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Das Archiv

Im Archiv der Außenstelle lagern etwa 4.500 laufende Meter (lfd.M.) Unterlagen aus der Hinterlassenschaft der Bezirksverwaltung (BV) für Staatssicherheit Erfurt und den in ihrem Zuständigkeitsbereich ansässigen Kreisdienststellen (KD). Der dokumentierte Zeitraum erstreckt sich von 1945 bis 1990 und gliedert sich im Wesentlichen in zwei Teile:

  1. Die von der BV durch die Abteilung XII (Archiv) archivierten Akten. Sie haben einem Umfang von 2.250 lfd.M.
  2. Die Unterlagen, die aus den Büros der BV und ihrer 13 KD bei der Besetzung sichergestellt und übernommen wurden. Deren Umfang beträgt 2.250 lfd.M. Dazu kommen noch ca. 600 lfd.M. Karteien auf die später noch näher eingegangen wird.

Die Unterlagen sind zu ca. 94 % erschlossen und lagern in zwölf Magazinräumen in Rollregalen.

Der Weg des Antrags durch die Außenstelle

Um die Arbeitsweise der Außenstelle zu verdeutlichen, stellen wir den Weg eines Antrags am Beispiel des Herrn X vor. Herr X möchte wissen, ob über seine Person Akten durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) angelegt wurden. Zu diesem Zweck stellt er einen Antrag auf Akteneinsicht beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen der ehemaligen DDR (BStU). Da er in einem kleinen Ort im ehemaligen Bezirk Erfurt wohnt, schickt er seinen Antrag an die Außenstelle Erfurt.

Nach Eingang des Antrags wird dieser registriert, d.h. er bekommt einen Eingangsstempel und eine Tagebuchnummer. Nun kann die Recherche beginnen. Dazu wird parallel in der Außenstelle Erfurt, in den anderen 12 Außenstellen und in der Zentralstelle Berlin nach allen zugriffsfähigen Informationen geforscht.

Die Karteien

In der Außenstelle Erfurt befinden sich in großen Schränken ca. 1,7 Millionen Karteikarten, auf denen ca. 1,1 Millionen Personen erfasst sind.

Die vom MfS angelegten Karteien stellen eine Besonderheit dar. Sie dienten dem MfS einerseits als Findhilfsmittel, um die entsprechenden Akten heraus suchen zu können. Andererseits wurden sie als Informationsspeicher genutzt, da auf den Karteikarten auch Daten zu Personen vermerkt wurden, für die es keine Akten gab.

Es wird zwischen zentralen und dezentralen Karteien unterschieden.

Zu den zentralen Karteien gehören die Klarnamenkartei F (Form) 16 und die Vorgangskartei F 22. Die F 16 ist phonetisch (dabei werden die Namen nach Aussprache abgelegt, nicht nach Alphabet, z. B. Meier, Meyer, Maier) sortiert. Sie beinhaltet alle Grunddaten (z. B. Geburtsdaten) der erfassten Personen und eine Registriernummer.

Die Vorgangskartei F 22 enthält den Grund, weshalb die Erfassung erfolgte. Auf den Karten sind in der Regel folgende Daten eingetragen:

  • der Deckname,
  • der zuständige MfS-Mitarbeiter,
  • das Erfassungsdatum,
  • die Bezeichnung der anlegenden Stelle (Kreisdienststelle oder Abteilung),
  • die Archivsignatur,
  • das "Delikt"

Dabei kann es sich um eine operative Personenkontrolle (OPK), einen Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) oder einen Sicherungsvorgang (SVG) handeln.

Die dezentralen Karteien dienten als Hilfsmittel der einzelnen Diensteinheiten, um die dort angesammelten Informationen aufzufinden. Zu den umfangreichsten dezentralen Karteien gehört die M-Kartei (Abteilung M, Postkontrolle). Hier findet man die Daten zur Postüberwachung, in vielen Einzelfällen mit den dazu vom MfS gezogenen Briefkopien.

Nachdem die Mitarbeiter der Kartei den Rechercheantrag von Herrn X erhalten haben, beginnen sie nach seinem Namen und Geburtsdatum zu suchen. Wird eine Karteikarte gefunden, geht die Bearbeitung des Antrags im Magazin weiter. Wird keine Karteikarte gefunden oder nur eine Karteikarte ohne weiterführende Archivsignatur, wird der Antrag mit dem Ergebnis an einen Sachbearbeiter weitergegeben. Dieser schreibt eine entsprechende Mitteilung mit der Auskunft "nicht erfasst" oder "Erfassung ohne Material" an den Antragsteller. Im letzteren Fall wird die Kopie der Karteikarte beigelegt.

