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Mit Geocaching der Geschichte auf der Spur

Ein sachsenweites Projekt mit "Untold Stories"

Die Jagd ist eröffnet. Dabei werden in vier sächsischen Städten im Rahmen von Workshops anhand von Stasi-Akten sogenannte Geocaches erstellt, die Interessierte auf Spuren der Friedlichen Revolution lotsen sollen.

Es war "die erste friedliche Revolution auf deutschem Boden", so bilanzierte Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler die DDR-weiten Bürgerproteste während der Friedlichen Revolution von 1989. In Vorbereitung auf das 25. Jubiläum dieser Ereignisse im Jahr 2014 hatte die Leipziger Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde zu einer Pressevorführung eingeladen.

Das Titelblatt eines Flyers zum Projekt "Untold Stories".Das Titelblatt eines Flyers zum Projekt "Untold Stories". Quelle: Hecht&Huhn Grafikdesign

In einer Kurzansprache hob der Landtagspräsident die besondere Bedeutung der Leipziger Montagdemonstrationen im Oktober 1989 hervor, an denen von Bürgern "Weltgeschichte geschrieben wurde". Zur Würdigung der Ereignisse stellte die Außenstelle Leipzig das Projekt "Untold Stories" vor. Es wird in Kooperation mit den beiden anderen sächsischen BStU-Außenstellen Chemnitz und Dresden, sowie der sächsischen Bildungsagentur, dem Graffitiverein Leipzig und dem Steinhaus Bautzen durchgeführt.

Unbekannte Geschichten aus Stasi-Akten

Durch das Projekt sollen "Geschichten aus den Stasi-Akten, die bisher unbekannt waren" zunächst in Workshops an Interessierte vermittelt werden, sagte Franziska Scheffler als Koordinatorin des Projektes. Nicht nur in Leipzig, sondern auch in weiteren sächsischen Städten werde die Geschichte um den Herbst 1989 auf diese Weise erfahrbar gemacht. In den zweitägigen Workshops sollen historische Hintergründe erhellt, Zeitzeugen-Gespräche geführt, Stasi-Akten ausgewählt und sogenannte Geocaches erstellt werden. Ihre Veröffentlichung ist dann zum 25-jährigen Jubiläum der Friedlichen Revolution vorgesehen.

Der Begriff Geocaching bezeichnet eine Art elektronische Schatzsuche oder Schnitzeljagd. Mittels geografischer Koordinaten, die im Internet veröffentlicht werden, können eigens angelegte Verstecke ("Geocaches" bzw. "Caches" genannt) durch GPS-fähige Geräte gesucht und gefunden werden.

Mithilfe der studierten Akten erstellen die Workshop-Teilnehmer künstlerische Geocaches: Graffitis, Comics, Hörspiele oder Rap-Poetry. Die Ergebnisse sollen jeweils Rätsel enthalten, durch die man die Koordinaten der versteckten Caches entschlüsselt. Ein erstes Beispiel für eine "Untold Story" stellte Marit Krätzer mit der vorgetragenen Geschichte "Störer am Brühl" vor. Darin wurde die couragierte Hilfe eines Straßenbahnfahrers beschrieben, der Demonstranten die friedliche Überwindung einer Polizeikette während der Montagsdemonstration am 2. Oktober 1989 ermöglichte.

Damals hatte die Polizei Demonstranten den Weg in Richtung Dittrichring versperrt. Schild an Schild standen die Spezialkräfte da, und es schien kein Durchkommen zu geben. Gewaltbereitschaft lag in der Luft. Dann aber näherte sich eine Straßenbahn mit lautem Klingeln. Die Protestierer bildeten eine Gasse, die sich hinter der Bahn sofort wieder schloss. Die Polizisten öffneten ebenfalls ihre Reihen, um dem Zug die Durchfahrt zu erleichtern und wurden ausgetrickst: Der Straßenbahnfahrer trat auf die Bremse, seine Wagen blieben stehen und sprengten damit die Sperrkette. So ermöglichte er es den aufgebrachten Menschen, durch die Tram hinter die überrumpelten Waffenträger zu gelangen. Geschichten wie "Störer am Brühl" werden auf der eigens erstellten Website des Projekts nachzulesen sein.

Impressionen von der Pressevorführung
   
Die Leiterin der BStU-Außenstelle Leipzig, Regina Schild, begrüßt Kooperationspartner, Schirmherren und Pressevertreter.

Die Leiterin der BStU-Außenstelle Leipzig, Regina Schild, begrüßt Kooperationspartner, Schirmherren und Pressevertreter. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

BStU-Pressesprecherin Dagmar Hovestädt führt die Gäste bei der Pressevorführung in die Thematik ein.

BStU-Pressesprecherin Dagmar Hovestädt führt die Gäste bei der Pressevorführung in die Thematik ein. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

Der Präsident des sächsischen Landtags und Schirmherr des Projekts, Matthias Rößler, hob in seiner Ansprache die besondere Bedeutung des 9. Oktober 1989 für die Friedliche Revolution hervor.

Der Präsident des sächsischen Landtags und Schirmherr des Projekts, Matthias Rößler, hob in seiner Ansprache die besondere Bedeutung des 9. Oktober 1989 für die Friedliche Revolution hervor. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

BStU-Pressesprecherin Dagmar Hovestädt im Gespräch mit dem sächsischen Landtagspräsidenten.

BStU-Pressesprecherin Dagmar Hovestädt im Gespräch mit dem sächsischen Landtagspräsidenten. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

Moderiert durch Dagmar Hovestädt stellen Projektkoordinatorin Franziska Scheffler und Kooperationspartner Sebastian Drechsel vom Leipziger Graffiti-Verein das Projekt "Untold Stories" vor.

