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25. Jahrestag der Stasi-Besetzung

Der BStU lud zum Bürgertag in die ehemalige MfS-Zentrale

Etwa 7.000 Besucher kamen am 17. Januar zum Bürgertag in die ehemalige Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg, zu dem der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU) eingeladen hatte. Im Mittelpunkt standen u.a. Archiv, neu gestaltetes Stasi-Museum und mehrere Debatten, 25 Jahre nach Entmachtung des MfS. Nachfolgend die Mitschnitte zum Anhören.

Im Eingangsbereich des Stasi-Museums sehen sich Besucherinnen und Besuchern ein Gelände-Modell der ehemaligen Stasi-Zentrale an, welches das Ausmaß des Areals zur DDR-Zeit zeigt.Im Eingangsbereich des Stasi-Museums sehen sich Besucherinnen und Besuchern ein Gelände-Modell der ehemaligen Stasi-Zentrale an, welches das Ausmaß des Areals zur DDR-Zeit zeigt. Quelle: BStU / Popa

"Es war ein guter Tag für die Aufarbeitung" resümierte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, am Ende des Bürgertags. Die etwa 7.000 Besucher waren in die ehemalige Stasi-Zentrale gekommen, um mehr über das Wirken des früheren Ministeriums für Staatssicherheit zu erfahren.

Das Stasi-Archiv bot einen Rundgang an, im Stasi-Museum eröffnete die neue Dauerausstellung "Staatssicherheit in der SED-Diktatur", Aufarbeitungsinitiativen stellten sich vor und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BStU gaben einen Einblick in ihre Arbeitsbereiche. Kooperationspartner waren der ASTAK e.V., die Robert-Havemann-Gesellschaft und der Bezirk Lichtenberg.

Stationen und Besucher - der Bürgertag des BStU im Bild, 25 Jahre nach dem Sturm auf die Stasi (Teil 1)
   
Ziel vieler Besucher ist zum Auftakt des Bürgertags "Haus1", der ehemalige Dienstsitz von Stasi-Minister Erich Mielke, in dem an diesem Tag eine neue Dauerausstellung eröffnet wird.

Ziel vieler Besucher ist zum Auftakt des Bürgertags "Haus1", der ehemalige Dienstsitz von Stasi-Minister Erich Mielke, in dem an diesem Tag eine neue Dauerausstellung eröffnet wird. Quelle: BStU / Oana Popa

Im denkmalgeschützten Foyer informiert zunächst ein Modell über das Ausmaß des MfS-Areals an der Berliner Normannenstraße, es ist dicht umdrängt.

Im denkmalgeschützten Foyer von "Haus 1" informiert zunächst ein Modell über das Ausmaß des MfS-Areals an der Berliner Normannenstraße. Quelle: BStU / Oana Popa

"Staatssicherheit in der SED-Diktatur" heißt die neue Dauerausstellung, die auf drei Etagen über Geschichte, Rolle und Strategien der DDR-Geheimpolizei Stasi informiert.

"Staatssicherheit in der SED-Diktatur" heißt die neue Dauerausstellung, die auf drei Etagen über Geschichte, Rolle und Strategien der DDR-Geheimpolizei Stasi informiert. Quelle: BStU / Oana Popa

Die Ausstellung führt auch durch die sogenannte "Mielke-Etage", in der die Büros und Konferenzräume der Stasi-Führung mit ihrer Originalausstattung erhalten geblieben sind. Hier der Konferenztisch.

Die Ausstellung führt auch durch die sogenannte "Mielke-Etage", in der die Büros und Konferenzräume der Stasi-Führung mit ihrer Originalausstattung erhalten geblieben sind. Quelle: BStU / Oana Popa

Weiteres Besucherziel am Bürgertag ist "Haus 7" mit dem Stasi-Archiv. Hier beginnen Führungen über das Gelände und individuelle Gänge durchs Haus.

Weiteres Besucherziel am Bürgertag ist "Haus 7" mit dem Stasi-Archiv. Hier beginnen Führungen über das Gelände und individuelle Gänge durchs Haus. Quelle: BStU / Oana Popa

Im Archiv erwartet die Besucherinnen und Besucher ein Rundgang durch alle Arbeitsbereiche. Hier der Eingang zum Karteiraum.

Im Archiv erwartet die Besucherinnen und Besucher ein Rundgang durch alle Arbeitsbereiche. Hier der Eingang zum Karteiraum. Quelle: BStU / Kulick

Beim Archiv-Rundgang erläutern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Gästen die jeweilige Station, hier der Karteisaal, in dem sich die Registrierkarten überwachter DDR-Bürger und von Inoffiziellen Mitarbeitern der Staatssicherheit befinden.

Beim Archiv-Rundgang erläutern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Gästen die jeweilige Station, hier der Karteisaal, in dem sich die Registrierkarten überwachter DDR-Bürger und von Inoffiziellen Mitarbeitern der Staatssicherheit befinden. Quelle: BStU / Kulick

Im Keller des Archivs kann Einblick in die vorbereitete Musterakten genommen werden.

