Das Programm des Bürgertags in der Stasi-Zentrale
20 Jahre nach Öffnung der Stasi-Akten lud der Bundesbeauftragte Roland Jahn zu einem Bürgertag in die Berliner Normannenstraße ein.
Vor 20 Jahren nahmen die ersten Bürgerinnen und Bürger Einsicht in ihre Stasi-Akten. Aus diesem Anlass lud der Bundesbeauftragte am 14. Januar zu einem Bürgertag ein. Rund 6.000 Besucher strömten in die ehemalige Stasi-Zentrale in die Normannenstraße, verfolgten Diskussionen und besuchten Austellungen im restaurierten Haus 1. Viele sahen auch beim Rekonstruieren zerstörter Akten zu, lasen Beispielsakten, schauten Stasi-Filme und ließen sich als Antragsteller beraten. 460 Besucher gaben dabei ausgefüllte Anträge auf Stasi-Akten-Einsicht ab, darunter rund 300 Erstantragsteller. Zahlreiche weitere Besucher nahmen Anträge mit.
Eine ausführliche Reportage über den Bürgertag folgt im Lauf des morgigen Tages. Nachstehend das Programm vom 14. Januar:
Ausschnitt aus einer Akte
Quelle: BStU
Programm
Wissen wie es war - Bürgertag in der Stasi-Zentrale (PDF, 2MB, Datei ist nicht barrierefrei)
Haus 22
Hauptbühne: 20 Jahre Einsicht in die Stasi-Akten
11.00 Uhr
Wissen wie es war
Eröffnung
Der Bundesbeauftragte Roland Jahn und die Bürgerrechtlerinnen Vera Lengsfeld und Ulrike Poppe blicken zurück auf ihre erste Akteneinsicht.Moderation: Astrid Frohloff, rbb
- 11.30 Uhr
Nachgefragt: Stasi-Überprüfungen im öffentlichen Dienst
Mathias Bielich, Dezernent beim Landrat des Landkreises Bautzen, und Dr. Dietmar Woidke, Brandenburger Innenminister, berichten von ihren Erfahrungen mit der Überprüfung auf Stasi-Mitarbeit im öffentlichen Dienst.
Moderation: Astrid Frohloff, rbb
12.00 Uhr
AndersDenkenVerboten?
Die beiden Schülerinnen Mayke Dombrowski aus Bad Doberan und Nadine Schrempel aus Grimma zeigen, wie junge Leute Geschichte interessant aufarbeiten – wenn man sie selbst machen lässt.Moderation: Julia Illmer, rbb
12.30 Uhr
Akteneinsicht: Spätes Gift oder Balsam für die Seele?
Hildigund Neubert (Thüringer Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen) und Dr. Stefan Trobisch-Lütge (Diplom-Psychologe bei der Beratungsstelle "Gegenwind") über Beratung und Hilfe bei der schwierigen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.Christhard Läpple, ZDF
13.00 Uhr
Das Stasi-Unterlagen-Gesetz: Wie entstand es, was regelt es?
Rainer Eppelmann (ehemaliger Abgeordneter der frei gewählten Volkskammer und des Deutschen Bundestages) und Dr. Hansjürgen Garstka (ehemaliger Berliner Datenschutzbeauftragter) über ein ungewöhnliches Gesetz.Peter Wensierski, Der Spiegel
13.30 Uhr
Sie fragen - der Bundesbeauftragte Roland Jahn antwortetModeration: Astrid Frohloff, rbb
Der Journalist Roland Jahn, seit 15. März 2011 Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU)
Quelle: RBB
14.30 Uhr
Aktennutzung: Film
Jörg Hartmann (Genosse Kupfer in "Weissensee") und Andreas Kuno Richter (Regisseur "Kurzer Prozess") über die Stasi in Filmen, Dokumentationen und Fernsehserien.Christhard Läpple, ZDF
15.00 Uhr
"Ein kleines Stück Gerechtigkeit"
Opferrente, Rehabilitierung, Wiedergutmachung: Wie komme ich zu meinem Recht? Dirk Ehlert, Präsident des Landgerichtes Frankfurt (Oder), und Irmgard Oehlert vom Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales geben Antworten auf wichtige Fragen.Moderation: Margit Miosga, rbb
15.30 Uhr
"Ich traute meinen Augen kaum"
Wie viel Überwindung kostet es, den Blick in die eigene Stasi-Akte zu werfen? Thomas Ranft, Mitglied der Künstlergruppe "Clara Mosch" und Peter E. Rompf schildern ihre ganz persönlichen Erfahrungen.Moderation: Peter Wensierski, Der Spiegel
