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Überlieferungslage und Erschließung der Unterlagen

Stand: Mai 2016

Umfang

Die bei dem Bundesbeauftragten verwahrten Unterlagen dokumentieren die Aufgaben des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) einschließlich seiner Vorgänger- und Nachfolgeorganisationen.

Die Unterlagen belegen die im Auftrag und mit Wissen der SED wahrgenommene Tätigkeit der DDR-Staatssicherheit als politische Geheimpolizei, geheimer Nachrichtendienst und "Organ" für strafrechtliche Untersuchungen.

Das Schriftgut gliedert sich in die bereits zu Zeiten des Staatssicherheitsdienstes archivierten Akten und in dasjenige Material, mit dem in den Diensteinheiten des MfS noch im Jahr 1989 gearbeitet wurde.

Um die Jahreswende 1989/90 besetzten Bürgerinnen und Bürger in allen Bezirken und Kreisen der DDR die Dienststellen des Ministeriums für Staatssicherheit. So wurde der Geheimdienst seines Herrschaftswissens beraubt und zugleich die wichtige Überlieferung vor der Vernichtung bewahrt.

Die Unterlagen, welche die Bürgerinnen und Bürger in den Büros der Offiziere vorfanden, wurden in Bündeln zusammengefasst und dem Zugriff der MfS-Mitarbeiter entzogen. Daneben konnten originale Findmittel des MfS gesichert werden. Überwiegend handelt es sich dabei um die sogenannten zentralen Personenkarteien des MfS wie die allgemeine Personenkartei "F 16", die Vorgangskartei "F 22" oder die Decknamenkartei "F 77". Außerdem gibt es zahlreiche Karteikarten der einzelnen Diensteinheiten des MfS.

Die schriftliche Überlieferung des DDR-Staatssicherheitsdienstes umfasst ca. 112.000 laufende Meter. Von diesen entfallen etwa 12.000 laufende Meter auf die zahlreichen personenbezogenen MfS-Karteien. Das sind insgesamt etwa 41 Millionen Karteikarten.

Daneben liegen Unterlagen in Form von Sicherungs- und Arbeitsfilmen vor, die ausgedruckt auf Papier ca. 47.000 laufende Meter Schriftgut ergeben würden.

Außerdem sind circa 15.500 Behältnisse (überwiegend Säcke) mit zerrissenen Unterlagen vorhanden. Hierbei handelt es sich um Dokumente, die in der Auflösungsphase 1989/90 von Mitarbeitern der DDR-Staatssicherheit zwar bereits per Hand zerrissen, aber nicht mehr endgültig vernichtet werden konnten.

Schließlich sind etwa 1,7 Mio. Fotodokumente (Fotos, Negative, Dias), 24.100 Tondokumente und über 2.850 Filme und Videos mit Aufzeichnungen erhalten.

Aufgeteilt auf die verschiedenen Organisationseinheiten des DDR-Staatssicherheitsdienstes ergibt sich folgendes Bild: Die schriftliche Überlieferung des Ministeriums beinhaltet etwa 43.000 laufende Meter. Das Schriftgut der Bezirksverwaltungen und Kreisdienststellen beläuft sich auf insgesamt rund 69.000 laufende Meter Unterlagen.

Inhalt

Inhaltlich wichtige Quellen sind beispielsweise:

  • Unterlagen über Beobachtung und Bearbeitung sämtlicher Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens vorwiegend in der DDR und in der Bundesrepublik Deutschland, so z.B. die MfS-Aktenkategorien "Operative Vorgänge", "Operative Personenkontrollen", "Untersuchungsvorgänge".
  • Informationsübersichten und Stimmungsberichte des MfS an die Partei- und Staatsführung,
  • Protokolle von Dienstberatungen der verschiedenen Leitungsebenen des MfS,
  • Unterlagen zu Organisation und Dienstbetrieb des Staatssicherheitsdienstes, z.B. dienstliche Bestimmungen des MfS, Struktur-, Stellen- und Jahrespläne der einzelnen Diensteinheiten des MfS.

Erschließung

Der Umfang des 1989/90 in den Büros der Diensteinheiten aufgefundenen Materials beträgt circa 61.000 laufende Meter. Diese vielfach ungeordnet überlieferten Bündel werden vorrangig erschlossen und, falls nötig, zu Akten formiert. Die Erschließung ist der Prozess der Ordnung und Verzeichnung der Unterlagen sowohl personen- als auch sachbezogen. Sie erfolgt seit 1998 IT-gestützt in der Datenbank "Sachaktenerschließung" (SAE).

