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BStU-Jahresrückblick 2008

07. Januar – In Berlin konstituiert sich das wissenschaftliche Beratungsgremium der Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU). Das Gremium berät die Bundesbeauftragte bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Tätigkeit des Staatssicherheitsdienstes; es begleitet die Forschungsarbeit und Publikationstätigkeit. Zum Vorsitzenden wählen die neun Wissenschaftler Prof. Dr. Hans-Joachim Veen, den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Ettersberg zur vergleichenden Erforschung europäischer Diktaturen und ihrer Überwindung.

10. Januar – Im nordrhein-westfälischen Versmold eröffnen die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, und der Bürgermeister der Stadt, Thorsten Klute, die Wanderausstellung "Staatssicherheit – Garant der SED-Diktatur". Die zentrale Wanderausstellung der BStU macht 2008 außerdem in Tübingen, Minden, Bayreuth, Hanau und Duisburg Station.

25. Januar – Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, eröffnet in Hoyerswerda die Wanderausstellung "Zwischen Aufbegehren und Anpassen – Jugend in der DDR".

01. und 02. März – Die Stasi-Unterlagen-Behörde beteiligt sich am bundesweiten Tag der Archive. Die Berliner Zentralstelle sowie die Außenstellen Potsdam, Rostock und Magdeburg veranstalten Tage der offenen Tür.

24. April – Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck besucht zusammen mit dem SPD-Vorstandsmitglied Wolfgang Thierse die Stasi-Unterlagen-Behörde. Auf dem Rundgang durch das Zentralarchiv in Berlin-Lichtenberg erläutert Marianne Birthler die Hinterlassenschaften der Geheimpolizei. Im anschließenden Gespräch geht es um die aktuelle Arbeit und die Zukunft der Behörde. Die Bundesbeauftragte wertet den Besuch des SPD-Vorsitzenden als wichtiges politisches Signal für die Aufarbeitung der SED-Diktatur und ihres Repressionsapparates.

20. Mai – Die Stasi-Unterlagen-Behörde kann Unterlagen aus der Akte des Oppositionellen Robert Havemann herausgeben: Dr. Gregor Gysi zieht die Berufung gegen die erstinstanzliche Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Berlin über die Herausgabe von drei Dokumenten aus den Stasi-Unterlagen seines ehemaligen Mandanten Havemann zurück. Das Gericht hatte 2006 entschieden, dass die Unterlagen zu Havemann, in denen Dr. Gysi als sein Rechtsanwalt genannt wird, im Rahmen eines Medienantrags herausgegeben werden dürfen. Die Bundesbeauftragte Marianne Birthler zur Entscheidung Gysis: "Die Begründung für den Rückzug in letzter Minute ist zwar wenig überzeugend. Entscheidend aber ist, dass wir endlich weitere Dokumente über die Einflussnahme der Stasi auf Anwälte und das Verhältnis Havemanns zu seinem Anwalt Dr. Gysi für Forschung und Medien zugänglich machen können."

18. Juni – Die Bundesregierung verabschiedet ihr Gedenkstättenkonzept. Es sieht vor, nach der Bundestagswahl 2009 eine unabhängige Kommission einzusetzen, die Vorschläge zur künftigen Arbeit der Stasi-Unterlagen-Behörde entwickeln soll. Die Bundesbeauftragte Marianne Birthler begrüßt die Entscheidung als klares Signal für die weitere Zukunft: "Die Entscheidung beendet eine merkwürdige Debatte um die vorzeitige Auflösung der Stasi-Unterlagen-Behörde und gibt ihr für die nächsten Jahre die dringend nötige Planungssicherheit. Für die Aufarbeitung der SED-Diktatur ist es auch weiterhin notwendig, die Methoden und die Wirkungsweise des MfS zu erforschen und die Öffentlichkeit zu informieren. Die gestiegene Nachfrage der Bürger nach ‚ihren’ Akten und das anhaltende Interesse an unseren Bildungsangeboten zeugen davon, dass die Arbeit der BStU nach wie vor unverzichtbar ist."