Das Magazin

Aktenregale im ArchivAktenregale im Archiv Quelle: BStU, Außenstelle Erfurt

Die Archivalien sind in zwölf Magazinräumen in Stand- und Rollregalen untergebracht. Die Akten sind in Archivkartons verpackt, um sie vor Licht und Staub zu schützen. Angeforderte Akten werden mit Seitenzählung versehen, von Metallteilen befreit und auf Vollständigkeit kontrolliert.

Zu Herrn X wurde eine Karteikarte mit weiterführender Signatur gefunden. Diese Archivsignatur erlaubt die Suche nach den Unterlagen im Magazin. Die entsprechende Akte wird aus einer Vielzahl von Unterlagen herausgesucht. Bevor sie an einen Sachbearbeiter des Auskunftsbereichs weitergegeben wird, bereitet sie ein Magazinmitarbeiter für die Akteneinsicht vor.

Die Erschließung

Wie anfänglich erwähnt, existieren neben den vom MfS archivierten Ablagen große Mengen an Unterlagen aus den Büros der Mitarbeiter. Diese werden durch Archivarinnen erschlossen und über Datenbanken zugänglich gemacht.

Im Zuge dieser Arbeiten werden die Akten von Fremdkörpern und Verschmutzungen befreit. Ein treffender, den Inhalt möglichst genau beschreibender Titel wird formuliert und die Laufzeit (d. h. Anfangs- und Enddatum) wird bestimmt. Danach werden die Akten mit einer Signatur beschriftet und in säurefreien Jurismappen gelegt. Diese Unterlagen stehen nun für Akteneinsichten und Forschungen zur Verfügung.

Zu den übernommenen Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit gehören auch Ton- und Videodokumente sowie elektronische Datenträger. Diese werden in der Zentralstelle in Berlin unter optimalen klimatischen Bedingungen gelagert und erschlossen.

Von den insgesamt 2.050 Tonträgern wurden bisher 681 erschlossen. Dabei handelt es sich um Tonträger der Abteilungen IX (Untersuchungs- und Ermittlungsverfahren), 26 (Telefonüberwachung) und N (Nachrichten). Von 25 überlieferten Videos wurden 8 Videos erschlossen, die der Abteilung II (Spionageabwehr) zugeordnet werden konnten. Die Tonträger und Videos sind für Recherchen über die Datenbank zugänglich.

Zerrissene Akten und zerstörte Tonbänder - auch diese gehören zur Hinterlassenschaft des MfS und müssen neu erschlossen werden. Zerrissene Akten und zerstörte Tonbänder - auch diese gehören zur Hinterlassenschaft des MfS und müssen neu erschlossen werden. Quelle: BStU, ASt. Erfurt

Ein Teil der überlieferten Unterlagen war von den Mitarbeitern des MfS zur Vernichtung vorbereitet und geschreddert bzw. manuell zerrissen worden. Ein Großteil dieser vorvernichteten Unterlagen befinden sich zurzeit in 250 Säcken in der Außenstelle Suhl.

Es handelt sich bei diesen Akten vorrangig um Unterlagen aus den letzten Jahren der Tätigkeit des MfS. Darunter sind auch Akten zu finden, die kurz vor der Auflösung des MfS entstanden und Einzelschicksale von Bürgerrechtlern betreffen. Aktuell läuft in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut ein Pilotprojekt zur computergestützten virtuellen Rekonstruktion dieser Unterlagen.

Trotz allem sind bei der Vernichtungsaktion im Herbst 1989 durch das MfS Unterlagen unwiederbringlich zerstört worden. Aus diesem Grund bestehen in den Archivbeständen Lücken bzw. sind zu einigen Diensteinheiten keine Unterlagen nachweisbar.

Die Akteneinsicht

Die gefundene und vorbereitete Akte für Herrn X wird von den Magazinmitarbeitern an einen Sachbearbeiter gegeben. Dieser liest die Akte durch und entscheidet nach dem Stasi-Unterlagen-Gesetz (StUG), welche Informationen vorgelegt werden dürfen. Im Sinne der Persönlichkeitsschutzrechte anderer Betroffener und Dritter müssen bestimmte Daten anonymisiert werden . Erst dann wird Herr X zur Akteneinsicht in die Außenstelle eingeladen.

Da die Erschließungsarbeiten noch nicht abgeschlossen sind, besteht für Herrn X die Möglichkeit, nach ca. zwei Jahren einen Wiederholungsantrag zu stellen. Währenddessen erschließen die Archivare kontinuierlich die ungeordneten Unterlagen.

(Stand 2011)

ARGUS für MfS-Unterlagen

Neue Online-Recherche für Stasi-Unterlagen: ARGUS - Findmittel auf einen Blick

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