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Gewalteskalation am Hauptbahnhof

Tatort-Fotos und ein MfS-Videoprotokoll vom 4. Oktober 1989 in Dresden

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Ein Videofund im Archiv des BStU: Der 4. Oktober 1989. Züge mit DDR-Botschaftsflüchtlingen aus Prag sind zur Ausreise Richtung Bundesrepublik unterwegs. In Dresden nehmen dies Bürger zum Anlass für Proteste. Einige wollen auf die durchfahrenden Züge aufspringen, die nachts den Dresdener Bahnhof passieren. Die Polizei sperrt deshalb die Bahnhofshalle ab, in der der Unmut mehr und mehr wächst. Es kommt zu lautstarkem Protest und zu Ausschreitungen. Eine Stasi-Kamera dreht in der Bahnhofshalle mit.Quelle: BStU MfS BV Ddn Vi 13


Der MfS-Film mit der Fundsignatur BStU MfS BV Ddn Vi 13 dokumentiert zunächst entstandene Schäden und Festnahmen aus der Nacht des 4. Oktober 1989 im Dresdener Hauptbahnhof. Auch eine Fotoserie hält Sachschäden aus der Nacht fest (BStU MfS ZAIG 1663):

Zerstörte BahnhofsfensterscheibeZerstörte Bahnhofsfensterscheibe Quelle: BStU MfS ZAIG Fo 1663 Abb. 19

Das Video selbst zeigt ein Protokoll des Abends in der sich allmählich füllenden Bahnhofshalle, in der die Spannung mehr und mehr wächst und auch Inventar zu Bruch geht, darunter Fenster, Fahrkartenschalter und ein Kiosk. Dies dokumentiert auch die Fotoserie.

Demolierter Kiosk im BahnhofDemolierter Kiosk im Bahnhof Quelle: BStU MfS ZAIG Fo 1663 Abb. 13/14

Im Video zu sehen ist auch Polizei, die mit Schläuchen durch die Fenster ins Bahnhofsinnere spritzt, um die Menschen zu vertreiben. Einige von ihnen reagieren mit Gegengewalt.

1 Uhr 11 zeigt die beschädigte Bahnsteigsanzeige1 Uhr 11 zeigt die beschädigte Bahnsteigsanzeige Quelle: BStU MfS ZAIG Fo 1663 Abb. 17

Auf den Fotos dokumentiert ist auch ein in Brand gesetztes Fahrzeug der DDR-Volkspolizei vor dem Bahnhof. Dies zeigt das Video allerdings nicht, nur Demonstranten, die dort gegen Mitternacht lautstark Parolen skandieren.

Ausgebrannter Funkstreifenwagen der DDR-VolkspolizeiAusgebrannter Funkstreifenwagen der DDR-Volkspolizei Quelle: BStU MfS ZAIG Fo 1663 Abb. 25

Tätlichkeiten von Demonstranten blieben während der Friedlichen Revolution in der DDR allerdings eine Ausnahme. Doch in Dresden prallten damals Bürger und DDR-Ordnungshüter so heftig aufeinander, dass zeitweise ein Umkippen der Friedlichen Revolution in Gewalt befürchtet wurde.

Aufgerissenes Straßenpflaster vor dem Bahnhof, offenbar Wurfmunition einiger DemonstrantenAufgerissenes Straßenpflaster vor dem Bahnhof, offenbar Wurfmunition einiger Demonstranten Quelle: BStU MfS ZAIG Fo 1663 Abb. 15

Umso mehr wurde in den Folgetagen "Keine Gewalt" DDR-weit zur wichtigsten Losung der Protestbewegung gegen das SED-Regime.

Von Demonstranten heruntergelassene DDR-Fahnen nahe dem Dresdener HauptbahnhofVon Demonstranten heruntergelassene DDR-Fahnen nahe dem Dresdener Hauptbahnhof Quelle: BStU MfS ZAIG Fo 1663 Abb. 7

HINWEIS: Das Abspielen des Videos ist nur möglich, wenn die technischen Voraussetzungen (Real Player o.ä.) auf Ihrem Computer installiert sind. Alternativ ist das MfS-Material auf der DVD-ROM "BStU kompakt" gespeichert. Sie kann kostenlos beim BStU bestellt werden.


Holger Kulick

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