirmherren über ihre Gründe, "Untold Stories" zu unterstützen.

Im Gespräch mit der BStU-Pressesprecherin Dagmar Hovestädt sprachen unsere Schirmherren über ihre Gründe, "Untold Stories" zu unterstützen. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Die Schirmherren erzählten dabei auch von ihren Erlebnisse aus der Zeit der Friedlichen Revolution.

Die Schirmherren erzählten dabei auch von ihren Erlebnisse aus der Zeit der Friedlichen Revolution. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Die Teilnehmenden des Projekts bekamen auf der Bühne eine kleine Überraschung überreicht – ein T-Shirt und die Filmdokumentation.

Die Teilnehmenden des Projekts bekamen auf der Bühne eine kleine Überraschung überreicht – ein T-Shirt und die Filmdokumentation. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Unser Schirmherr, der Präsident des sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler, eröffnete symbolisch die Geocaches.

Unser Schirmherr, der Präsident des sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler, eröffnete symbolisch die Geocaches. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Dr. Matthias Rößler schnitt die Silbe "UN" vom Projektnamen ab, da unsere Geschichten jetzt nicht mehr unerzählt sind.

Dr. Matthias Rößler schnitt die Silbe "UN" vom Projektnamen ab, da unsere Geschichten jetzt nicht mehr unerzählt sind. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Im Anschluss an die Eröffnung der Caches spielte die Leipziger Band "Moosick" einige ihrer selbst geschriebenen Songs.

Im Anschluss an die Eröffnung der Caches spielte die Leipziger Band "Moosick" einige ihrer selbst geschriebenen Songs. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Die Band "Moosick" bei ihrem Live-Auftritt.

Die Band "Moosick" bei ihrem Live-Auftritt. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Nach dem offiziellen Teil konnten die Besucher zum Beispiel ihr eigenes T-Shirt mit dem "Untold Stories"-Logo besprühen.

Nach dem offiziellen Teil konnten die Besucher zum Beispiel ihr eigenes T-Shirt mit dem "Untold Stories"-Logo besprühen. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Bei einem Rundgang durch das Archiv erfuhren sie alles über die Arbeitsweise der Stasi.

Bei einem Rundgang durch das Archiv erfuhren sie alles über die Arbeitsweise der Stasi. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Und im Foyer sprühten Graffiti-Künstler vom Leipziger Graffitiverein ein Bild von den Demonstrationen im Herbst 1989.

Und im Foyer sprühten Graffiti-Künstler vom Leipziger Graffitiverein ein Bild von den Demonstrationen im Herbst 1989. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Auch der Präsident des sächsischen Landtags half dabei mit, das Graffiti-Kunstwerk im Foyer der Leipziger BStU-Außenstelle zu vollenden.

Auch der Präsident des sächsischen Landtags half dabei mit, das Graffiti-Kunstwerk im Foyer der Leipziger BStU-Außenstelle zu vollenden. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Ein großes Plakat mit einem Comic von unserem Referenten Lukas hängt jetzt an der Runden Ecke und macht auf unser Projekt aufmerksam.

Ein großes Plakat mit einem Comic von unserem Referenten Lukas hängt jetzt an der Runden Ecke und macht auf unser Projekt aufmerksam. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Im Verlauf des Jugendfests berichteten die anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Workshops in Bautzen, Chemnitz, Dresden und Leipzig über ihre recherchierten Geschichten, die sie zu Kunstwerken verarbeiteten. Ergänzend feierte eine Filmdokumentation der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) über das sächsische Pilotprojekt Premiere.

Künftig, so erläuterte BStU-Außenstellenleiterin Regina Schild, sollen die Geocaches im Rahmen von Führungen und Schülerworkshops aufgestöbert werden, "um Zeitgeschichte in einer hochmodernen, spielerischen Form nahe zu bringen". "Dazu haben wir gezielt Geschichten aus Stasi-Akten ausgewählt, die bis zum Projektstart noch nicht bekannt waren – also untold", ergänzt Projektleiterin Franziska Scheffler.

Bislang sind die ersten Erfahrungen gut, der erste Cache war seit Oktober letzten Jahres bereits 800 mal erfolgreich entdeckt worden. Und die Spurensuche ist im Leipziger Stadtgebiet nicht unsichtbar geblieben. In der Georg-Schumann-Straße 25 entstand beispielsweise an einer Hauswand ein Graffiti, das Jugendliche beim Plakatieren einer Hausfassade zeigt. Es soll an jene Leipziger Schüler erinnern, die sich 1989 trauten, auf Plakaten in ihrer Schule für Reformen zu werben - aber damit eine Stasi-Aktion auslösten.

Filme zum Abschluss

Zum Abschluss des Jugendfests griffen auch alle Schirmherren zur Spraydose und halfen dabei mit, ein projektbezogenes Graffiti zum Herbst '89 im Foyer der Außenstelle fertig zu stellen. Daran beteiligte sich auch Sachsens Landtagspräsident.

Nach einem Auftritt der Leipziger Rock-Band "Moosick" folgte eine Lesung mit dem Spiegel-Journalisten Peter Wensierski. Er las aus seinem neuen Buch "Die verbotene Reise: Geschichte einer abenteuerlichen Flucht" und präsentierte Fotografien und bislang unveröffentlichte Filmaufnahmen des Herbst '89. Zusätzlich wurde die Dokumentarfilmreihe "Geschichten hinter vergessenen Mauern – Lost Place Storys aus Leipzig" gezeigt. In mittlerweile drei Filmen beleuchtet sie die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschiedenster Lost Places in und um Leipzig.

Als Lost Places werden Orte bezeichnet, die in ihrer ursprünglichen Nutzung in Vergessenheit geraten sind, beispielsweise alte Militäranlagen. Zeitzeugen erzählen deren Geschichte neu - ganz im Sinne des Leipziger Geocaching-Projekts.

Ausschnitt eines Leipziger Graffitis. Schülerplakatieren eine Wand, an der "Untold tories steht.Mosaikstein einer Leipziger Spurensuche: "Ein kleines Detail der besprühten Wand. Begebt Euch zu den Koordinaten, um mehr davon zu sehen". Am Ziel erzählt das komplette Bild mehr. Quelle: BStU/Projekt "Untold Stories"

Mit Geocaching der Geschichte auf der Spur

In Sachsen werden Geocaches in verschiedenen Workshops erstellt. Das Projekt soll Geschichten aus den Stasi-Akten vermitteln. Ausführliche Informationen finden sie auf www.untoldstories.de.

Antragsformular

Hier können Sie sich den Antrag auf persönliche Akteneinsicht herunterladen.

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