01. September – Die Stasi-Unterlagen-Behörde unterstützt den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Die Bundesbeauftragte Marianne Birthler eröffnet u.a. mit dem Vorstandsmitglied der Körber-Stiftung, Dr. Lothar Dittmer, und dem Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums, Prof. Dr. Hans Ottomeyer, den größten historischen Forschungswettbewerb für Jugendliche in Deutschland.

30. September – In Hamburg präsentiert die Stasi-Unterlagen-Behörde ihre neu konzipierte zentrale Wanderausstellung "Feind ist, wer anders denkt". Die Bundesbeauftragte Marianne Birthler stellt dem Ersten Bürgermeister Hamburgs, Ole von Beust, die Exponate vor. Die Wanderausstellung beleuchtet auf 200 Quadratmetern Entstehung, Aufgaben und Methoden des Ministeriums für Staatssicherheit.

14. Oktober – Die Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU) und die Robert-Havemann-Gesellschaft geben das Buch "Aktenlandschaft Havemann" heraus. Beide verwahren in ihren Archiven zahlreiches Material über und von Havemann, der zunächst geheimer Informant der Stasi war und später Kritiker des DDR-Regimes wurde. Das Buch gibt einen Überblick zu den erschlossenen Beständen, der die gezielte Recherche zu der komplexen und bedeutungsvollen Biographie Havemanns erleichtert.

31. Oktober bis 02. November – Die Stasi-Unterlagen-Behörde veranstaltet mit der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin die Bildungskonferenz "Meine, Deine, unsere Geschichte?". Im Mittelpunkt stehen die Friedliche Revolution und die Deutsche Einheit in der schulischen und außerschulischen Bildung. Zu den Teilnehmern zählen Lehrkräfte sowie Vertreter von Lehrerbildungsinstitutionen, Schulbuchverlagen, Bildungsverwaltungen und –ministerien.

25. und 26. November – Die Stasi-Unterlagen-Behörde, der Berliner Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen und die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien veranstalten gemeinsam die Tagung "Opposition und SED in der Friedlichen Revolution". Zeitzeugen, Historiker und Politikwissenschaftler diskutieren in Berlin über die Parteien der DDR und über die Entstehung der oppositionellen Gruppen. Am Abend des ersten Veranstaltungstages ist Wolf Biermann zu einem Liederabend und Zeitzeugengespräch zu Gast.

16. Dezember – Die Bundesbeauftragte Marianne Birthler gründet mit sechs Behörden, die für Geheimpolizeiakten zuständig sind, ein europäisches Netzwerk. Einrichtungen aus Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, der Slowakei und die Stasi-Unterlagen-Behörde sind in dem Netzwerk vertreten. Die Partner vereinbaren, sich jährlich auf Tagungen zu treffen, um Erfahrungen in der Aufarbeitung auszutauschen. Zur Gründung des "Europäischen Netzwerks der für die Geheimpolizeiakten zuständigen Behörden" sagt Marianne Birthler: "Ein wiedervereintes, freies Europa ist ohne ein Bewusstsein seiner vielfältigen und widersprüchlichen Geschichte nicht denkbar. Die Geschichte der ehemals kommunistisch beherrschten Länder nimmt darin einen wichtigen Platz ein - als eine der beiden zentralen Diktaturerfahrungen Europas."

31. Dezember – Zum Jahresende 2008 schließt die Außenstelle Potsdam. Die Stasi-Unterlagen-Behörde ist jedoch weiterhin mit Veranstaltungen und Bürgersprechstunden in der Brandenburger Landeshauptstadt präsent. Die 4,7 Kilometer Akten und 1,5 Millionen Karteikarten der Außenstelle werden in die Räume des Berliner Zentralarchivs umgelagert.