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"Gitarren statt Knarren"

Udo Lindenberg und seine Fans im Visier der Stasi

"Als ich kurz nach der Wende zum ersten Mal meine Stasiakte las, musste ich wegen all der Tragik dieses Spitzeltums erst mal'n Schock überwinden und kräftig durchatmen, weinenden Auges - später dann aber auch lachenden Auges, so grotesk, so abartig, so komisch war es gleichzeitig." So beschrieb Udo Lindenberg die Vorgänge rund um sein Konzert im Palast der Republik am 25. Oktober 1983.

Udo Lindenberg auf der Bühne im großen Saal des Palastes der Republik 1983Udo Lindenberg auf der Bühne im großen Saal des Palastes der Republik 1983 Quelle: BStU, MfS, ZOS, Nr. 1826, Bild 062/10 (Ausschnitt)

Lautstark hatte der Sänger mit seinem Lied "Sonderzug nach Pankow" bereits Anfang des Jahres 1983 für einen Auftritt in der DDR geworben. Den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker bedachte er dabei mit einer gehörigen Portion Ironie. Dieser ließ den "Sonderzug" erbost verbieten. Lindenbergs Konzert-Manager Fritz Rau gelang es schließlich, den Auftritt durchzusetzen. Er stellte den DDR-Oberen einen Auftritt des Vietnamkriegsgegners und Friedenskämpfers Harry Belafonte in Ost-Berlin in Aussicht - wenn Lindenberg auch auftreten dürfe. SED und FDJ stimmten unter diesen Bedingungen zu.

15 Minuten dauerte der Auftritt des westdeutschen Rockers beim Friedensfestival der "Freien Deutschen Jugend" (FDJ) in Ost-Berlin. In dieser Hochphase des Kalten Krieges löste der Auftritt bei der Stasi einen Großeinsatz aus. Schon im Vorfeld berichteten Inoffizielle Mitarbeiter (IM) über Meinungen zur Auftrittserlaubnis und zur Kartenvergabe. Am Tag des Auftritts verfolgten MfS-Mitarbeiter den Sänger auf Schritt und Tritt, observierten Journalisten und berichteten aus dem direkten Umfeld Lindenbergs. Auch der Palast der Republik und das nähere Umfeld wurden "gesichert". Dabei kam es zu zahlreichen Verhaftungen von Lindenberg-Fans.

Am Donnerstag, den 2. Juli 2015 widmet das Stasi-Museum und die Stasi-Unterlagen-Behörde Udo Lindenberg und seinen Fans eine Veranstaltung auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale:

  • 17.30 Uhr: Ausstellungseröffnung "Mit dem Sonderzug nach Pankow - Udo Lindenberg in Ost-Berlin"
  • 18.30 Uhr: Zeitzeugengespräch "Sonderzug in den Palast der Republik -Das Lindenberg-Konzert 1983"
  • 19.45 Uhr Diskussion mit Schülern: "Die junge Generation und das Thema Stasi"
  • 20.30 Uhr Filmvorführung "Die Akte Lindenberg"

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Datei ist barrierefrei ⁄ barrierearm  Programmflyer "Gitarren statt Knarren" (PDF, 524KB, Datei ist barrierefrei ⁄ barrierearm)

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