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Die Stasi in Eisleben

Stasi-Unterlagen-Archiv beim Sachsen-Anhalt-Tag

Als eine von 41 Kreisdienststellen (KD) im heutigen Sachsen-Anhalt, überwachte die KD Eisleben die örtliche Bevölkerung und sicherte öffentliche Einrichtungen, Parteigebäude und Betriebe ab. Im Oktober 1989 verfügte die Regionaldiensteinheit über 44 Hauptamtliche, unter ihnen auch ein Offizier im besonderen Einsatz, und mehr als 250 Inoffizielle Mitarbeiter.

Überreichung eines "Häuerscheins" (Ausbildungsnachweis) an Stasi-Minister Erich Mielke durch Arbeiter des VEB Mansfeld-Kombinats "Wilhelm Pieck", 1975Überreichung eines "Häuerscheins" (Ausbildungsnachweis) an Stasi-Minister Erich Mielke durch Arbeiter des VEB Mansfeld-Kombinats "Wilhelm Pieck", 1975 Quelle: BStU, MfS, ZAIG, Fo, Nr. 2471, Bild 43

Die Überwachung der Industrie in der Region nahm einen hohen Stellenwert in der Arbeit der KD Eisleben ein. In der Region war unter anderem das VEB Mansfeld-Kombinat "Wilhelm Pieck" angesiedelt, das mit der Gewinnung von Kupfer und anderen Metallen der DDR teure Rohstoffimporte ersparen sollte. Als es im Mai 1989 durch einen Bedienfehler zu einer Havarie in der August-Bebel-Hütte Helbra kam, übernahm das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Dokumentation und Aufklärung des Unglücks.

Stasi-Bilddokumentation nach einer Havarie in der August-Bebel-Hütte (ABH) in Helbra (Auszug), Sommer 1989Stasi-Bilddokumentation nach einer Havarie in der August-Bebel-Hütte (ABH) in Helbra (Auszug), Sommer 1989 Quelle: BStU, MfS, BV Halle, Abt. XVIII, Nr. 1137, Bl. 38, Bild 2 (Ausschnitt)

Insgesamt 30.000 Liter schweres Heizöl gelangten ins Erdreich. Weil ein Ablaufrohr für Regenwasser nur mit einem Stein statt mit dem dafür vorgesehenen Stopfen verschlossen war, gelangte Öl in den Bach Böse Sieben. Mitarbeiter der Geheimpolizei fertigten Fotos an, nicht zuletzt, um nach Anzeichen für "feindliche Sabotage" zu suchen.

Zu den konkreten Aufgaben der Kreisdienststelle gehörte weiterhin die Planung von "Maßnahmen zur Terrorabwehr", beispielsweise für das Gebäude der Kreisleitung der Staatspartei SED in Eisleben.

Ausschnitt aus einem „Maßnahmenplan zur Terrorabwehr" für die SED-Kreisleitung Eisleben, 1984Ausschnitt aus einem „Maßnahmenplan zur Terrorabwehr" für die SED-Kreisleitung Eisleben, 1984 Quelle: BStU, MfS, BV Halle, KD Eisleben. Nr. 130, Bl. 36 (Ausschnitt)

Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen konnte die Stasi nicht verhindern, dass am 17. Juni 1953 auch in Eisleben weit über 1.000 Arbeiter in den Streik traten und sich Berliner Kollegen anschlossen. Die Demonstranten versammelten sich zunächst auf dem Marktplatz, der jedoch auf Befehl der sowjetischen Kommandantur um 15.30 Uhr geräumt wurde. Beendet war der Volksaufstand damit jedoch nicht. Um 16 Uhr belagerten rund 1.200 Demonstranten das Volkspolizei-Kreisamt, 400 drangen in das Gebäude ein. Anschließend zogen sie weiter zur Untersuchungshaftanstalt, die sie sofort stürmten. Dort verbrannten sie Unterlagen und befreiten Häftlinge. Es folgten weitere Besetzungen unter anderem des Kreisgerichts, der SED-Kreisleitung und der Leitung des Mansfeld-Kombinates. Am Abend rollten sowjetische Panzer durch die Stadt. Die Soldaten "säuberten" die Stadt von Aufständischen und räumten die besetzten Gebäude.

Untersuchungshaftanstalt (UHA) Eisleben, 1987Untersuchungshaftanstalt (UHA) Eisleben, 1987 Quelle: BStU, MfS, BV Halle, AG XXII, Nr. 171, Bl. 48 (Ausschnitt)

Als sich 1989 mit Beginn der Friedlichen Revolution das Ende des SED-Regimes abzeichnete, begann die Stasi mit der Vernichtung ihrer Unterlagen, die sich in fast 40 Jahren Arbeit angesammelt hatten. Mutige Bürger stoppten die Beseitigung von Spuren, indem sie am 4. Dezember 1989 die Kreisdienststelle Eisleben besetzten. Viele Akten waren zu diesem Zeitpunkt bereits unwiederbringlich zerstört. Andere waren lediglich grob zerrissen worden und konnten später durch das Stasi-Unterlagen-Archiv zum Teil manuell rekonstruieren.

BStU beim Sachsen-Anhalt-Tag in Eisleben

Gemeinsamer Stand von BStU und der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt.Gemeinsamer Stand von BStU und der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt. Quelle: BStU

Beim diesjährigen Sachsen-Anhalt-Tag in Eisleben informierte das Stasi-Unterlagen-Archiv über diese und andere Aspekte des Wirkens des Ministeriums für Staatssicherheit in Sachsen-Anhalt und der Region.

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