Im Keller des Archivs kann Einblick in die vorbereitete Musterakten genommen werden. In den Regalen des ehemaligen "Kupferkessels" lagert ein Teil der 111 Kilometer Stasi-Dokumente, die das BStU-Archiv enthält. Quelle: BStU / Kulick

Der Rundweg durchs Archiv führt auch in Werkstätten zur Aktenrestaurierung.

Der Rundweg durchs Archiv führt auch in Werkstätten zur Aktenrestaurierung. Quelle: BStU / Oana Popa

Besucher von Haus 22, in dem Podiumsdiskussionen stattfanden. Zu DDR-Zeiten war hier das Offizierscasino des MfS.

Besucher von Haus 22, in dem Podiumsdiskussionen stattfanden. Zu DDR-Zeiten war hier das Offizierscasino des MfS. Quelle: BStU / Popa

Eine Debatte über die Zukunft der Stasi-Akten. Das Bild zeigt das Podium.

Über verschiedene Themen wurde im Laufe des Tages debattiert, hier diskutieren Jörg Drieselmann (ASTAK e.V.), der Bundesbeauftragte Roland Jahn, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, Moderator Sven-Felix Kellerhoff, die Brandenburgische Beauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Ulrike Poppe, und der Vorsitzende des Verbands der Opferverbände, Rainer Wagner (von links). Quelle: BStU / Popa

Das Publikum folgte den Debatten in beim Bürgertag.

Das Publikum folgte den Debatten in beim Bürgertag. Quelle: BStU / Popa

Die Auskunftsabteilung beriet Bürger, die Anträge auf Stasi-Akteneinsicht stellen wollten. Am Ende gingen 620 neue Anträge ein. Auch jüngere Menschen füllten Antragsformulare aus, um mehr über die mögliche Stasi-Verstrickung oder Verfolgung ihrer mittlerweile verstorbenen Eltern zu erfahren.

Es gab Werkstätten der Bereiche Aktenrestauration und Aktenrekonstruktion, Hörstationen mit Beispielen von Stasi-Lauschangriffen, Gelände-Führungen, Vorträge und Musterakten zum Lesen. Themen gut besuchter Podiumsdiskussionen war der Verlauf des Geschehens vor 25 Jahren, die "Zukunft der Stasi-Akten" oder mit aktuellem Bezug das Thema "Stasi und NSA. Gibt es Lehren aus der Vergangenheit?".

Viele Besucher begaben sich auf den Archivrundgang, der durch mehrere Stockwerke und verschiedene Kartei- und Archivbereiche führte. Hier wurde auch die neue Stasi-Mediathek vorgestellt. An anderer Stelle wurden neu entwickelte Techniken zur Aktenrekonstruktion vorgeführt und Einblicke in die Rekonstruktion zerrissener Unterlagen gegeben.

Weitere Stationen beim Bürgertag des BStU im Bild (Teil 2)
   
Mitarbeiter der Abteilungen manuelle und virtuelle Rekonstruktion zeigen den Besucherinnen und Besuchern, wie mit zerrissenen Unterlagen gearbeitet wird.

Mitarbeiter der Abteilungen manuelle und virtuelle Rekonstruktion zeigen den Besucherinnen und Besuchern, wie mit zerrissenen Unterlagen gearbeitet wird. Quelle: BStU / Kulick

Die Musterwerkstatt für die Aktenrekonstruktion war eine ständig angelaufene Adresse für die Besucherinnen und Besucher des Bürgertags in "Haus 7".

Die Musterwerkstatt für die Aktenrekonstruktion war eine ständig gut angelaufene Adresse für die Bürgertags-Besucherinnen und Besucher in "Haus 7". Quelle: BStU / Popa

Sonderausstellungen der Stasi-Unterlagen-Behörde informieren über Schwerpunkten der Arbeit. Viele Menschen drängten sich vor den Schaufafeln.

Sonderausstellungen der Stasi-Unterlagen-Behörde informieren über Schwerpunkten der Arbeit. Quelle: BStU / Kulick

Nachgefragt war die Bürgerberatung durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BStU.

Nachgefragt war die Bürgerberatung durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BStU. Quelle: BStU / Kulick

Entlang des Weges durch "Haus 7" warteten aber auch noch andere Anziehungspunkte. Beispielsweise wurden auf Monitoren in den Paternostern der Stasi Lehrfilme des MfS gezeigt.

Entlang des Weges durch "Haus 7" warteten aber auch noch andere Anziehungspunkte. Beispielsweise wurden auf Monitoren in den Paternostern der Stasi Lehrfilme des MfS gezeigt. Quelle: BStU / Kulick

Das Tonarchiv bot Hörstationen an, dort wurden Tonbänder des MfS vorgespielt und erläutert.  .

Das Tonarchiv bot Hörstationen an, dort wurden Tonbänder des MfS vorgespielt und erläutert. Quelle: BStU / Kulick

An Monitoren und in kurzen Vorträgen wurde Interessierten die neue Mediathek der Stasi-Unterlagen-Behörde vorgestellt (www.stasi-mediathek.de).