Moderiert durch Dagmar Hovestädt stellen Projektkoordinatorin Franziska Scheffler und Kooperationspartner Sebastian Drechsel vom Leipziger Graffiti-Verein das Projekt "Untold Stories" vor. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

Gelöste Stimmung bei der Vorstellung des Projekts: Dagmar Hovestädt, Franziska Scheffler und Sebastian Drechsel im Gespräch (v.l.n.r.)

Gelöste Stimmung bei der Vorstellung des Projekts: Dagmar Hovestädt, Franziska Scheffler und Sebastian Drechsel im Gespräch (v.l.n.r.) Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

Nicht nur Vertreter etablierter Medienhäuser nahmen an der Vorstellung des Projekts teil. Auch einige Nachwuchsjournalisten von Schülerzeitungen wollten sich die Projektpräsentation nicht entgehen lassen.

Nicht nur Vertreter etablierter Medienhäuser nahmen an der Vorstellung des Projekts teil. Auch einige Nachwuchsjournalisten von Schülerzeitungen wollten sich die Projektpräsentation nicht entgehen lassen. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

Marit Krätzer von der BStU-Außenstelle Leipzig stellt eine bislang unbekannte Geschichte aus dem Herbst '89 vor.

Marit Krätzer von der BStU-Außenstelle Leipzig stellt eine bislang unbekannte Geschichte aus dem Herbst '89 vor. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

Der sächsische Landtagspräsident findet den symbolischen ersten Cache in einem der Archivräume der Außenstelle Leipzig.

Der sächsische Landtagspräsident findet den symbolischen ersten Cache in einem der Archivräume der Außenstelle Leipzig. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

Eine Journalistin begutachtet den ersten symbolischen Cache, der in einem Archivraum versteckt worden war, in dem Säcke der von Stasi-Mitarbeitern zerrissenen Unterlagen aufbewahrt werden.

Eine Journalistin begutachtet den ersten symbolischen Cache, der in einem Archivraum versteckt worden war, in dem Säcke der von Stasi-Mitarbeitern zerrissenen Unterlagen aufbewahrt werden. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

Gemeinsam mit dem sächsischen Landtagspräsidenten und der Leiterin der BStU-Außenstelle Leipzig begutachtet eine Medienvertreterin das Logbuch des Caches, in dem sich die Finder des Caches eintragen.

Bei der gemeinsamen Lektüre des Logbuch des Caches, in dem sich dessen Finder eintragen. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

Regina Schild (2.v.l.) erläutert die Funktionsweise des Logbuchs und weist auf dessen Form hin, die an ein Etikett eines Aktenordnerrückens erinnert.

Regina Schild (2.v.l.) erläutert die Funktionsweise des Logbuchs und weist auf dessen Form hin, die an ein Etikett eines Aktenordnerrückens erinnert. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

An der Außenfassade der Außenstelle Leipzig prangt nun ein Banner mit der Internetadresse des Projekts.

An der Außenfassade der Außenstelle Leipzig prangt nun ein Banner mit der Internetadresse des Projekts. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

Als Startschuss für das Projekt wurde für die Teilnehmer der Pressekonferenz bereits ein erster Cache versteckt. Entlang von  Fußspuren erreichten die Besucher ihr Ziel in einem Obergeschoss der BStU-Außenstelle Leipzig, deren Räumlichkeiten bis zur Besetzung durch mutige Bürger am 4. Dezember 1989 von der Stasi-Bezirksverwaltung Leipzig genutzt worden waren. Landtagspräsident Matthias Rößler stieß dort auf den symbolischen ersten Cache.

Der sächsische Landtagspräsident  Matthias Rößler findet den symbolischen ersten Cache in einem der Archivräume der Außenstelle Leipzig.Der sächsische Landtagspräsident Matthias Rößler findet den symbolischen ersten Cache in einem der Archivräume der Außenstelle Leipzig. Quelle: BStU Außenstelle Leipzig / Petra Döcke

Mit der Veröffentlichung aller Caches im Oktober 2014 beginnt die eigentliche Schnitzeljagd an der sich jeder beteiligen kann, der "Geschichte lebendig und spannend erleben will", so Projektkoordinatorin Franziska Scheffler. Die Caches sollen die Suchenden an historische Orte führen, an denen sie versteckte Filmdosen vorfinden. Darin enthalten sind die Logbücher, ähnlich einem Gipfelbuch, und der Link zur entsprechen Hintergrundgeschichte auf www.untoldstories.de.

Derzeit beinhaltet diese Projekt-Website neben ersten nützlichen Informationen rund um die "Untold Stories" vor allem auch das Anmeldeformular für die 15 geplanten Workshops. Zusätzlich werden dort ab dem Frühjahr 2014 deren Resultate zu begutachten sein. Ziel des Projektes sei es, "dass sich sowohl Schüler, als auch alle interessierten Bürger mehr mit Geschichte auseinandersetzen", hofft Sebastian Drechsler, Vorstandsmitglied des Leipziger Graffiti-Vereins. Die ersten Nachfragen lassen darauf schließen, dass dies gelingt.

Mit Geocaching der Geschichte auf der Spur

In Sachsen werden Geocaches in verschiedenen Workshops erstellt. Das Projekt soll Geschichten aus den Stasi-Akten vermitteln. Ausführliche Informationen finden sie auf www.untoldstories.de.

Antragsformular

Hier können Sie sich den Antrag auf persönliche Akteneinsicht herunterladen.

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