16.00 Uhr
20 Jahre Einsicht in die Stasi-Akten: Die Akten bleiben offen!
Joachim Gauck, Marianne Birthler und Roland Jahn sprechen über ihre Zeit als Bundesbeauftragte, die Nutzung der Stasi-Akten in der Gesellschaft und die Frage, wofür wir die Akten in Zukunft benötigen.Moderation: Hans-Jörg Vehlewald, BILD
Gewaltloser Widerstand: Am 23.10.1989 verteilt in Halle ein Demonstrant Blumen vor der SED-Bezirksleitung an DDR-Sicherheitskräfte
Quelle: BStU
Erdgeschoss
- Bürgerberatung und Antragstellung
Beratung und Anträge auf persönliche Einsicht in die Stasi-Akten
Obergeschoss
Ausstellung "Stasi Ohn(e)Macht"
Die Besetzung und Auflösung der DDR-Geheimpolizei
Bücherstand
Buchhandlung89 und BStU-Publikationen
11-18 Uhr
Dr. Helmut Müller-Enbergs, Autor von "Hauptverwaltung Aufklärung", beantwortet Fragen zu inoffiziellen Mitarbeitern und DDR-Spionage
Haus 1
Stasi Museum
Das sanierte und wiedereröffnete Haus 1 präsentiert sich als Stasimuseum der Öffentlichkeit. Zu sehen sind unter anderem neue Ausstellungen von BStU und ASTAK sowie die ehemaligen Diensträume von Stasi-Chef Erich Mielke.
Haus 7
Informationen, Beratung, Stasi-Archiv
Programm-Kino
Erdgeschoss, Raum 026
11.00 Uhr
"Operation Juninacht"
Die erste Folge der ARD-Fernsehserie "Weissensee"
(48 Minuten)
12.00 Uhr
"Feindberührung"
von Heike Bachelier
Emotionale Begegnung eines ehemaligen politischen Häftlings mit einem in der DDR auf ihn angesetzten IM
(92 Minuten)
Ein Stasi-IM und sein Spitzelobjekt in einem seltenen Dialog über Schuld und Versöhnung.
Quelle: Heike Bachelier
13.45 Uhr
"Kurzer Prozess – Eine Seefahrt in den Stasi-Knast"
von Andreas Kuno Richter
Der Teenager Jürgen Wiechert (18) soll für acht Jahre ins Zuchthaus. Aber er ist völlig unschuldig. Der Prozess gegen ihn und seine Freunde beginnt am 22. August 1961 im Rostocker Bezirksgericht wegen „planmäßiger und staatsgefährdender Nötigung und Hetze“. Fünfzig Jahre später: Im Sommer 2011 gehen fünf junge Mecklenburger auf Spurensuche.
(48 Minuten)
ACHTUNG, PROGRAMMÄNDERUNG!