An Monitoren und in kurzen Vorträgen wurde Interessierten die neue Mediathek der Stasi-Unterlagen-Behörde vorgestellt (www.stasi-mediathek.de). Quelle: BStU / Popa

Auch viele Aufarbeitungsinintiativen, die Bundeszentrale für politische Bildung und die Landesbeauftragten für die Stasiakten boten am Bürgertag ihre Informationen an

Auch viele Aufarbeitungsinintiativen, die Bundeszentrale für politische Bildung und die Landesbeauftragten für die Stasiakten boten am Bürgertag ihre Informationen an Quelle: BStU / Kulick

Die Angebote wurden rege wahrgenommen, vom gemeinsamen Informationsstand der BStU-Außenstellen bis hin zu Vorträgen von Wissenschaftlern aus der Forschungsabteilung des BStU. Die Forscher informierten beispielsweise über das Ausmaß belauschter Telefonate, über AIDS in der Propaganda von Stasi und KGB sowie über die Verstrickung der DDR-Justiz in den SED-Geheimdienstapparat.  

Spitzeltechnik, Stasi-Zersetzungsstrategien oder Mielkes Schreibtisch weckten das Interesse der Besucher im Stasi-Museum. Spitzeltechnik, Stasi-Zersetzungsstrategien oder Mielkes Schreibtisch weckten das Interesse der Besucher im Stasi-Museum. Quelle: BStU / Popa

Audio-Mitschnitte der Podiumsdiskussionen

Bürgerrechtler verhinderten vor 25 Jahren die Vernichtung der Akten und setzten deren Öffnung durch. Ob sich der Einsatz gelohnt hat, diskutierten die Zeitzeugen: Vera Lengsfeld, Dr. Harald Terpe, MdB, Stephan Konopatzky, BStU, Thomas Heise, Spiegel TV, Staatssekretär David Gill, Chef des Bundespräsidialamtes und Moderator Robin Lautenbach, ARD.

Wie sieht die Nutzung der Stasi-Akten in der Zukunft aus? Wie soll man mit den darin enthaltenen Informationen umgehen, wie sollen die Akten erhalten werden? Über die Zukunft des Stasi-Archivs diskutierten: Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, Ulrike Poppe, LAkD Brandenburg, Jörg Drieselmann, ASTAK e.V., Thomas Krüger, Präsident Bundeszentrale für politische Bildung, Rainer Wagner, UOKG e.V. und Moderator Sven Felix Kellerhoff, Die Welt.

Welche Szenarien sind für das Areal der Geheimpolizei in Berlin-Lichtenberg vorstellbar? Kann aus der einstigen Schaltzentrale der Repression in der SED-Diktatur heute ein Ort der Aufklärung über Diktatur und
Widerstand werden? Es diskutierten: Constanze Cremer, Geschäftsführerin Stattbau, Prof. Dr. Sybille Frank, TU Berlin, Tom Sello, Robert-Havemann-Gesellschaft, Dr. Anna Kaminsky, Bundesstiftung Aufarbeitung, Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen und Moderator Sven Felix Kellerhoff, Die Welt. Den Einführungsvortrag zur Verortung des Geländes im Stadtraum hielt Dr. Christian Halbrock, BStU.

Die Datenspeicherung durch Geheimdienste und Unternehmen entfachte eine neue Debatte um Überwachung, Selbstzensur und den Wert von Freiheit in der digitalen Gesellschaft. Welche Lehren lassen sich aus der SED-Diktatur ziehen? Und wie verändert Datenüberwachung heute Menschen und Gesellschaft?

Foto der Diskussion "Stasi und NSA".  Auf dem Podium u.a. Berlins Datenschutzbeauftragter Dr. Alexander Dix (2.v.l.), Prof. Edda Müller aus dem Vorstand von Transparency International  und Markus Löning (Stiftung Neue Verantwortung).Bei der Diskussion "Stasi und NSA - Gibt es Lehren aus der Vergangenheit?". Quelle: BStU / Kulick

Über Stasi und NSA diskutierten (auf obigem Foto von links nach rechts): Dr. Alexander Dix, Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, Dr. Roger Engelmann, BStU, Dr. Sandro Gaycken, Direktor des Digital Society Institute, ESMT Berlin, Prof. Dr. Edda Müller, Vorstand Transparency International Deutschland e.V. und Markus Löning, Stiftung Neue Verantwortung. Moderator war Harald Asel vom InfoRadio des rbb.

Jugend, Musik und Staatsmacht standen in der DDR immer im Widerspruch. Die Stasi versuchte zu steuern, sorgte für Zensur, Bespitzelung und Verhaftungen. Über die Sehnsucht nach Freiräumen in einer Diktatur diskutierten: Mark Reeder, Musiker und Produzent, Michael Boehlke, Punk-Archiv Substitut, Kai-Uwe Kohlschmidt, Sandow, Dr. Bernd Florath, BStU und Moderatorin Anja Caspary, Radio Eins, rbb.

Weiterführende Informationen

Bürgerberatung

In der Zentralstelle des BStU in der Karl-Liebknecht-Straße in Berlin beraten Sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bürgerberatung telefonisch oder persönlich zu Fragen der Akteneinsicht.

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Stasi Mediathek

Stasi-Akten online lesen: www.stasi-mediathek.de