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BStU-Jahresrückblick 1996

02. Januar – Bildung der Projektgruppe "Rekonstruktion vorvernichteter Unterlagen" zur Rekonstruktion zerrissener Unterlagen in Zirndorf bei Nürnberg mit Hilfe von 30 abgeordneten Bediensteten des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge. Bis September 2001 werden ca. 480.000 Seiten Schriftgut aus 185 Säcken rekonstruiert.

09. Januar – Kanzleramtsminister Friedrich Bohl besucht das ehemalige Zentralarchiv der Stasi.

Januar – Über 3 Millionen Anträge auf persönliche Akteneinsicht und Ersuchen öffentlicher und nicht-öffentlicher Stellen.

Januar – Das "Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen zur ’politisch-operativen Arbeit‘", herausgegeben von Siegfried Suckut, erscheint in der wissenschaftlichen Reihe des BStU im Christoph Links Verlag.

Februar – Öffentliche Präsentation der MfS-Ablage "Untertägige Anlagen" (UTA): Bauunterlagen und Fotodokumentationen zur Neuen Reichskanzlei, zum Führerbunker, zum Goebbels-Bunker, zu stillgelegten U-Schächten und vergessenen Kanalisationen sowie anderen historischen Bauanlagen aus der "Berliner Unterwelt" werden vorgestellt, die von der Stasi nach dem Bau der Mauer am 13. August 1961 angelegt wurden, um Fluchtmöglichkeiten nach West-Berlin zu verhindern.

06. März – Podiumsdiskussion in der Außenstelle Chemnitz zum Thema: "MfS und Sport" u. a. mit BStU-Direktor Dr. Busse, Olympiasiegerin Renate Bauer (Besucherzahl: rund 190).

06. März – Auch in der zweiten verwaltungsgerichtlichen Instanz scheitert der PDS-Bundestagsabgeordnete Dr. Gregor Gysi mit seinem Begehren, dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Äußerungen in Bezug auf eine mögliche Stasi-Verstrickung zu verbieten.

18. März – Besucheransturm (ca. 20.000 Bürger) beim "Tag der offenen Tür" im Archiv der Zentralstelle des BStU.

18. April – Eröffnung der Wanderausstellung der Außenstelle Chemnitz "Alles im Griff – Spezifische Maßnahmen des MfS gegen Andersdenkende" im Schloss Augustusburg.

20. und 21. April – "Durchzug bei der Stasi" – Wiederholung der "Tage der offenen Tür" im ehemaligen Zentralarchiv des MfS.

22. bis 26. April – Arbeitsbesuch einer Delegation der beiden vom ungarischen Parlament gewählten "Ausschüsse zur Überprüfung einzelner Personen in herausgehobenen Positionen".

24. bis 29. April – Bei den 42. Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen werden von Mitarbeitern der Behörde Stasi-Schulungsfilme vorgestellt und kommentiert.

27. April – 1. "Tag der offenen Tür" der Außenstelle Rostock.

April – Forschungsantrag zur "Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen".

April – Ersuchen des Generalbundesanwalts zum Schicksal der aus dem Rassenwahn der Nazis--Nationalsozialisten hervorgegangenen so genannten "Lebensborn-Kinder". Die Stasi hatte "Lebensborn"-Kindern ihre Biographien geraubt, um Agenten mit einer perfekten Legende im Westen zu platzieren.

April – Das Landeskriminalamt Brandenburg stellt Anfragen zum Verdacht der körperlichen Misshandlung durch Angehörige des Strafvollzuges, insbesondere in den Strafvollzugseinrichtungen Brandenburg, Cottbus, Rüdersdorf und Schwarze Pumpe.

08. bis 10. Mai – Wissenschaftliche Tagung der Abteilung Bildung und Forschung über "Staatspartei und Staatssicherheit. Zum Verhältnis von MfS und SED".

25. Juni – Bildung der Projektgruppe "Sachaktenerschließung", die mittels Datenverarbeitung das bisherige manuelle Anfertigen von BStU-Findkarteikarten ersetzt und die Erschließungsergebnisse als Datensätze in vernetzte PC-Computer eingibt.

August – Projektgruppe Zirndorf macht erste Mitteilung ohne Ersuchen aus rekonstruiertem Material zu einem Altbischof, der von 1959 bis zur Auflösung des MfS inoffiziell mit dem Staatssicherheitsdienst zusammenarbeitete.

18. bis 20. Oktober – Erster Tag der offenen Tür in der Außenstelle Magdeburg mit 2.500 Besuchern.

Oktober – Die Außenstelle Schwerin beginnt mit der Erschließung der 1.100 lfd. M. "Operative Hauptablage".

Oktober – Das Buch "Sicherungsbereich Literatur. Schriftsteller und Staatssicherheit in der Deutschen Demokratischen Republik" von Joachim Walther erscheint in der wissenschaftlichen Reihe des BStU im Christoph Links Verlag.

15. November – Eröffnung der Wanderausstellung "Staatssicherheit – Garant der SED-Diktatur" im Deutschen Bundestag in Bonn. Bis Ende 2001 wird sie in 25 Städten der Bundesrepublik (meist in den alten Bundesländern) und in 5 Städten im Ausland (Budapest, Krakau, Frederiksberg/Kopenhagen, Tallin und Kattowitz) von 120.000 Besuchern gesehen.

November – Forschungsantrag zum Thema "Schicksale deutscher Kommunisten im Moskauer Exil".

13. Dezember – Eröffnung des IDZ der Außenstelle Erfurt; die Ausstellung "Sicherungsbereich DDR" verzeichnet jährlich ca. 8.000 Besucher.

20. Dezember – Mit dem 3. Stasi-Unterlagen-Änderungsgesetz können künftig Medien- und Forschungsanträge auch zur "politischen und historischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit" gestellt werden; (BGBl. I, S. 2026) – die Zahl der Anträge zur NS-Thematik steigt sprunghaft an.

In der Reihe "Analysen und Berichte" (Reihe B) des Bundesbeauftragten erscheint die Broschüre "SOUD – Das geheimdienstliche Datennetz des östlichen Bündnissystems" von Bodo Wegmann und Monika Tantzscher.