Bisher wurden insgesamt etwa 55.700 laufende Meter des 1989/90 aus den Diensteinheiten geborgenen Materials erschlossen. Das entspricht einem Erschließungsstand von 92 Prozent. Der Anteil der bereits vom MfS archivierten Akten an der schriftlichen Gesamtüberlieferung beträgt etwa 51.000 laufende Meter. Dieser Teil ist über die bereits vom MfS selbst angelegten Findmittel personenbezogen zugänglich. Der bisherige Erschließungsstand für den thematischen Zugang beträgt hier 5 Prozent.

Zusätzlich konnte an zerrissenen Unterlagen bisher Schriftgut aus etwa 500 Säcken und Bündeln im Umfang von über 1,6 Millionen Blatt manuell rekonstruiert werden. Die auf diese Weise zurück gewonnenen Unterlagen werden anschließend archivisch verzeichnet und zugänglich gemacht.

Derzeit wird in einem Pilotverfahren die virtuelle Rekonstruktion zerrissener Unterlagen entwickelt. Das damit beauftragte Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) schätzt ein, dass der technische Hauptbaustein des Pilotverfahrens frühestens Ende 2016 abgeschlossen sein wird.

Von den 24.100 Tondokumenten sind knapp 19.800 archivisch bearbeitet, von den über 1,7 Millionen Bildern sind mehr als 1,2 Million verzeichnet. Das entspricht 71 Prozent. Vollständig erschlossen ist die Sammlung der Filme und Videos. Hierzu liegt online ein Medienverzeichnis vor.

Die Archivarinnen und Archivare veröffentlichen ihre Erschließungsergebnisse in Online-Findmitteln und teilweise in Druckform. Die Nutzung der Unterlagen des DDR-Staatssicherheitsdienstes richtet sich nach dem Stasi-Unterlagen-Gesetz (StUG).

Bewertung

Zu den gesetzlichen Aufgaben des BStU gehört auch die Bewertung der Unterlagen nach archivischen Grundsätzen (§ 37 Abs. 1 Nr. 2 StUG). Archivfachlich bedeutet Bewertung die Entscheidung, ob Unterlagen dauernd aufbewahrungswürdig sind oder nicht. Bei negativer Bewertungsentscheidung können die betreffenden Unterlagen entsorgt, also kassiert, werden.

Aus naheliegenden Gründen ist die Bewertungsbefugnis der Archivare beim BStU aber stark eingeschränkt. So werden selbstverständlich die Akten der Betroffenen (Opferakten) und die Akten der hauptamtlichen oder inoffiziellen Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes immer erhalten. Aus Sicht des BStU sollte sich daran auch zukünftig nichts ändern, das heißt diese Akten sollten auch in Zukunft nicht zum Gegenstand archivischer Bewertung werden.

Die archivfachliche Bewertung ist beim BStU in einer speziellen Arbeitsanweisung geregelt. Mit ihr ist ein so genannter Bewertungskatalog verknüpft, der seit 2001 gültig ist. Der Bewertungskatalog legt fest, welche Unterlagenarten (in den engen Grenzen, die dafür vom BStU gesetzt sind) überhaupt bewertet und gegebenenfalls ersatzlos kassiert werden können. Demnach kommen dafür überhaupt nur Unterlagen in Frage, die zu einer der im Bewertungskatalog genannten Schriftgutkategorien gehören und außerdem auch nach archivfachlicher Einschätzung nicht dauerhaft aufbewahrungswürdig sind.

Von den bisherigen Kassationen beim BStU betraf ein großer Teil sogenannte Mehrfachüberlieferungen. Das sind identische Unterlagen, von denen der BStU bereits Exemplare archiviert hat. Ein weiterer erheblicher Anteil betraf Verpackungsmaterialien sowie Leerformulare, von denen ebenfalls ausreichend Musterexemplare gesichert sind. Nur für einen begrenzten Anteil war bisher eine inhaltliche Bewertung nach dem Bewertungskatalog überhaupt nötig.

In den Tätigkeitsberichten der/des BStU wird auch Auskunft zu Fragen der Bewertung und Kassation gegeben, zuletzt im 12. Tätigkeitsbericht des BStU (2015).

ARGUS für MfS-Unterlagen

Neue Online-Recherche für Stasi-Unterlagen: ARGUS - Findmittel auf einen Blick