14.45 Uhr
"Feindbilder - Die Fotos und Videos der Stasi"
von Holger KulickDokumentation über die umfassende visuelle Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit. Schwerpunktmäßig beleuchtet werden die Themen Observation, Verhaftungen, Stasi-Ideologie und eingesetzte Spitzel-Technik. Gezeigt werden die ersten drei Kapitel "Spurensuche im Stasi-Archiv", "Die Stasi im Einsatz" und "Schild und Schwert der Partei". Das Filmmaterial der Stasi wird von Zeitzeugen kommentiert. Eine Produktion der Bundeszentrale für politische Bildung auf der Basis des WDR-Films „Im Auge der Macht" von Karin Hartewig und Holger Kulick.
(47 Minuten)
15.45 Uhr
„Die verlorene Tochter“ – Die zweite Folge der ARD-Fernsehserie „Weissensee“
(48 Minuten)
16.45 Uhr
"Gesicht zur Wand"
von Stefan Weinert
Filmportrait über fünf durch die Stasi-Haft traumatisierte Menschen.
(85 Minuten)
Bürgerberatung und Antragstellung
- Beratung und Anträge auf persönliche Einsicht in die Stasi-Akten
Erdgeschoss, Räume 005, 018, 022, 024
Markt der Möglichkeiten
- Informationsstände des BStU, von Aufarbeitungsinstitutionen und Beratungsstellen
1. und 2. Obergeschoss
Stasi-O-Töne und Stasi-Filmmaterial
- Die Überwachungs-, Vernehmungs- und Schulungsfilme des Ministeriums für Staatssicherheit dokumentieren die Arbeitsmethoden des DDR-Repressionsapparates und geben Einblick in das Selbstbild der Stasi-Mitarbeiter.
2. Obergeschoss, Raum 227 (zentraler Medienraum)
In den Paternostern und Fluren im ganzen Haus
Filmrollen des MfS
Quelle: BStU
Stasi-Archiv
- Das Stasi-Archiv ist ganztägig zur Besichtigung geöffnet.
Eingang im 3. Obergeschoss
Rekonstruktion vernichteter Stasi-Unterlagen
- Die bei der Stasi-Auflösung im Herbst 1989 hastig zerrissenen Akten werden seit 1995 - von Hand - wieder zusammengesetzt. Bisher wurden knapp eine Million Seiten rekonstruiert, was jedoch nur ein Bruchteil des gesamten Materials ist. Um den Vorgang zu beschleunigen, wird seit 2007 mit Hilfe eines aufwändigen computergestützten Verfahrens erprobt, vernichtete Akten "virtuell" wieder zusammenzusetzen.
3. Obergeschoss, Raum 327
Ausstellungen
Seitenflure 1. bis 3. Obergeschoss
"Akteneinsicht"
Eine Ausstellung mit Kunstwerken des Malers und Bildhauers Berndt Johannsen
"Die Firma im Betrieb"
Staatssicherheit in der Volkswirtschaft der Region Magdeburg
"Kaderschmiede Sport"
Kinder- und Jugendsportschulen im Fokus der Staatssicherheit
- und weitere Ausstellungen
Führungen über das Gelände der Stasi-Zentrale
- Von 11.45-15.45 Uhr finden halbstündlich Führungen über das Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale statt
(Dauer etwa 1 Stunde).
Treffpunkt ist der Eingang von Haus 7.
Hinweise für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer
Haus 1: Das Stasimuseum ist barrierefrei zugänglich.
Haus 7: Bitte melden Sie sich am Eingang von Haus 7, um in das Haus zu gelangen. Der Archivrundgang ist – bis auf die Restaurierungswerkstatt – auch für Rollstuhlfahrer möglich. Bitte melden Sie sich hierfür am Start des Rundgangs im 3. Obergeschoss.
Haus 22: Leider ist im Rollstuhl kein selbstständiger Zugang möglich. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bedingt mobilitätseingeschränkten Gästen jedoch gerne beim Zugang behilflich. Bitte sprechen Sie uns an.
Standort/Lageplan:
Programm als PDF-Datei
Wissen wie es war - Bürgertag in der Stasi-Zentrale (PDF, 2MB, Datei ist nicht barrierefrei)

